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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-11469
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1146/


Trebeljahr, Moritz

Pero da Covilhas Indien- und Äthiopienreise und die Expansionspolitik Johanns II. von Portugal

Pero da Covilha's journey to India and Ethiopia and the politics of expansion of John II of Portugal

Dokument1.pdf (835 KB) (md5sum: e24e46da4f876f47767be5b45db0d30a)

Kurzfassung in Deutsch

Als Johann II. 1481 den portugiesischen Thron bestieg, lag die Eroberung Ceutas unter seinem Urgroßvater Johann I. 66 Jahre zurück. Sechs Jahrzehnte hatte die portugiesische Expansion benötigt, um mit dem Kap Bojador (Gil Eanes, 1434) und dem Äquator (Rui de Sequeira, 1475) die ersten gegebenen und/oder gedachten geographischen Grenzen entlang der westafrikanischen Küste zu überschreiten.
Auf der Grundlage dieser Erfahrungen legte Johann in den zwölf Jahren zwischen dem Bau der Festung Mina an der Nordküste des Golfs von Guinea (Diogo de Azambuja, 1482) bis zum Abschluss des Vertrags von Tordesillas/Setúbal (1494) den Grundstein für ein Imperium, das sich unter seinem Nachfolger Manuel I. auf vier Kontinente und drei Ozeane ausdehnen sollte. Seine Expansionspolitik richtete er dabei nach einem in der Forschung als "Indienplan" bekanntem Gesamtkonzept aus, das zwei klar definierte Ziele verfolgte: Ein Bündnis mit einem christlichen Herrscher im Orient, der in Äthiopien vermutet und mit dem legendären Erzpriester Johannes gleichgesetzt wurde, und die Entdeckung des Seewegs nach Indien um die Südspitze des afrikanischen Kontinents herum, um die Voraussetzungen für eine Umleitung des indischen Gewürzhandels nach Lissabon zu schaffen.
Agenten Johanns II. arbeiteten zeitgleich an mindestens drei verschiedenen Fronten rund um Afrika an der Umsetzung der Ziele des "Indienplans". Den prominentesten Rang nehmen in der heutigen Wahrnehmung die Schiffsreisen entlang der afrikanischen Westküste nach Süden unter Diogo Cão und Bartolomeu Dias ein. Die Suche nach einem Ostweg nach Indien ist ein ureigenes portugiesisches Projekt und führte mit Vasco da Gamas Reise 1497 letztendlich auch zum gewünschten Erfolg. Den Höhepunkt der Bemühungen unter Johann stellt an dieser Front zweifelsohne Dias' Vorstoß in den Indischen Ozean und die Entdeckung des Kaps der Guten Hoffnung auf der Rückreise nach Lissabon 1488 dar.
Weit weniger bekannt sind die Namen der zahlreichen Agenten, die zwischen 1484 und 1494 auf der Suche nach "Ogané" Vorstöße ins afrikanische Landesinnere unternahmen. Die zwischen 1484 und 1486 in Lissabon eingetroffen Nachrichten über diesen angeblich christlichen Priesterkönig haben die Afrika-Politik des Königs nachhaltig beeinflusst. In Ogané glaubte Johann den Erzpriester Johannes gefunden zu haben. Er initierte eine Suche, die seine Diener auf dem Landweg teilweise bis weit ins Innere des Kontinents führte.
Seine globale Dimension erlangte der "Indienplan" jedoch erst über eine dritte, die levantinische Route. Durch den Mittelmeerraum gelangte 1487 Pêro da Covilhã in den Orient. Im Auftrag Johanns II. erkundete der Geheimagent die zentralen Routen des indischen Gewürzhandels, besuchte Kalikut zehn Jahre vor Vasco da Gama, gelangte als erster Europäer an der ostafrikanischen Küste bis nach Sofala, wo er Gewissheit über die Existenz des Seewegs um die Südspitze Afrikas erlangte, und drang schließlich mit Briefen seines Königs bis zum Hof des Negus von Äthiopien vor, den er mit dem Erzpriester Johannes identifizierte. Die Ergebnisse der Mission Covilhãs nehmen das Erreichen des "Doppelziels" der Expansionspolitik Johanns II. vorweg. Seine Indien- und Äthiopienreise ist somit von kapitaler Bedeutung für die portugiesische Entdeckungsgeschichte.
Gleichzeitig sind die Reisen Covilhãs jedoch das Beispiel par excellence für die schwierige Quellenlage zur portugiesischen Expansion im 15. Jahrhundert, insbesondere zur Regierungszeit Johanns II. (1481-1495). Covilhã gelang es nicht, nach Europa zurückzukehren; ob seine Briefe mit Nachrichten über die Ergebnisse seiner Nachforschungen, die er nach Portugal schickte, den König erreichten, ist ungewiss, denn keines der Dokumente ist erhalten. Das heute verfügbare Wissen um seine Person und Verdienste ist allein dem Umstand zu verdanken, dass der Franziskaner Francisco Álvares ihn 1520 in Äthiopien noch lebendig antraf und den Bericht des Agenten in sein Werk aufnahm.
Die Frage, ob Pêro da Covilhã in Ausführung der Direktiven Johanns II. tatsächlich zum "Wegbereiter" Vasco da Gamas wurde, bleibt solange unbeantwortet, bis ein Bericht des Agenten gefunden wird. Covilhã war jedoch entscheidend an einem Prozeß beteiligt, der - zumindest aus europäischer Sicht - die Welt veränderte.


Kurzfassung in Englisch

The major leitmotiv of the Portuguese Expansion in the early modern period was the so called "project of the Indies." It was based on two objectives: to reach India, the homeland of the spices, and to establish contact with a legendary and mighty Christian monarch known as the Prester John.
John II (1481-95) was the first Portuguese king to give orders to discover India and to work simultaneously on at least three different fronts to achieve this objective. Today, the successive attempts to circumnavigate Africa by ship leading to the discovery of the Cape of Good Hope (Bartolomeu Dias, 1488) and the Sea Route to India (Vasco da Gama, 1498) are regarded as the most prominent enterprises, whereas the numerous agents sent out on foot to reach the court of "Prester John" through the interior of Africa are almost completely forgotten.
However, the first decisive breakthrough came on yet a third front. It was in 1487, that John II entrusted Pero da Covilha and another servant of his, Afonso de Paiva, with the mission to learn about the whereabouts of the Prester John, to get to India where the spices came from and to gain certainty about the existence of a sea passage to India. Setting out on the traditional route to the Orient, through the Mediterranean, Covilha reached India via Rhodes, Alexandria, Cairo and Aden, disguised as an Arab merchant. He was the first Portuguese to visit the major cities and ports of the Indian spice trade, some ten years before Vasco da Gama. He then travelled to the East African coast and was the first European to reach Sofala. There, he learned that Africa could be, in fact, circumnavigated. Covilha finally reached Ethiopia, whose Christian Emperors, however, did not allow him to return to Portugal. In this way, he was forced to spend the rest of his days in Ethiopia and John II died in 1495, probably without ever knowing that his agent had managed to carry out his mission. No report by Covilha survived and all the information we have is based on a work by the Franciscan monk Francisco Álvares, who was a member of the first Portuguese diplomatic delegation to Ethiopia, where he met Covilha personally in 1520.
The Portuguese Expansion litterally changed the world. However, if Vasco da Gama set out on his voyage of discovery in possession of information which Pero da Covilha had collected in India and East Africa, we will never know for certain unless one day a report by Covilha surfaces from the archives.


SWD-Schlagwörter: Europa / Expansion , Johannes <der Priesterkönig> , Johann <Portugal, König, II.> , Covilhã, Pêro da , Entdeckungsreise , Gewürzhandel , Äthiopien
Freie Schlagwörter (deutsch): Geschichte 1415-1580
Freie Schlagwörter (englisch): Pero da Covilha , John II of Portugal , Prester John of the Indies , India , Ethiopia , Portuguese Expansion 15th-16th century
Institut: Historisches Seminar
DDC-Sachgruppe: Geschichte
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 27.01.2004
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