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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-15863
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1586/


Stahl, Christoph

Enkodierung erwartungskongruenter und erwartungsinkongruenter Information

Encoding of expectancy-congruent and expectancy-incongruent information

Dokument1.pdf (931 KB) (md5sum: 296ccddb82ddbd2c1a2c9c3ddb34407d)

Kurzfassung in Deutsch

Viele Studien zeigen, dass unerwarteten Stimuli verstärkt Aufmerksamkeit zuteil wird, und zahlreiche Autoren berichten einen Rekognitionsvorteil erwartungsinkongruenter Information. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird die Frage untersucht, ob dieser Effekt auf unterschiedliche perzeptuelle und konzeptuelle Enkodierung erwartungskongruenter und erwartungsinkongruenter Information zurückzuführen ist, und, wenn das der Fall ist, inwiefern kognitive Belastung diesen Enkodierungsunterschied beeinflusst.
Verschiedene Erklärungsansätze wurden für diesen Effekt formuliert. Die auf der Mismatch-Theorie basierende Enkodierflexibilitätshypothese nimmt für Bedingungen unbeschränkter kognitiver Ressourcen keine Enkodierungsunterschiede kongruenter und inkongruenter Information an. Zentral für diesen Ansatz ist ein effizienter Ressourcenallokationsmechanismus: Sind die kognitiven Ressourcen beschränkt, setzt dieser die verbliebene Aufmerksamkeit zur perzeptuellen Enkodierung inkongruenter Information ein, während erwartungskongruente Information, die vor dem Wissenshintergrund von einer Verarbeitungsflüssigkeit profitiert, vorwiegend konzeptuell verarbeitet wird.
Die Aufmerksamkeits-Elaborations-Ansätze postulieren eine Aufmerksamkeitszuwendung zugunsten erwartungsinkongruenter Information und eine darauf folgende Zunahme der kontrollierten und elaborativen konzeptuellen Enkodierung inkongruenter Information. Diese - ressourcenintensive - Elaboration erfolge jedoch nur bei ausreichend verfügbaren kognitiven Kapazitäten.
Sechs Experimente im Conjoint-Recognition-Paradigma wurden durchgeführt, um erstmals die Effekte der Erwartungskongruenz auf perzeptuelle und konzeptuelle Gedächtnisspuren sowie den Einfluss kognitiver Belastung auf erwartungskongruenzbasierte Enkodierungsunterschiede zu untersuchen. Im Paradigma der seriellen Informationsdarbietung wurden erwartungskongruente und -inkongruente Stimuli dargeboten und sollten in einem anschließenden Gedächtnistest von (bedeutungsverwandten und nicht-bedeutungsverwandten) Distraktoren unterschieden werden. In drei Experimenten wurden geschlechtstypische und -atypische Berufsbezeichnungen als Stimuli verwendet, die, kombiniert mit männlichen und oder weiblichen Vornamen, erwartungskongruente oder -inkongruente Paarungen ergaben. In drei weiteren Experimenten wurden mit einem Situationsskript kongruente und inkongruente Handlungsbeschreibungen als Stimuli verwendet. Zusätzlich wurde in diesen Experimenten die Darbietungsform manipuliert: ein Teil der Stimuli wurde in fragmentierter Form dargeboten, was zu einer erhöhten Aufmerksamkeitszuwendung führen sollte. Eine Beschränkung verfügbarer kognitiver Ressourcen wurde in diesen Experimenten in einem Zweitaufgabenparadigma durch das Memorieren einer achtstelligen Zahl oder das Generieren zufälliger Zahlenfolgen erreicht.
Ein perzeptueller Inkongruenzvorteil wurde in Bedingungen ohne Zweitaufgabe gefunden; kognitive Belastung reduzierte diesen perzeptuellen Inkongruenzvorteil. In Bedingungen kognitiver Belastung trat kein perzeptueller Inkongruenzvorteil auf. Ein in Bedingungen ohne Zweitaufgabe ebenfalls gefundener konzeptueller Inkongruenzvorteil wurde ebenfalls durch kognitive Belastung reduziert. Es zeigte sich darüber hinaus ein perzeptueller und konzeptueller Enkodierungsvorteil von fragmentiert dargebotenen Items.
Der Aufmerksamkeits-Elaborations-Ansatz kann diese Befunde gut erklären; das Befundmuster widerspricht der Hypothese der Enkodierflexibilität. Die in der vorliegenden Untersuchung durchgeführte Messung perzeptueller und konzeptueller Gedächtnisspuren liefert einen starken empirischen Beleg gegen eine verstärkte perzeptuelle Enkodierung inkongruenter Information unter kognitiver Belastung.


Kurzfassung in Englisch

Unexpected information receives a greater amount of our attention than expected information, as many studies have shown. As a consequence, unexpected information is at an advantage in recognition memory tests. This dissertation investigates whether this recognition advantage is based on differences in perceptual and conceptual encoding of expectancy-congruent and expectancy-incongruent information, and, if that is the case, whether the encoding differences are moderated by the availability of cognitive resources.
Two opposing accounts have been proposed for the recognition memory for expectancy-incongruent information. The first, encoding flexibility hypothesis, assumes that, under conditions of full cognitive capacity, no encoding differences occur. Under conditions of limited resources, however, a resource reallocation mechanism causes a shift towards a greater perceptual encoding of expectancy-incongruent information, at the cost of perceptually encoding expectancy-congruent information.
Attention-elaboration accounts, on the other hand, postulate that expectancy-incongruent information receives greater attention and, subsequently, this information is elaborated conceptually to a larger degree than expectancy-congruent information. This resource-intensive process can, however, only occur if sufficient cognitive resources are available.
A series of experiments have been conducted to, for the first time, disentangle perceptual and conceptual memory traces in their contribution to the recognition advantage for expectancy-incongruent information, as well as to clarify the role of the availability of cognitive resources. In a modified conjoint recognition paradigm, expectancy-congruent and -incongruent stimuli were presented and were to be distinguished from gist-related and gist-unrelated distracters. Three experiments used occupations typical or atypical for gender stereotypes, combined with male or female first names, as stimuli. In another series of three experiments, actions that were congruent or incongruent with a script were presented. In addition, some stimuli were presented in a fragmented form. The availability of cognitive resources was reduced by imposing a cognitive load in a dual-task paradigm: participants had to memorize a number or had to generate random digits.
A perceptual encoding advantage for expectancy-incongruent information was found in conditions without a secondary task; cognitive load reduced the perceptual incongruency advantage. A large conceptual incongruency advantage was also found in conditions without a secondary task and was also reduced by cognitive load. In addition, a perceptual and conceptual encoding advantage was found for fragmented items.
The attention-elaboration accounts can accommodate these results, while the pattern of results poses problems for the encoding flexibility hypothesis. The results presented in this dissertation that were obtained by separately measuring perceptual and conceptual memory traces provide strong empirical evidence against a resource allocation in favor of the perceptual encoding of expectancy-incongruent information under cognitive load.


SWD-Schlagwörter: Stereotyp , Gedächtnis
Freie Schlagwörter (deutsch): Stereotyp , Gedächtnis , Erwartungskongruenz , Enkodierung
Freie Schlagwörter (englisch): stereotype , memory , expectancy congruence , encoding
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Klauer, Karl Christoph (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.11.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 09.02.2005
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