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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-19318
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1931/


Dries, Christian

Die beschleunigte Angst : Skizze eines Forschungsprogramms

Dokument1.pdf (205 KB) (md5sum: 04d738d378246323877ec6eb6f1146c8)

Kurzfassung in Deutsch

Tempo! Tempo! Wir alle wissen es schon lange: "Inzwischen ist die Bewegung los, die reine Be-wegung." (Peter Sloterdijk) Gebetsmühlenartig wird die (Post-)Moderne von ihren Kritikern als ein rastloser, unaufhaltsamer globaler Selbstbewegungsprozeß charakterisiert, der letztlich, so wird orakelt, unweigerlich dazu verdammt sei, unter der Last seiner eigenen Nebenfolgen zu kollabieren und in eine alles lähmende Bewegungsunfähigkeit umzuschlagen. So vehement die berechtigten Warnungen vor einer beschleunigten, entfesselten gesellschaftlichen Dynamik auch vorgebracht werden, mehr als Zustandsbeschreibungen und wirkungslose Appelle liefert die Be- und Entschleu-nigungsliteratur kaum.
Eine knappe Zustandsbeschreibung der Moderne als Gesellschaftsform der Beschleunigung und Mobilmachung liefert zunächst auch diese Arbeit. In erster Linie geht es ihr jedoch um ein Massenphänomen, das unter der beschleunigten gesellschaftlichen Oberfläche wuchert: die mehr oder weniger neuartigen Beschleunigungspathologien moderner Individuen und ihre mögliche Therapie auf der Grundlage eines umfassenden Forschungsprogramms. Ausgehend von den wesenhaft kinetischen Prozessen der Individualisierung, der Technikapokalypse und der immanenten Verwertungslogik kapitalistischer Wirtschaftsformen wird die Gemütslage des modernen, von gesellschaftlichen Beschleunigungsprozessen in der Lebens- und Arbeitswelt betroffenen Menschen als eine getriebene, überforderte, ängstliche charakterisiert, die sich – seit Jahren – in einer signifikanten Häufung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen manifestiert, wenn man den Worten praktizie-render Psychotherapeuten und Psychologen glauben darf.
Dieser Beitrag versteht sich daher als Anregung, als skizzenhaftes Präludium eines möglichen interdisziplinären Forschungsprogramms, zur "Übersetzung" philosophischer und sozialwissenschaft-licher Termini aus dem Vokabular des kritischen Beschleunigungsdiskurses in medizinische Termi-nologie. Wenn Ärzte ihren Patienten massenhaft "Beschleunigungs- und Hyperindividualisierungs-syndrome" diagnostizieren, wäre die gesamtgesellschaftliche Mobilmachung an ihrem wunden Punkt getroffen: den medizinischen Folgekosten, die, über den Umweg des Gesundheitssystems und den Geldbeutel der Beitragszahler, letztlich den technisch-ökonomischen Beschleunigungsprozeß irritieren und (im Idealfall) zu einer Kurskorrektur provozieren könnten.
Damit handelt es sich bei der vorgelegten Arbeit um einen interdisziplinären Beitrag, der – im Gegensatz zur Rede von der "Gelassenheit" und den düsteren Spielarten des Beschleunigungsfatalismus – praktische Grundsatzfragen aufwirft, deren Beantwortung viel zur Verwirklichung der Vision einer entschleunigten Gesellschaft beitragen könnte.


Kurzfassung in Englisch

(Post-)Modernity is very often being characterized by its critics as a restless and inexorable global process of self-motion. Initially, this paper gives a brief description of the state of modernity as the societal form of acceleration. But - based on the intrinsically kinetic process of individualization, the technical apocalypse and the logic of utilization immanent to capitalist economies - the paper is primarily to do with a mass phenomenon which proliferates underneath the accelerated surface of society: more or less novel pathologies of acceleration of the modern individual and their possible therapies on the basis of a comprehensive research programme. Against this backdrop, modern human beings' frame of mind is being characterized as rushed, overtaxed and anxious, which has manifested itself for many years now in a significant increase in mental and psychosomatic diseases.


SWD-Schlagwörter: Angst , Angstbewältigung , Beschleunigung , Kapitalismus , Mobilmachung , Akzeleration , Beck, Ulrich / Risikogesellschaft , Anders, Günther
Freie Schlagwörter (deutsch): Marx, Karl , Technik , Gesellschaftstheorie
Institut: Institut für Soziologie
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Studienarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 08.08.2005
Bemerkung: Prämierter Beitrag zum Deutschen Studienpreis 2002/03 der Körber-Stiftung Hamburg.
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