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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-16673
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1667/


Hollerweger, Elisabeth

Liebeswünsche als Lebensängste : zu Dieter Wellershoffs Roman "Der Liebeswunsch"

Dokument1.pdf (2.029 KB) (md5sum: b3197304d19df1cf198ac6818bab597b)

Kurzfassung in Deutsch

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht Dieter Wellershoffs Roman "Der Liebewunsch", der im Jahr 2000 bei Kiepenheuer&Witsch erschienen ist. Das Interesse gilt dabei vornehmlich der Komplexität und Kompatibilität der einzelnen Liebeswünsche, die der Kölner Autor in diesem Buch konstruiert.
Im Rahmen einführender Überlegungen wird ein kurzer Überblick über die Liebesthematik in Wellershoffs literarischem Gesamtwerk gegeben, die Zielsetzung formuliert, die methodische Vorgehensweise erörtert und der bisherige Forschungsstand skizziert.
Das zweite Kapitel wendet sich schließlich dem Roman "Der Liebeswunsch" zu. In einem ersten Abschnitt werden die inhaltlich relevanten Motive des Rauschens sowie des Straf- und Heilungsprozesses aufgegriffen und mit der Romastruktur parallelisiert. Multiperspektivität und Fehlen eines chronologisch aufgebauten Handlungsverlaufs erweisen sich hierbei als entscheidende Strukturmerkmale des Romans. Daraus resultierend erscheint es notwendig, näher auf Funktion und Wirkung der unterschiedlichen Erzählhaltungen sowie der retrospektiven Darstellungsweise einzugehen. Dem besseren Überblick dienen zwei Tabellen, in denen das Romangeschehen ausgehend von den einzelnen Kapiteln sowie von den wechselnden Paarkonstellationen veranschaulicht ist. In einem zweiten Abschnitt werden Fritz Riemanns Angstmodell, Jürg Willis Kollusionsmuster und Theodor Reiks Theorie über die Ursprünge von Liebe skizziert. Inwiefern die hier beleuchteten Aspekte für die Analyse des Romans relevant sind, sollen vorab Schaubilder illustrieren.
Die folgenden vier Kapitel widmen sich jeweils den einzelnen Protagonisten und ihren Liebeswünschen. Die im zweiten Kapitel vorgenommene Zweiteilung beizubehalten und dementsprechend auch die Einzelanalysen in einen stilistisch-formal orientierten und einen tiefenpsychologisch orientierten Abschnitt zu untergliedern, erweist sich insofern als sinnvoll, als sich auf der stilistisch-formalen Ebene Rückschlüsse auf die Charaktere der Protagonisten ziehen lassen, die auf der tiefenpsychologischen Ebene eine Entsprechung finden.
Der erste Abschnitt "Literarische Repräsentation" geht zum einen auf die jeweilige Erzählperspektive sowie deren Wirkung und Funktion ein und greift zum anderen in modifizierter Form die im ersten Teil des Eingangskapitels angeführten Motive noch einmal auf, um ihre Bedeutung für die einzelnen Persönlichkeiten zu klären. Auch auf weitere, für die Protagonisten jeweils typische Metaphern wird in diesem Zusammenhang eingegangen.
Im zweiten Abschnitt "Psychologischer Deutungsansatz" werden die im zweiten Teil des Eingangskapitels dargestellten Erkenntnisse zur Grundlage für den Versuch einer psychologischen Analyse. Ausgangspunkt bildet dabei Fritz Riemanns Annahme von vier "Grundformen der Angst", wobei das Interesse vor allem den aus den Ängsten resultierenden Wünschen und insbesondere den Liebeswünschen gilt, durch die die einzelnen Protagonisten in Wellershoffs Romans geprägt sind. Auf diese Weise lässt sich das Verhalten der literarischen Figuren bis ins unauffällige Detail hinein als charaktertypisch konsequent erkennen: Anjas Verhalten als typisch depressiv, Leonhards Verhalten als typisch zwanghaft, Pauls Verhalten als typisch hysterisch und Marlenes Verhalten als typisch schizoid jeweils im Sinne Riemanns. Die Kombination der Riemannschen Charakterstudie mit dem Kollusionsmodell Jürg Willis macht es möglich, die innerhalb des Romans dargestellten Beziehungskonstellationen und deren Entwicklungen zu beleuchten. Zum besseren Verständnis der Motivationen der einzelnen Protagonisten trägt auch das Hinzuziehen von Theodor Reiks Vorstellung bei, Liebe resultiere aus einem Mangel.
Auf die Ausführungen zu Anja folgt ein Exkurs, im Rahmen dessen ein Zusammenhang zwischen den Ehebrecherinnen der Literatur des 19. Jahrhunderts und Wellershoffs Protagonistin hergestellt und ein autobiographisches Schlüsselerlebnis zur Sprache gebracht wird, das als Auslöser für die literarische Konstruktion der Figur Anja betrachtet werden kann.
Im Anschluss an die vier Kapitel zu den Protagonisten wird im siebten Kapitel die Rezeption des Romans "Der Liebeswunsch" zur Diskussion gestellt und deutlich gemacht, dass sich in den Reaktionen auf dieses Buch eine deutliche Kehrtwende in der Rezaptionsgeschichte des Kölner Autors abzeichnet. Die in vielen Rezensionen vertretene These, "Der Liebeswunsch" sei eine moderne Variation von Goethes "Wahlverwandtschaften", wird in einem weiteren Exkurs aufgegriffen und durch einen Vergleich der beiden Werke sowie durch die nähere Betrachtung von Wellershoffs Literaturverständnis zu widerlegen versucht.
Die Zusammenfassung der Ergebnisse und Vorschläge von Möglichkeiten für die zukünftigen Forschung bilden den Abschluss der Arbeit.


SWD-Schlagwörter: Wellershoff, Dieter <Schriftsteller> / Der Liebeswunsch , Riemann, Fritz
Institut: Deutsches Sem. 2: Institut für Neuere Deutsche Literatur
Fakultät: Philologische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Deutsche und verwandte Literaturen
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Pietzcker, Carl (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.12.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 07.03.2005
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