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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-12872
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1287/


Wilke, Bettina

Gesellschaftliche Konstruktionen von Geschlecht und Sexualität im Spiegel der Pornografie

Dokument1.pdf (1.318 KB) (md5sum: 8d278de6f8c6bc731d9b19d3f6a14266)

Kurzfassung in Deutsch

„Pornografie“ – das Fetischbeispiel feministischer Patriarchatskritik - kann mehr sein als eine abgegraste Landschaft differenzorientierter feministischer Wissenschaft. Setzen wir dieses Thema nämlich als einen Köder ein, der Menschen beispielsweise in Gruppendiskussionen dazu verführt, über Geschlecht und Sexualität zu sprechen, kann es uns freien Blick auf Geschlechterkonstruktionen gewähren. Erklärtes Ziel meiner Untersuchung zum Thema „Gesellschaftliche Konstruktionen von Geschlecht und Sexualität im Spiegel der Pornografie“ war, die gemeinsame Konstruktionsleistung aller Diskutierenden als gruppenübergreifenden Konsens in den Vordergrund zu stellen, und das in Unabhängigkeit vom Geschlecht der Gesprächsteilnehmenden. Pornografie fungiert hier als ein Thema, über das Geschlecht konstruiert wird. Entsprechend geht es mir in meinem Beitrag auch nicht darum, wie Pornografie in Abhängigkeit von Geschlecht konstruiert wird, sondern umgekehrt: Wie wird Geschlecht in Abhängigkeit von Pornografie, das heißt über das Thema Pornografie konstruiert?

Die Arbeit selbst ist in drei Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil, „Theoretisches: Debatten und Prämissen“ diskutiere ich die in der Tat voraussetzungsvollen Größen „Gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht“, „Gesellschaftliche Konstruktion von Sexualität“ und „Pornografie“. Dabei zeichne ich die bisher zu diesen Themen geführten Debatten nach, formuliere aber auch forschungsleitende theoretische Prämissen. Meine Sichtweise auf Pornografie als „Inszenierung der Inszenierung“ von Geschlecht soll deutlich machen, wie dieses Thema für die Geschlechterforschung empirisch nutzbar gemacht werden kann. Die Ausführungen zu „Frauenforschung und Geschlechterforschung aus konstruktivistischer Perspektive“ dienen der Vorbereitung und Entwicklung eines alternativen Forschungsdesigns, in dem die Kategorien ‚Geschlecht’ und ‚Sexualität’ nicht reifizierend sondern als Konstruktionen einer Analyse zugänglich gemacht werden.

Im zweiten Abschnitt „Empirisches: Gruppendiskussionen und Mainstream-Pornografie“ wende ich dieses alternative Forschungsdesign an. Mein Datenmaterial bestand aus vier Gruppendiskussionen (zwei Männergruppen und zwei Frauengruppen), die mit der Eingangsfrage ‚Warum konsumieren mehr Männer Pornografie als Frauen?’ von Studierenden der Universität Freiburg durchgeführt worden waren. Aus diesen Diskussionen habe ich die in ihnen zum Ausdruck kommenden Geschlechter- und Sexualitätskonstruktionen herausgefiltert, wobei ich die relevanten Diskussionsausschnitte maskiert bzw. neutralisiert verschriftlicht habe, so dass die oder der Leser/in nicht weiß, ob ein Mann oder eine Frau gesprochen hat. Die Geschlechtszugehörigkeit der Sprechenden ist nämlich gar nicht entscheidend, weil die entwickelten Geschlechterkonstruktionen relativ deckungsgleich sind: Männer sind von Natur aus triebhaft, Frauen sind sanft und emotional, dessen sind sich die Diskutierenden ziemlich sicher. Zusätzlich habe ich anhand von vier Beispielfilmen zentrale Momente und Verlaufsmuster von Mainstream-Pornofilmen zusammengestellt. Dabei stand vor allem das Prinzip der ‚immerwährenden Lust’ im Vordergrund, die in diesen Filmen sowohl von Männern als auch von Frauen repräsentiert wird.

Im dritten Teil der Arbeit „Dekonstruktives: Inszenierungen und Inszenierungen“ vergleiche ich unter anderem die Rekonstruktionen der Geschlechterbilder der DiskussionsteilnehmerInnen mit jenen in Mainstreampornos entworfenen Geschlechterdarstellungen. Durch einen dekonstruktiven Blickwinkel kann nämlich gezeigt werden, dass die Diskutierenden fortwährend an die Grenzen ihrer eigenen Geschlechterkonstruktionen geraten, so dass sie eine Reihe von Kniffen in Anschlag bringen müssen, um die entstehenden Widersprüche zumindest rhetorisch zu glätten. Immerhin befanden sich alle Diskutierenden beispielsweise in dem Dilemma, dass sie entweder Männer sind oder (da die beiden Frauengruppen aus zu diesem Zeitpunkt heterosexuellen Frauen bestanden) Männer begehren. Es ist also durchaus nicht leicht, Männer auf der einen Seite als triebhafte und machtbesessene Hengste zu konstruieren, andererseits deutlich zu machen, dass sie trotzdem in Ordnung sind. Die Diskutierenden sind nahezu gezwungen, Strategien zu entwickeln, die solche drohenden Brüche kaschieren können.


SWD-Schlagwörter: Frankfurt <Main> / Cornelia-Goethe-Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse , Butler, Judith / Gender trouble , Gesc
Freie Schlagwörter (deutsch): Pornografie
Institut: Institut für Soziologie
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 18.05.2004
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