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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-15051
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1505/


Klein, Konstanze

Ereignisorientierte Patientenbefragung : Entwicklung und Evaluation eines Fragebogens zur Bewertung der stationären medizinischen Rehabilitation

Event orientated patient questioning : development and validation of an event orientated questionnaire to evaluate inpatient medical rehabilitation

Dokument1.pdf (1.928 KB) (md5sum: 51bb84c1be081f1eb27d546d657155e5)

Kurzfassung in Deutsch

Die Patientenzufriedenheit gilt allgemein als Indikator für die Qualität einer Gesundheitsein-richtung und deren Versorgung aus Sicht der Patienten. Die mangelnde Klarheit bezüglich des Konzepts der Patientenzufriedenheit, die häufig nicht erfassten Einflüsse auf die Patientenur-teile, hohe Deckeneffekte und nicht zuletzt die z.T. widersprüchlichen Ergebnisse in Bezug zu anderen Qualitätsparametern beschreiben die Schwächen der Zufriedenheitsmessung.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Entwicklung eines standardisierten Patientenfragebogens für den Bereich der stationären medizinischen Rehabilitation, der die Erfahrungen der Patien-ten mit der Rehabilitation anhand konkreter Ereignisse objektiviert und messbar macht. Im Unterschied zur Zufriedenheitsmessung sind konkrete, beobachtbare Ereignisse, die nicht nur medizinisch-therapeutisch relevant sind, sondern auch die Qualitätskriterien der Patienten benennen, Inhalt dieser ereignisorientierten Patientenbefragung. Eine an Beobachtungen quantifizierte Antwortstruktur erleichtert die Interpretation der Ergebnisse und führt zu kon-kreten Aussagen über die Qualität einer Klinik. Um vor allen Dingen Merkmale zu benennen, die für die Patienten relevant sind und damit von ihnen beurteilt werden können, werden zur Itemgenerierung neben einer ausführlichen Literaturrecherche Textanalysen aus Patientenfra-gebögen und Fokusgruppen mit Rehabilitanden und Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften aus Rehabilitationskliniken durchgeführt.
Die Ergebnisse der Literaturrecherche, der Textanalysen und vor allen Dingen der Fokus-gruppen benennen zahlreiche Ereignisse, die primär die Strukturen und Prozesse der Klinik beschreiben und hauptsächlich die Bereiche der Kommunikation, Organisation und Struktur der Klinik betreffen. Aus Sicht der Patienten sind in erster Linie die Zuwendung, Information, Aufklärung und eine individuelle Behandlung wichtige Faktoren. Anhand bestimmter Schlüs-selereignisse können Indikatoren benannt werden, die den Rehabilitationsalltag einer Rehabi-litationsklinik abbilden und die Qualitätskriterien der Patienten beinhalten. Auf dieser Basis wurde ein strukturierter Katalog relevanter Ereignisse zusammengestellt, der die Grundlage für zielgerichtete Fragestellungen in dem ereignisorientierten Patientenfragebogen (EOP-Fragebogen) bildet. Nach einem kognitiven Pretest mit 12 Rehabilitanden konnten einige Fra-gen noch verständlicher formuliert werden. 85 Items des endgültigen Fragebogens umfassen Qualitätskriterien zu Prozessen der Aufnahme, Behandlung und Entlassung sowie der Struktur einer Rehabilitationsklinik im Sinne fachlicher und patientenseitiger Anforderungen.
Der Fragebogen wurde an einer Stichprobe von 428 Patienten aus fünf Rehabilitationskliniken für neurologische, kardiologische und muskuloskelettale Erkrankungen eingesetzt. Der insge-samt hohe Rücklauf (85,6%) und der geringe Nonresponse bezüglich der einzelnen Items sig-nalisieren eine hohe Akzeptanz und Verständlichkeit seitens der Rehabilitanden. Ein „Post-Test“, in dem 11 Patienten nach Ausfüllen des Fragebogen einem mündlichen Interview un-terzogen wurden und die Aussagen zusätzlich unter Hinzuziehung der Patientenakten über-prüft wurden, diente zur Validierung der Patientenangaben. Mithilfe einer Faktorenanalyse und einer Modellbestätigung durch AMOS (Analyse von Strukutrgleichungsmodellen) konn-ten fünf Skalen berechnet werden (EOP-Skalen), die sich nochmals gezielt auf die Bereiche „Verständnis“, „Erklärung“, „Organisation“, „Orientierung“ und „Räumliche Struktur“ bezie-hen. Die teststatistischen Auswertungen verwiesen auf zufrieden stellende Ergebnisse, die die Skalen als Möglichkeit der ergänzenden Auswertungen zu den Einzelitems werten.
Die Ergebnisse der Hauptbefragung verweisen primär auf klinikübergreifende Schwachstellen im Bereich der Kommunikation zwischen Mitarbeitern der Klinik und den Rehabilitanden. Diese beziehen sich verstärkt auf den Arzt-Patienten-Kontakt. Den Rehabilitanden fehlten insbesondere Erklärungen zu den Therapien, Aufklärungen zu ihrer Krankheit sowie eine aus-führliche Besprechung des Therapieplans. Auch bestehende Unsicherheiten und Informati-onsmangel bezüglich der Zeit nach der Rehabilitation werden deutlich. Ebenfalls treten Ver-säumnisse zutage, die sich auf das Verständnis der Klinikmitarbeiter bzw. der Ärzte gegen-über den Patienten bzw. das Vertrauen der Patienten in die behandelnden Ärzte beziehen. Darüber hinaus werden vereinzelt organisatorische Probleme deutlich, die die Ablaufplanung und die räumlichen Strukturen der Kliniken betreffen. Die risikoadjustierten Klinikvergleiche anhand der EOP-Skalen zeigen in den Bereichen „Verständnis“ und „Organisation“ signifi-kante Unterschiede zwischen den Einrichtungen. Die Analysen ergeben insgesamt, dass die internen Kommunikations- und Organisationsstrukturen der Kliniken entsprechend der Pati-entenbedürfnisse verbessert werden können.
Der EOP-Fragebogen ist ein geeignetes Instrument, um klinikspezifische Schwachstellen di-rekt abzubilden und der Klinik damit konkrete Hinweise für gezielte, patientenorientierte Verbesserungen im Kontext des internen Qualitätsmanagements zu geben. Zusätzlich ermög-lichen die Skalen des Fragebogens bezüglich der zentralen Bereiche der ereignisorientierten Patientenbefragung Klinikvergleiche. Folglich bietet sich der EOP-Fragebogen an, auch im Rahmen externer Qualitätssicherungsprogramme zum Einsatz zu kommen, wo er mit seiner gezielten Schwachstellenanalyse aus Patientensicht eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Qua-litätssicherungsinstrumenten darstellt.


Kurzfassung in Englisch

Patient satisfaction is generally regarded as an indicator of quality of health care from the pa-tients’ perspective. However, a lacking clarity with respect to the concept of patient satisfac-tion, factors influencing patients’ judgement which are often not accounted for, high ceiling effects and last but not least contradictory results with regard to other parameters of quality describe the weaknesses of patient satisfaction as a measure of quality.
The aim of this work was to develop a standardised patient questionnaire for inpatient medical rehabilitation. This instrument should translate patients’ experience with rehabilitative care into concrete and measurable events indicating quality. With difference to patient satisfaction, definite, observable events not just relevant for medical-therapeutical reasons but also de-scribe patients’ criteria of quality, are the content of this event-orientated patient questioning. An answering scheme which is quantified on observable factors facilitates a clear interpreta-tion of results and thus functions as an concrete indicator of quality. To name criteria relevant for patients and which can also be evaluated by patients, an extensive literature research, analyses of patients’ comments in questionnaires for patient satisfaction and focus groups with patients, therapists and doctors of rehab units with inpatient treatment were carried out.
As a result of the literature research, text analyses and focus groups in particular, many events could be defined which mainly describe structures and processes of rehab units. They apply to the domains of communication, organisation and structure/equipment. From the patients’ per-spective, affection, information and an individual treatment are the main factors important to them. Specific key events represent the everyday life in a rehab unit and indicate the quality from the patients’ perspective. On this basis, a structured catalogue of relevant events was compiled which was the source to specify questions in the event orientated patient question-naire (EOP-questionnaire). After a cognitive pre-test (comprehension probing) with 12 pa-tients, some questions could be optimised. The final questionnaire included 85 items describ-ing criteria of quality relating to admission, rehabilitative treatment and discharge as well as to the structure of a rehab unit with regard to professional and technical standards and pa-tients’ requirements.
The questionnaire was applied to 428 patients from five rehab units with inpatient treatment for neurological, cardiac and musculoskeletal diseases. The high response rate (85,6%) and the low non-response regarding the questionnaire items in particular signalise a high accep-tance and comprehension on behalf of the rehabilitants. A so called “post-test” where 11 pa-tients who filled in the questionnaire were interviewed afterwards and their patient files were studied, was carried out to evaluate patients’ statements in the questionnaires. By means of a factor analysis and a model confirmation by AMOS (analysis of moment structures), five scales were figured out (EOP-scales) which focus on the areas of “understanding”, “explana-tion”, “organisation”, “orientation” and “structure”. The statistical tests hint to satisfactory results, so that the scales can be used for additional analysis.
The results of the main survey primarily hint to weak points in the communication between staff and patients represented in all five units likewise. They mainly apply to the doctor-patient relationship. The rehabilitants report on lacking explanations of therapies, lacking in-formation about their illness and scarce discussions of their therapy scheduling. Also, uncer-tainties and lacking information about the time after their inpatient rehabilitation became ob-vious. Additionally, there were shortfalls with regard to doctor-patient understanding and trust. Moreover, problems of scheduling and organising therapies and treatment as well as problems relating to structural equipment were figured out. The risk-adjusted comparison between the five units in particular demonstrated significant differences in the domains “un-derstanding” and “organisation”. Overall, the analyses show a potential to improve structures and processes of internal communication and organisation according to patients’ needs.
The EOP-questionnaire is a useful instrument to display weaknesses specific for rehab units in particular. Thus, it is able to offer concrete hints for aimed improvements on purpose of pa-tients within the context of internal quality management. Additionally, the scales allow for a benchmark of the central domains of the event orientated patient questionnaire. Therefore, the EOP-questionnaire can also be applied within external programmes of quality assurance where its aimed analysis of critical points serves as a reasonable addition to other instruments of quality assurance.


SWD-Schlagwörter: Rehabilitation
Freie Schlagwörter (deutsch): Patientenbefragung , ereignisorientiert , Fragebogenentwicklung
Freie Schlagwörter (englisch): event orientated questionnaire , medical rehabilitation
Institut: Institut für Soziologie
Fakultät: Philosophische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Schwengel, Herrmann (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.10.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 11.11.2004
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