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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-24037
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2403/


Stresing, Anne-Maria

Die Entwicklung des Krankheitsverständnisses im therapeutischen Gespräch : eine konversationsanalytische Untersuchung

The development of the understanding of illness in a psychotherapeutic setting : a conversation analytic study

Dokument1.pdf (955 KB) (md5sum: 05059fe05d5a7fd6b0b6a9cf0f2bdd34)

Kurzfassung in Deutsch

Somatoforme Patienten, also Patienten mit körperlichen Beschwerden ohne ausreichenden organischen Befund, gelten oft als "schwierige" Patienten. Da die Befundlage die Beschwerden nicht erklären kann, sind oftmals psychosomatische Erklärungen wahrscheinlich, die von den Patienten allerdings vielfach nicht akzeptiert werden. Die Aufgabe der Therapeuten in den hier untersuchten Kurzzeittherapie-Gesprächen ist es unter anderem, zusammen mit den somatoformen Patienten ein Krankheitsmodell zu entwickeln, das psychosomatische Zusammenhänge und subjektive Vorstellungen integriert. Für die Analysen wurden sechs Gespräche mit vier Patienten und einer Therapeutin, insgesamt 16 Datenausschnitte, ausgewählt. Die Gespräche wurden mithilfe der Konversationsanalyse untersucht. Die qualitativ ausgerichtete Konversationsanalyse lenkt ihren Blick auf die Interaktion der Gesprächsteilnehmer und ihr sprachliches Handeln. Sie begreift die Produktion von Äußerungen als gemeinsam erbrachte Leistung der Interaktionsteilnehmer und betont die sequentielle und ermergente Entwicklung von Gesprächen.
Es zeigt sich, dass es in den untersuchten psychotherapeutischen Gesprächen oft zu Aushandlungen über das Krankheitsverständnis kommt, die vielfach nicht gelöst werden können. Die Therapeutin setzt unterschiedliche zielgerichtete Verfahren ein, um die Patienten von einem psychosomatischen Krankheitsmodell zu überzeugen. Sie rekurriert oft auf von den Patienten selbst zuvor bereitgestellte Informationen und versucht, diese als Argument für ihr Modell anzuführen. Auch reformulierende Wiederholungen werden eingesetzt, um psychosomatische Erklärungen im Gespräch zu (re)etablieren. Dennoch gelingt es der Therapeutin in den meisten Fällen nicht, eine explizite Zustimmung von den Patienten zu erhalten. Die Patienten können unterschiedlich auf die therapeutischen Erklärungen reagieren, zum Beispiel indem sie direkt ihre Ablehnung des Modells formulieren. Oft gehen sie auch auf bestimmte Aspekte der Erklärungen ein, mit denen sie sich einverstanden erklären können, ohne damit aber zugleich das gesamte psychosomatische Modell ratifizieren zu müssen.


Kurzfassung in Englisch

Somatoform patients, patients having bodily disturbances without sufficient organic diagnostic findings, are considered to be "difficult" patients. Since the clinical findings cannot explain the disturbances, one probable explanation is a psychosomatic one. This explanation, however, usually is not accepted by the patients. The task of the therapist who conducts the short-term therapy sessions which are analysed here is not a simple one: She has to develop an illness model that both integrates psychosomatic connections and subjective beliefs of the patients. The analyses comprise six psychotherapeutic sessions with four patients and one therapist, totaling sixteen excerpts. The analyses are based on conversation analysis. Conversation analyis is qualitatively oriented. It focusses its attention on the (verbal) interaction of the conversation participants and emphasizes the sequential and emergent development of conversation.
The analyzed psychotherapeutic sessions are often shaped by negotiations about the understanding of illness which in many cases cannot be solved. The therapist applies different target-oriented techniques to convince the patients of a psychosomatic illness model. She refers back to informations which the patients themselves had provided earlier in the conversation and she tries to use these as arguments for her model. The therapist also repetitively reformulates her psychosomatic explanations, thereby (re)establishing the topic in the ongoing conversation. However, she is not able to elicit explicit acceptance from the patients. The patients can react differently to the therapeutic explanations. One possibility is to directly reject the explanation model. Another is to take up selected aspects of the explanation they can agree with without having to ratify the whole model.


SWD-Schlagwörter: Konversationsanalyse
Freie Schlagwörter (deutsch): Psychotherapeutisches Gespräch , Krankheitsverständnis , Aushandlungsprozess ,
Freie Schlagwörter (englisch): Psychotherapeutic conversation , understanding of illness , negotiation process , conversation analysis
Institut: Deutsches Sem. 1: Inst. f. Deutsche Sprache u. Ält. Lit.
DDC-Sachgruppe: Deutsch, germanische Sprachen allgemein
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 15.03.2006
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