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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-21215
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2121/


Kleiner, Désirée

Bildung internationaler Regime im Bereich "nachhaltige Entwicklung" : die Rolle der Entwicklungsländer im Verhandlungs- und Implementierungsprozess der Agenda 21

Establishing international regimes of "sustainable development" : the role of the developing countries in the negotiation and implementation process of the agenda 21

Dokument1.pdf (1.421 KB) (md5sum: 6a1d3b70b75f1bac1dbda194a1c008c7)

Kurzfassung in Deutsch

Die im Juni 2003 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg eingereichte Magisterarbeit untersucht den Verhandlungsprozess und die Implementierung der Normen internationaler Kooperation im Bereich "nachhaltige Entwicklung". In einem ersten Schritt werden die Verhandlungen, beginnend mit der Rio-Konferenz 1992 bis zum Johannesburg-Gipfel 2002, unter dem Aspekt der Regimebildung nachgezeichnet und die Rolle der Entwicklungsländer und ihrer Koalitionen bei der Entstehung der Agenda 21 näher beleuchtet. Anschließend wendet sich die Arbeit der Frage der Umsetzung der Agenda 21 in den Entwicklungsländern zu. Hier wurde, mangels detaillierteren Untersuchungen und Länderstudien der Bericht der UN zur nationalen Umsetzung der Agenda 21, d.h. stark zusammengefasste Daten ausgewertet.
Dem empirischen Teil der Arbeit sind einige einführende, regimetheoretische Überlegungen, die Erläuterung des Problembereichs der "nachhaltigen Entwicklung" und ein Überblick über Definition, Interessen und Koalitionen der Entwicklungsländer vorangestellt.
Mit Hilfe des neoliberal-institutionalistischen Ansatz von KEOHANE und des situationsstrukturellen Ansatz von ZÜRN wird der Frage nach dem Zustandekommen von Kooperation durch das Zusammenspiel von Eigeninteressen einzelner Akteure im zu untersuchenden Verhandlungsprozess nachgegangen. Dieser Prozess wird als eine Art Regimebildungsprozess verstanden, als die Bildung eines "Dachregimes" der Agenda 21, aus dem wiederum einzelne für den Unterzeichner verbindliche Normen und Regeln hervorgehen (s. Kyoto-Protokoll). Für die Umsetzung der, in der Agenda 21 und dem Folgeprozess ausgehandelten Normen, d.h. die Regimeeffektivität werden anhand der sechs theoretischen Modelle über Verhaltensmechanismen von YOUNG und LEVY mögliche Erklärungen für die Ergebnisse der Datenauswertung zur Umsetzung gesucht.

In der Auswertung des Verhandlungsprozesses, zeigte sich, dass die Verknüpfung von Umwelt, Wirtschaft und Sozialem im Konzept der "nachhaltigen Entwicklung" in den Verhandlungen zur Agenda 21 Kompromisse zwischen Industrie- und Entwicklungsländern erst möglich gemacht hat. In den Verhandlungen standen sich die Industrieländer, die großes Interesse an Umweltthemen hatten, und die Entwicklungsländer, die wenig Interesse am Umweltschutz, sondern eher an Entwicklungsfragen zeigten, gegenüber. Die Industrieländer erwarben die Kooperation der Entwicklungsländer in Umweltfragen mit Zugeständnissen im entwicklungspolitischen Bereich. Sie versprachen zusätzliche finanzielle und technologische Ressourcen. Die Entwicklungsländer konnten sich auf der Basis dieses Tauschgeschäftes so im Laufe des Verhandlungsprozesses in vielen Punkten durchsetzen. Von einem Machtzuwachs der Entwicklungsländer im Bereich "nachhaltige Entwicklung" kann jedoch nicht gesprochen werden. Zwar war die Ausgangsposition der Entwicklungsländer in den Verhandlungen sehr gut, und sie konnten die Verhandlungsergebnisse auch in ihrem Sinne mitgestalten; praktische Bedeutung hat die vereinbarte Besserstellung der Entwicklungsländer allerdings noch nicht erlangt, da die Industrieländer bisher keine zusätzlichen Finanzmittel und technologische Ressourcen zur Verfügung gestellt haben.
Nachdem die Industrieländer ihren Teil des "Tauschhandels" demnach bisher nicht eingelöst haben, wäre zu erwarten, dass auch die Entwicklungsländer nicht bereit sind, ihren Teil der Vereinbarung, die Umsetzung von Maßnahmen im Umweltbereich einzuhalten. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis der Auswertung der Daten zur Umsetzung der Agenda 21. Es hat sich die Tendenz gezeigt, dass ein beachtenswerter Teil der Entwicklungsländer begonnen hat, die Maßnahmen zur "nachhaltigen Entwicklung" aus der Agenda 21 umzusetzen, und zwar nicht nur in den Themenbereichen, für die sie schon in Rio Interesse zeigten, sondern auch im Umweltbereich. Finanziert wird die Umsetzung nicht etwa, wie vorgesehen, durch die Unterstützung der Industrieländer, sondern durch selbst beschaffte Mittel.
Die Veränderung des Regierungsverhaltens gegenüber Umweltthemen in vielen Entwicklungsländern lässt sich vermutlich einerseits auf einen Wandel der Interessen staatlicher, andererseits auf den Druck nichtstaatlicher Akteure zurückführen.
Die Verschiebung der Interessenlage der einzelnen Regierungen scheint durch einen Lernprozess bedingt zu sein, der seine Wurzeln unter anderem in der zunehmenden Wahrnehmung negativer Folgen von Umweltzerstörungen im eigenen Land hat. Es scheint sich auch auf staatlicher Seite die Einsicht durchzusetzen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen von Umweltproblemen der Entwicklung eines Landes entgegenstehen können. Auf lokaler Ebene bilden sich Gruppen, die direkt von solchen Umweltproblemen betroffen sind. Sie üben mit Hilfe der größeren NRO oder zum Teil auch über transnationale Netzwerke Druck auf die eigenen Regierungen aus. Diese sehen sich gezwungen, auf gewisse Forderungen einzugehen und Maßnahmen zum Schutz der Umwelt in die Wege zu leiten.


Kurzfassung in Englisch

This master's thesis analyses the negotiation and implementation of international norms for "sustainable development" from a developing countries' perspective. Starting with the Rio-summit in 1992 and ending with the Johannesburg-summit ten years later it first explores the "sustainable development" negotiation process, highlighting the role developing countries played in the creation of the Agenda 21. The analysis is based on regime theoretical considerations, especially on the works of the neoliberal-institutionalist KEOHANE and on the situation-structural approach of ZÜRN.
After explaining the negotiation process in detail the second part of the thesis deals with the implementation of the Agenda 21 in the developing countries. Because of a lack of detailed field studies the thesis analyses the highly aggregated data of the UN-Report on national implementation of the Agenda 21. Finally, possible explanations of these results are given using the six theoretical models for behavioural mechanisms (YOUNG and LEVY).


SWD-Schlagwörter: Agenda 21 , Entwicklungsländer , Implementierung , Vereinte Nationen / Commission on Sustainable Development
Freie Schlagwörter (deutsch): Regimetheorie , Verhandlungsprozess ,
Thesaurus Sozialwissenschaften Internationale Politik
Institut: Seminar für Wissenschaftliche Politik
DDC-Sachgruppe: Politikwissenschaft
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 11.11.2005
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