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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-24678
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2467/


Brinkmann, Folke

Fehlbesiedlung des Dünndarms bei Patienten mit Leberzirrhose : Diagnostik und klinische Bedeutung

Small intestinal bacterial overgrowth in patients with cirrhosis of the liver : diagnosis and clinical significance

Dokument1.pdf (1.746 KB) (md5sum: 224ac4764c4d46c4d4e4bd398500b29c)

Kurzfassung in Deutsch

Einleitung:
Die Bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) wird definiert als eine Besiedlung mit mehr als 10 5 Keime /ml Jejunalsekret. Als Ursachen kommen der Ausfall der physiologischen Schutzmechanismen in Frage: Anatomische Veränderungen, Azidität des Magensekrets (Atrophische Gastritis, Medikamente),
Veränderung der Peristaltik (autonome Neuropathie, z.B. Diabetes) und die
Integrität des Darmepithels.
Bei Patienten mit Leberzirrhose wird die Prävalenz einer Fehlbesiedlung des Dünndarms zwischen 30-65% beschrieben. Es besteht u.a. eine Assoziation mit bakterieller Translokation und spontan bakterieller Peritonitis.
Als Ursachen werden Hypazidität, abnormer Transit u. a. durch toxischen Einfluß des Alkohols und /oder veränderte Konzentration gastrointestinaler Hormone
Darmwandveränderungen im Rahmen der portalen hypertensiven Vaskulopathie genannt.

Methoden:
In die Studie eingeschlossen wurden 70 Patienten mit Leberzirrhose. Bei diesen wurde im Rahmen einer Intestinoskopie Sekret aus Jejunum und Magen, sowie
Speichel- und Stuhlproben gewonnen und kultiviert. Es wurde ein H2-Exhalationstest durchgeführt und klinische Parameter erhoben.

Ergebnisse und Zusammenfassung:
Die Prävalenz einer bakteriellen Fehlbesiedlung ist im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe signifikant (61,4% vs. 12,5%)erhöht.
Das Keimspektrum besteht vor allem aus apathogener Oropharyngealflora und nur zu einem kleinen Teil aus kolontypischer Flora.
Als Definition der Fehlbesiedlung hat sich >10 5 KBE/ml bewährt.
Der H2-Exhalationstest erbringt im Vergleich mit der mikrobiologischen Kultur des Jejunalsekrets keine zuverlässigen Ergebnisse bezüglich einer Fehlbesiedlung des Dünndarms.
Eine erhöhter Magen-pH und eine säurehemmende Therapie sind Risikofaktoren für eine Fehlbesiedlung und auch mit zunehmendem Alter wird eine Fehlbesiedlung wahrscheinlicher.
Es besteht keine Korrelation zwischen Ernährungsparametern (BMI, Fettwerte, Leptin) und einer Fehlbesiedlung
Eine Besiedlung mit gramnegativen Keimen korreliert mit erhöhten Serumammoniakspiegeln, das Risiko für die Entwicklung einer hepatischen Enzephalopathie erhöht sich jedoch nicht in signifikantem Ausmaß.
Im Gegensatz zu anderen Studien konnte ein Vorliegen von Aszites nicht mit einer Fehlbesiedlung in Zusammenhang gebracht werden.
Eine Infektion mit Helicobacter pylori ist nicht mit einer Fehlbesiedlung assoziiert.
Es besteht keine Assoziation zwischen einer quantitativen oder qualitativen bakteriellen Fehlbesiedlung und der Entwicklung einer spontan bakteriellen Peritonitis
Bei der Mehrzahl der Patienten liegt eine systemische Endotoxinämie vor, die mit erhöhter Mortalität, nicht aber mit einer Fehlbesiedlung korreliert.
Im Follow-up erweist sich die Child-Pugh-Klassifikation als zuverlässigster Parameter.


Kurzfassung in Englisch

Introduction:
Small intestinal bacterial overgrowth is defined as > or = 10(5) total colony-forming units/ml jejunal secretions. It occurs in absence of the physiological barriers of either gastric acidity, bowel motions, integrity of the intestinal epithelium or anatomical changes. The percentage of small intestinal bacterial overgrowth in patients with cirrhosis varies between 30-65%. It is associated with bacterial translocation and spontaneous bacterial peritonitis.
Methods:
Jejunal secretions from 70 patients with cirrhosis were cultivated quantitatively and classified according to various definitions. A Hydrogen Breath Test was performed. Clinical characteristics of patients were evaluated.
Results and Summary:
Small intestinal bacterial overgrowth, defined as > or = 10(5) total colony-forming units/ml jejunal secretions, was present in 61% of patients, but only 12,5% of the healthy control subjects.
Overgrowth is much more dominated by oropharyngeal flora than by colonic flora.
The definition of SIBO defined as > or = 10(5) total colony-forming units/ml jejunal secretions is the most significant in clinical practice.
The Hydrogen Breath Test does not correlate well with the results of the microbiological culture as gold standard and therefore is not suitable as a diagnostic tool for SIBO.
Small intestinal bacterial overgrowth was associated with acid-suppressive therapy, hypochlorhydria and old age.
There is no correlation between neither nutritional status nor ascites and SIBO.
H. pylori infection does not correlate with an increased risk for SIBO.
Gramnegative bacterial overgrowth is associates with a higher serum ammonium levels but not with an increased risk for developing hepatic encephalopathy.
There is no correlation with neither increased incidence for spontaneous bacterial peritonits nor mortality.


SWD-Schlagwörter: Leberzirrhose , Bakterielle Infektion , Bauchfellentzündung , Dünndarm
Freie Schlagwörter (deutsch): Fehlbesiedlung
Freie Schlagwörter (englisch): small intestinal bacterial overgrowth cirrhosis
Institut: Medizinische Univ.-Klinik und Poliklinik
Fakultät: Medizinische Fakultät / Universitätsklinikum
DDC-Sachgruppe: Medizin und Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Blum, Hubert Erich C. (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.07.2005
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 06.06.2006
Bemerkung: Veröffentlicht in: - Bauer TM, Schwacha H, Steinbrückner B, Brinkmann FE, Ditzen AK et al.: "Diagnosis of Small Intestinal Bacterial Overgrowth in Patients with Cirrhosis of the Liver: Poor Performance of the Glucose Breath Hydrogen Test". Journal of Hepatology 2000; 33:382-6. - Bauer TM, Steinbrückner B, Brinkmann FE, Ditzen AK et al.: "Small Intestinal Overgrowth in Patients With Liver Cirrhosis: Prevalence and Relation With Spontaneous Bacterial Peritonitis". American Journal of Gastroenterology 2001, Oct; 96 (10): 2962-7. - Bauer TM, Schwacha H, Steinbrückner B, Brinkmann F, Ditzen A, Aponte J, Pelz K, Berger D, Kist M, Blum H: "Small Intestinal Bacterial Overgrowth Is Associated With Systemic Endotoxemia". American Journal of Gastroenterology 2002, Sept; 97 (9): 2364-70,
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