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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-11702
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1170/


Hauschild, Stephanie

Schatten, Farbe, Licht

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Kurzfassung in Deutsch

Im Mittelpunkt der Dissertation über die französische Malerin Elisabeth Vigée Le Brun (1755-1842) stehen ausführliche Bildinterpretationen. Vor allem Porträts, aber auch ihre wenigen Historienbilder und die Landschaften werden auf Grundlage ihres Umgangs mit der Kategorie Kolorit betrachtet. Besprochen werden neben ikonographischen und stilistischen Problemen, Details der Arbeitsökonomie im Atelier wie Malmaterialien, Produktionsabläufe, Auftraggeber, Schülerinnen auch Möglichkeiten der Werkpräsentation in Ausstellungen, Galerien oder Privathäusern - in einer Zeit in der das Museum gerade erst erfunden wird. Gefragt wird nach möglichen Gründen für den Erfolg von Vigée Le Bruns Malerei und das allmähliches Verschwinden ihrer Bilder aus dem öffentlichen Raum zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Wichtigste Hilfe für die Diskussion ihrer Bilder sind die „Souvenirs“, ein Erinnerungsbericht, den die Künstlerin am Ende ihres Lebens verfaßt hat, und der kritisch gelesen, in die Arbeit mit einbezogen wurde.
Ausgangspunkt der Untersuchung sind Vigée Le Bruns Selbstbildnisse, die ihre Schwierigkeiten dokumentieren, sich als künstlerisch tätige Frau zu legitimieren. In der Analyse illustrieren die Porträts die beinahe zwanghaft anmutenden Versuche sich in die Reihe großer Künstlerpersönlichkeiten (Rubens, Raffael, Meister der Antike) einzuordnen. Sie konstruiert eine persönliche Ahnenreihe, um sich selbst in der Geschichte der Kunst zu verorten. Vergleiche mit Bildern von Angelika Kauffmann belegen eine - von der Kunstkritik geförderte - Konkurrenz der beiden Frauen, aber auch eine einmalige Künstlerinnenfreundschaft.
Vigée Le Bruns Tätigkeit im Exil, in England, Italien, Deutschland und Rußland führt zu Veränderungen in Bildsprache und Motivwahl. In Frankreich vor der Revolution gehörte sie zu den Malern, die den neoklassizistischen Stil mit vorbereiteten. Im Exil stilisiert sie sich hingegen zunehmend zur Malerin der unglücklichen Königin Marie Antoinette und somit zu einem Symbol des alten Frankreichs. In dieser Eigenschaft belebt sie das in Frankreich bereits als überholt geltende Bildmotiv des portrait historié neu, wie anhand ausführlicher Analysen ihrer Porträts der Emma Hart als Ariadne und der Prinzessin von Liechtenstein als Iris gezeigt wird. In der Verwendung der Formel des portrait historié verbindet Vigée Le Brun die politische Selbststilisierung mit ihrem Porträtkonzept. Zurück in Paris kann Vigée Le Brun an ihre alten Erfolge nicht mehr anknüpfen. Ihre Malerei gehört um 1800 in Frankreich bereits zur veralteten und aus der Mode gekommenen Kunst, ihr Porträtstil wurde von der neuen bonapartistischen Gesellschaft nicht akzeptiert. Vigée Le Brun im Gegenzug konservierte die alte aristokratische Lebensweise des ancien régime. Sie definiert sich als Überlebende einer untergegangenen Epoche und als letzte Vertreterin der ancienne école. Vigée Le Bruns Bildlösungen demonstrieren den Wandel von der üblichen Anwendung akademischer Praxis hin zu einem Instrument politischer Äußerung,
Mit dem Porträt der Emma Hart als Ariadne hat Vigée Le Brun ein Bild speziell für die Sammlung ihres Auftraggebers konzipiert. Das Porträt ist Ausdruck des Wettbewerbs mit den bereits ausgestellten Bildnissen des Modells und bildet eine Zusammenfassung der in der Galerie vorgegebenen Themen. Vigée Le Brun demonstriert mit diesem Bildnis in der Sammlung eines berühmten Kunstkenners ihren Anspruch und ihre Fähigkeiten als gelehrte Malerin und als Kunstkennerin. Als Frau des bedeutenden Kunsthändlers Jean-Baptiste Pierre Le Brun hatte sie bereits in Paris die Möglichkeit alte und neue Kunst aus ganz Europa zu studieren.
Im internationalen Vergleich hat Vigée Le Brun sehr hohe Preise für ihre Bilder verlangt, die sie je nach Größe, Bildausschnitt und Format festlegte. Sie hatte feste Gewohnheiten im Umgang mit den Kunden und in der Bildherstellung, die sie auch während der Jahre im Exil beibehielt. Ungewöhnlich ist ihre Verwendung von Holz als Bildträger. Neben den Porträts als Haupterwerbsquelle wendet sie sich in späteren Jahren vermehrt der Landschaftsmalerei zu. Bemerkenswert ist der Gebrauch von Pastellkreiden. In ihrer Anleitung zur Porträtmalerei konzentriert Vigée Le Brun sich auf die Farben des Inkarnats und schildert so ihre Meisterschaft auf diesem schwierigen Gebiet. Vigée Le Brun präsentiert sich in schriftlichen und bildlichen Zeugnissen als meisterhafte Koloristin, die die Effekte des Sonnenlichts virtuos darstellen konnte und den Regenbogen als Modell für ihre Farbgebung verwendete.
Als Mitglied der Pariser Kunstakademie hat Vigée Le Brun einige Historienbilder und Akte gemalt. Doch nehmen diese Bilder nur eine Randstellung in ihrem Gesamtwerk ein. Leitmotiv der Bildniskunst Vigée Le Bruns sind die Themen Geist und Inspiration, die sie in ihren zahlreichen „tête d’expression“ verwirklicht hat.


SWD-Schlagwörter: Vigée-Lebrun, Louise-Elisabeth , Bildnismalerei
Freie Schlagwörter (deutsch): Emigration , Angelika Kauffmann , Inkarnat , Kolorit , Kunstakademie , Kunstausstellung , Kunstkritik , Künstlerin , künstlerische Techniken
Institut: Kunstgeschichtliches Institut
Fakultät: Philosophische Fakultät I (bis Sept. 2002)
DDC-Sachgruppe: Malerei
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Prater, Andreas (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.02.1998
Erstellungsjahr: 1998
Publikationsdatum: 09.02.2004
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