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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-18785
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1878/


Uerpmann, Björn

Landesforstverwaltungen als Lernende Organisationen : eine systemtheoretische Analyse

Public forest administrations as learning organizations : a cybernetic analysis

Dokument1.pdf (986 KB) (md5sum: f07ba2e5a0f41e44c370c64e5dad27c8)

Kurzfassung in Deutsch

Die Rahmenbedingungen für das Handeln von Landesforstverwaltungen ändern sich immer schneller und werden zunehmend komplexer. "Organisationales Lernen" könnte eine Antwort auf die zunehmende Komplexität und die sich rasch ändernden Bedingungen sein. Lernvorgänge in Organisationen sind jedoch bei genauer Betrachtung ebenfalls sehr komplexe Prozesse. So lassen sich Informationen innerhalb der Verwaltung nur scheinbar "transportieren"Das was fälschlicherweise als "Informations-Transport" wahrgenommen wird, ist eigentlich ein Kommunikationsprozess, bei dem zahlreiche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit die Informationen sich auf dem "Transportweg" nicht verändern. Somit ist davon auszugehen, dass Landesforstverwaltungen ohnehin nur die Informationen in ihrem Lernprozess berücksichtigen können, die von ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auch kommuniziert werden. Diese Informationen sind anscheinend jedoch nicht ausschließlich durch die Umwelt determiniert. Vielmehr ist zu vermuten, dass sie in einem dynamischen Prozess von Selbst- und Fremdreferenz kommunikativ selektiert werden. Ein solcher Vorgang lässt sich durch Begriffe wie "Zweckrationalität" "Rentabilität" oder "Macht"mit denen die Betriebswirtschaftslehre traditionell operiert, nur schlecht beschreiben. Daher sind Steuerungsinstrumente, die aus solchen traditionellen Differenzkriterien der Betriebwirtschaft abgeleitet werden, für ein Management organisationalen Wissens nicht ausreichend. Dennoch wird - überspitzt formuliert - in Landesforstverwaltungen meist so getan, als ob Umwelten instruktiv seien und als ob diese Instruktionen, wenn sie einmal an der Spitze der Verwaltung wahrgenommen wurden, innerhalb der Organisation wie kleine Pakete verschoben werden könnten, die dann nur noch an Ort und Stelle von den Mitarbeitern entpackt werden müssen, um erfolgreiches organisationales Handeln zu ermöglichen.
Berücksichtigt man, dass große soziale Systeme - wie es Landesforstverwaltungen sind - den Veränderungen ihrer Umwelten offensichtlich nicht nahtlos folgen können, sondern immer Gesichtspunkte der Anpassung berücksichtigen müssen, und dass die meisten Organisationen letztlich nicht an zu komplexen Umwelten scheitern, sondern an der nicht gelingenden Selbstanpassung, dann ist es für das Fortbestehen eines Unternehmens entscheidend auf die gelingende Selbstanpassung bzw. auf ein erfolgreiches organisationales Lernen hinzuwirken. Um so bedenklicher ist es, wenn die Mechanismen der Selbstanpassung ungeklärt bleiben und wenn von Kausalitäten ausgegangen wird, die es nicht ermöglichen, den organisationalen Lernprozess in einer Weise zu beschreiben, die es erlauben würde, Handlungen für ein Wissensmanagement abzuleiten, das auf die Einflussnahme eben dieser Selbstanpassung ausgerichtet ist.
Vor diesem Hintergrund wird in dieser Arbeit ein Modell erzeugt, das es erlaubt "organisationale Kognition" funktional darzustellen. Der Begriff des Modells wird dabei wie in der Kybernetik verwendet. Das heißt, das Modell soll weder eine Struktur abbilden noch sie verdoppeln. Statt dessen soll es einen möglichen Weg zur Ausführung einer Funktion illustrieren, die zu dem führt, was hier "organisationale Kognition" genannt wird. Abstrakt formuliert werden unter "organisationaler Kognition" die kommunikativ verfügbaren Vorstellungen der Mitarbeiter verstanden, die diese zum einen von der eigenen Organisation haben, und zum anderen von deren Umwelten und den organisationalen Erwartungen an die Zukunft. Die Kombination dieser sinnhaft verfügbaren Vorstellungen erlaubt es den Mitarbeitern die notwendigen Differenzen zu bilden, um daraus die Erwartungen abzuleiten, welche sie an ihre eigenen Handlungen gerichtet sehen und die sie dementsprechend im Sinne der "organisationalen Kognition" ausführen.
Das Modell, in dem diese Zusammenhänge funktional nachempfunden werden, stellt eine mögliche Art der Erklärung von "organisationaler Kognition" dar und verzichtet darauf, sich ontologisch festzulegen. Es behauptet weder eine Korrespondenz mit einer äußeren Realität noch leugnet es eine solche Korrespondenz. Hierzu werden Landesforstverwaltungen als Systeme modelliert, die kommunikativ über strukturelle Kopplungen Informationen aus ihrer Umwelt selektieren. Informationen werden dabei nicht als ontologisch vorhanden verstanden, sondern als Differenzen, die systemdeterminiert über Beobachtungen selektiert werden müssen, um dann über kreiskausale Verknüpfungen in einem Prozess von Fremd- und Selbstreferenz zu organisationalem Wissen verbunden zu werden.
Dieses Modell erlaubt es in deduktiv-nomologischer Weise zu Aussagen zu gelangen, die in Bezug auf empirische Beobachtungen einzelner Elemente aus Lernprozessen in Landesforstverwaltungen beschreiben können, was hinsichtlich des Wissensmanagements in diesen Verwaltungen berücksichtigt werden sollte.


Kurzfassung in Englisch

According to System Theory Forest Administrations are seen as social systems. They are autopoietic and determined by their own structure. Complex environments surround such social systems. For their success and survival all systems constantly have to adapt to the changing complexity of their surroundings. Adaptation means to reach a level of interaction between system and environment that prevents a breakdown of autopoiesis. In times of fast changes of the environment and increasing external complexity, interaction between the system and its specific environment is permanently endangered. Increasing internal complexity may provide an escape from this constant threat, allowing the system to perpetuate interaction and thus to keep autopoiesis going. Learning is the major means of increasing internal system complexity. It is important to realize, however, that according to the new system theory a change in the environment is not by itself instructive for a change of the system, because autopoietic systems are determined by their own structure and not by the environment. In other words: A particular alteration of environmental conditions does not automatically stimulate an adequate learning process within the system. Considerations regarding Forest Administration indicate that the decisions, actions and works of the members - which in total are the behavior of the organization - follow specific organizational rules. If, for instance, a particular forest area is declared a nature reserve, this is at best an indirect response to an impulse of the environment (demand of customers / stakeholders). Factually such an act is a coincidence product of hundreds of individual decisions of the involved members of the organization, who were considering directions, process-regulations, codes, routines, goals, norms, strategies, traditions, or other organization-specific values. This is what enables an organization to act in a given manner, just as individual knowledge enables people to act in their specific way, as described by cognition psychology. This example indicates that social systems assimilate information within the above-mentioned array of internal structures with the help of organization-specific sensors. But it also demonstrates that the structure itself is crucial for the selection and further processing of the information. The total of the structures mentioned above is here considered as the "cognitive structure" of the organization. There are enough similarities to the respective structures in psychic systems to allow for approaches borrowed from psychology. The medium of the cognitive structure of organizations is communication, i.e. social systems process their system-specific "knowledge" in the form of verbal and symbolic communication. Given the fact that communication normally is a momentary action, it has to be concluded that storage of organizational knowledge requires permanent self-referent communication. Communication - understood as the "Trinity" of information, notification, and comprehension - also comprises other types of transmitted symbols such as role-behavior, decoration of the office, honorings, jokes, stories etc. Through an empirical analysis of system-specific communicationand and with the help of a theoretical model of learning Forest Administrations it should be possible to analyze their cognitive structures. The dissertation intendeds to contribute to a better understanding of knowledge-related processes within these administrative bodies and to give impulses with regard to the actual management of knowledge in Forest Administrations.


SWD-Schlagwörter: Organisatorisches Lernen , Forstbehörde , Soziologie / Systemtheorie , Wissensmanagement , Nachhaltigkeit
Freie Schlagwörter (englisch): Learning Organizations , Forest Administrations , Social System Theory , Sustainability , Knowledge Management
Institut: Institut für Forstökonomie
Fakultät: Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Medizin und Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Oesten, Gerhard (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.05.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 13.07.2005
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