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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-19110
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1911/


Kern, Julia

Zur Entwicklung des Verstehens von Wünschen und Überzeugungen : Elemente der kindlichen "Theory of Mind"

The Development of belief and desire understanding : elements of children's theory of mind

Dokument1.pdf (820 KB) (md5sum: e91e6fd823929b916ef72a395694b1f2)

Kurzfassung in Deutsch

Theory of Mind ist die Fähigkeit sich selbst und anderen mentale Zustände zuzuschreiben. Als Kernkonzepte der Theory of Mind können Wünsche und Überzeugungen verstanden werden. Sie ermöglichen es, Verhalten vorherzusagen. Die Forschung zur Entwicklung der kindlichen Theory of Mind hat sich bisher hauptsächlich mit dem Überzeugungsverstehen beschäftigt. Die Untersuchung des Wunschverstehens blieb weitgehend unberücksichtigt. Ziel der vorliegenden Arbeit war die vergleichende Betrachtung der Entwicklungsverläufe von Wunsch- und Überzeugungsverstehen. Die zentrale Hypothese der Arbeit lautete: Wunschverstehen ist einfacher als Überzeugungsverstehen. Dies wurde aus der Darstellung der repräsentationale Strukturen von Wunsch und Überzeugungen abgeleitet, bei der sich zeigte, dass Wünsche repräsentational einfachere mentale Zustände sind als Überzeugungen.
Anhand der Daten zu dem Verhältnis der beiden Entwicklungsverläufe wurden nicht nur die Hypothesen der eigenen Arbeit sondern auch Aussagen verschiedener theoretische Ansätze zur Theory of Mind-Entwicklung überprüft.
Das Überzeugungsverstehen wurde mit der klassischen False-Belief- und Representational-Change-Aufgaben erfasst. Die Erhebung des Wunschverstehens erfolgte mit Aufgaben, die strukturell der False-Belief-Aufgabe glichen.
In einer Längsschnittstudie wurden 42 Kinder im Alter von 3,5 Jahren sieben Monate lang zu zehn Terminen Wunsch- und Überzeugungsaufgaben vorgelegt. Es zeigte sich, dass Wunsch- und Überzeugungsverstehen während des Untersuchungszeitraumes signifikant zunahmen und dass Wunschverstehen signifikant leichter war als Überzeugungsverstehen. In einer zweiten Studie wurde der Frage nachgegangen, wie sich Wunsch- und Überzeugungsverstehen bei Kindern im Alter von 3 Jahren darstellt. Hierzu wurden 41 Kindern zu einem Termin Wunsch- und Überzeugungsaufgaben vorgelegt. Es zeigte sich, dass beide Aufgabentypen nur von sehr wenigen Kindern gelöst werden konnten, wobei sich die Lösungshäufigkeit von Wunsch- und Überzeugungsaufgaben nicht signifikant unterschieden. Die Ergebnisse der beiden Studien sprechen für eine graduelle Entwicklung des Repräsentationsverständnisses. So beginnen Kinder im Alter zwischen 3 bis 3,5 Jahren langsam die repräsentationale Struktur von Wünschen zu verstehen und lösen mit 4 Jahren fast alle Wunschaufgaben. Das Verstehen der Überzeugungsaufgaben beginnt erst im Alter von 3,5 Jahren und ist mit 4 Jahren noch nicht umfassend entwickelt.


Kurzfassung in Englisch

Theory of mind is the ability to impute mental states to oneself and to others. There are two core mental states which allow to determine human action: desires and beliefs. The majority of research on the development of theory of mind in children has focused on the development of belief understanding. There are only a few studies on children’s understanding of desire. The aim of the present thesis was to study the relationship between the development of desire and belief understanding. The main hypothesis was that children understand desire before they understand belief, because the representational structure of desire is easier.
Two studies were conducted to test the above hypothesis against the background of different theoretical approaches to theory of mind.
In a longitudinal study standard false-belief tasks, representational-change tasks and equivalently structured desire tasks were presented to 42 3.5-year-olds for ten times over a period of seven months. Results showed an increase in performance on all tasks. Further, the results showed that desire understanding is easier for the children than belief understanding. In a second study the relationship between desire and belief understanding in 3-year-olds was investigated. The same desire- and belief-tasks as in the first study were presented to 41 children but just once. Results showed that 3-year-olds are not able to solve these tasks.
The findings of this thesis suggest a gradual development of representational understanding. Between 3 and 3.5 years children begin to understand the representational structure of desire and almost all 4-year-olds are able to solve the desire-tasks. Belief reasoning develops later. Between 3.5 and 4 years children only begin to understand some aspects of the representational structure of beliefs.


SWD-Schlagwörter: Entwicklungspsychologie
Freie Schlagwörter (deutsch): theory of mind , Überzeugung , Wunsch
Freie Schlagwörter (englisch): theory of mind , false belief , belief , desire
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Spada, Hans (Prof. Dr).
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.07.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 29.07.2005
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