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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-16183
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1618/


Benger, Claus-Bernhard

Von der "Blechtrommel" bis "Ein weites Feld": Günter Grass' Prosastil und die Probleme seiner Übertragung ins Französische

Between "The Tin Drum" and "Too Far Afield": Günter Grass' stylistic features and their problems of translating them into French

Dokument1.pdf (1.986 KB) (md5sum: 6e6b04b289bdc76baad8f27df5117f63)

Kurzfassung in Deutsch

Die bekanntesten und wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegsgeschichte sind in Frankreich in den meisten Fällen in einer französischen Übersetzung erhältlich und daher unseren Nachbarn westlich des Rheins als literarisches Opus grundsätzlich zugänglich. Dies gilt selbstverständlich auch für die Werke Günter Grass', der seit dem Erscheinen von Le Tambour auch in Frankreich ein außerordentliches Prestige genießt. Doch kann es auch im Französischen gelingen, den seit Luther wohl wichtigsten Innovator der deutschen Sprache auf allen linguistischen und stilistischen Ebenen angemessen wiederzugeben? Steht in der französischen Sprache für die Vielzahl der stilistischen Eigenarten des Nobelpreisträgers jeweils eine passende Variante zur Verfügung oder entziehen sich viele Textsegmente, die im Deutschen von der sprachlichen Vitalität des "Hexenmeisters" nur so strotzen, nicht schlicht und einfach der Übersetzbarkeit?
In der vorliegenden Dissertationsschrift werden derartige Fragestellungen aus linguistischer Perspektive beantwortet. Im Rahmen eines deutsch-französischen Übersetzungsvergleiches werden für die Romane Blechtrommel, Butt, Rättin und Ein weites Feld sowie für die Novelle Katz und Maus eine Vielzahl der bei Grass auffälligen Stilmerkmale aufgegriffen und dem französischen Text kritisch gegenübergestellt. Bei der Untersuchung wurde eine Makrostruktur gewählt, welche die verschiedenen stilistischen Probleme auf den Ebenen Morphosyntax, Semantik, sprachliche und literaturstilistische Varietäten, rhetorische Figuren und Kulturspezifika diskutiert. Die Frage, ob in den dargestellten Fällen tatsächlich Äquivalenz vorliegt, wird hierbei unter Zuhilfenahme von zwei Konzepten beantwortet: Einerseits werden linguistische Modelle zur Bewertung der Übersetzungsleistung (Koller, Malblanc) herangezogen, andererseits wird aber auch die dem literarischen Text inhärente "hermeneutische Dimension" mitberücksichtigt. Der breit angelegte Analyseteil untersucht zahlreiche Beispiele im deutschen und französischen Textkorpus und arbeitet die übersetzerischen Schwierigkeiten heraus. Dabei stellt sich heraus, dass die Grass-Übersetzer einen Mittelweg zwischen Textreue und kulturellem Transfer suchen. Einfache Strukturen werden mit großer Nähe zum Ausgangstext übertragen. Einige typische Elemente des Prosastils bereiten jedoch bei der Übertragung erhebliche Schwierigkeiten und werden systematisch eingeebnet. Dabei kommt es auch zum kulturellen Transfer und zur Anpassung an die Erwartungen des französischen Lesers (kreative Wortspiele, Auslassung von Sexualwörtern...).
Der Schlussteil der Arbeit bietet einen synthetischen Überblick zu den auffälligsten Schwierigkeiten der Grass-Übersetzung ins Französische. Neben einer knappen Bilanz zu den aus stilistischer Sicht wohl unübersetzbaren Eigenheiten des Nobelpreisträgers wird dann der noch zu leistenden Forschungsarbeit auf diesem Gebiet ein kurzer Ausblick eröffnet.


Kurzfassung in Englisch

Most of Germany's famous and important authors after 1945 have been published in France and can be read in a French translation. It goes without saying that this is also true for Günter Grass' work of literature which has been appreciated in France since the publication of "The Tin Drum". But is it really possible to create an adequate French translation of the most important innovator of the German language since the death of Martin Luther? Does the French language dispose of linguistic structures that are able to express the abundance of Grass' stylistic features or does the "wizard's" style of writing reach the limits of translation?
This dissertation raises these kinds of questions and gives an answer from a linguistic point of view. By comparing the French translation to the German texts, a large number of the typical stylistic features from the novels "The Tin Drum", "The Flounder", "The Rat", "Too Far Afield" and from the novella "Cat and Mouse" become the corpus of a critical linguistic analysis. The method is based on a macrostructure that classifies all stylistic elements and splits them into linguistic categories such as morphology and syntax, semantics, different oral and written varieties, rhetorical figures and idioms related to German culture. In order to decide whether the translation is exact or not, the analytical part of the investigation uses both linguistic methods for quality assessment (Koller, Malblanc) and the concept of the "hermeneutic dimension" which is inherent in any act of translation.
Findings include the following: The translators tried to find the balance between two translation strategies. The French texts are very similar to the German version in cases of usual and well-known linguistic structures. However in most of the cases in which the different levels of language show Grass' typical stylistic features it becomes difficult for the translators to find equivalent structures in French. Some cultural transfers were also realized in some special cases. This kind of procedure proves that the translators try to fit Grass' stylistic features into the French language tradition (for example: imitation of play on words, use of euphemistic terms instead of slang and swearwords ...).
The final chapter of the dissertation sums up the major problems of the translation of Grass' work and suggests some interesting topics for future investigations.


SWD-Schlagwörter: Übersetzung , Französisch
Freie Schlagwörter (deutsch): Übersetzungsvergleich
Freie Schlagwörter (englisch): translation , German literature , French
Institut: Romanisches Seminar
Fakultät: Philologische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Französische und verwandte Literaturen
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Große, Ernst Ulrich (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.06.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 03.02.2005
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