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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-22627
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2262/


Spreen, Sandra

Die Darstellung von Psychotherapie in der Unterhaltungsserie "Dr. Maximilian Bloch" : der Seelendoktor auf der Fernseh-Couch

Dokument1.pdf (1.358 KB) (md5sum: fc9cacfe56a056f62c0400b0288ea033)

Kurzfassung in Deutsch

In verschiedenen Vorankündigungen und Interviews mit dem Hauptdarsteller, Dieter Pfaff, wird der Serie "Dr. Maximilian Bloch" eine starke Psychologie-Nähe und hoher Realitätsbezug zugesprochen. Inhaltsanalytisch wird daher die Frage beantwortet, ob die Serie diesem Anspruch gerecht wird. Dabei interessieren drei Untersuchungsbereiche: Recht und Ethik, Darstellung der Therapie, Darstellung der Person des Therapeuten.

Ergebnisse:
Die rechtliche und ethische Analyse der Serie zeigt, dass Bloch häufig gegen die Berufsordnung für Ärzte, v.a. gegen die Schweigepflicht, verstößt. Er will dabei allerdings in keinem Fall seinen Patienten schaden, da sein ethisches Leitmotiv die Fürsorge für den Patienten ist.
Betrachtet man seine Art der Therapie, kann gesagt werden, dass er im herkömmlichen Sinne keine durchführt. An der Stelle, an der eine Therapie normalerweise beginnt, endet Blochs Arbeit. Bei Bloch ersetzen umfassende detektivische Recherchen die Real-Anamnese und -Diagnostik. Selbst wenn man die Therapieform aufgrund von Setting, Gesprächsinhalten und Aussagen der verschiedenen Personen in der psychodynami-schen Richtung ansiedelt, wird deutlich, dass er nicht konsequent eine Linie verfolgt.
Als Person wird Bloch recht komplex und vielschichtig gezeigt. Auf seine Patienten reagiert er individuell, um sie zur Therapie zu motivieren. Alle ande-ren Personen werden solange höflich und freundlich behandelt, solange sie ihm die gewünschten Informationen geben und ihn so bei seinem Vorhaben unterstützen. Sollten sie sich ihm allerdings in den Weg stellen, schreit Bloch sie auch schon einmal an, um seine Missstimmung deutlich zu machen.
So aufopferungsvoll und loyal er sich meist seinen Patienten gegenüber verhält, so eigen-brötlerisch, undurchsichtig und in sich zurückgezogen ist er seiner Familie und seiner Freundin gegenüber.

Fazit:
Durch die Serie "Bloch" werden viele bestehende Vorurteile und Klischees bedient, die heutzutage in Deutschland vorherrschen. Neben Art und Ätiologie der dargestellten psychischen Störungen entspricht der häufig negative Ausgang der Therapien und das männliche Geschlecht des Therapeuten der verbreiteten Darstellung in den Medien.
Jedoch sind in "Bloch" viele Details völlig authentisch dargestellt. Das führt dazu, dass der Zuschauer nicht zwischen richtiger und falscher Darstellung unterscheiden kann, es sei denn, er gehört zu den wenigen, die über Vorwissen, Kenntnisse oder per-sönliche Kontakte verfügen.
Die Figur des Dr. Bloch ähnelt eher einem Priester als einem Therapeuten. Er wartet nicht auf den Auftrag des Patienten, sondern ist berufen, jemandem zu helfen - ihn zur Not auch zu seinem vermeintlichen Glück zu zwingen. Daneben verkörpert Bloch grenzenlose Erreichbarkeit und Empathie. Er wird dabei in seiner Art als dermaßen dem Patienten zugewandt dargestellt, dass ein Zuschauer in der Realität notwendigerweise frustriert wird, wenn er mit diesem Bild eine Therapie beginnt.
Damit werden in Bloch sowohl die Wünsche (Übertherapeut, unkonventionelles Verhalten, wo nötig, unendliche Erreichbarkeit etc.) als auch negative Vorurteile (Psychotherapeuten haben selbst Probleme, mischen sich ein, sind undurchsichtig etc.) der Zuschauer bedient.

Trotz aller Kritik soll angemerkt werden, dass es sich bei dieser Serie um eine spannende und interessante Umsetzung handelt. Langweilige Geschichten und kontinuierliche Thera-pieprozesse würden einer zur besten Sendezeit ausgestrahlten Unterhaltungsserie wohl auch nicht gerecht. Viele in dieser Arbeit kritisierten Aspekte würden bei einer Umsetzung womöglich dazu führen, dass die Serie an Spannung verliert. Manches könnte allerdings problemlos integriert werden.


SWD-Schlagwörter: Fernsehen , Fernsehsendung , Unterhaltungssendung , Unterhaltung , Fernsehserie , Serie , Inhaltsanalyse , Qualitative Inhaltsanalyse
Freie Schlagwörter (deutsch): Dieter Pfaff , Unterhaltungsserie
Institut: Institut für Psychologie
DDC-Sachgruppe: Publizistische Medien, Journalismus, Verlagswesen
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 03.01.2006
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