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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-25673
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2567/


Campagna, Anna

Redezuginterne Bearbeitungsstrategien für Lexikalisierungsprobleme bei Aphasie

Same-turn repair strategies for word-finding difficulties in aphasia

Dokument1.pdf (1.453 KB) (md5sum: 5bb1de1179b6a57f39871af2cd7a1380)

Kurzfassung in Deutsch

Unabhängig von ihrem Syndrom leiden alle Aphasiker an Problemen der Wortfindung und der Produktion lexikalischer Einheiten. Im kommunikativen Alltag der Aphasiker werden diese Lexikalisierungsprobleme zu Gesprächsaufgaben, die interaktiv gelöst werden müssen. Dabei sind grundsätzlich alle Gesprächsteilnehmer an der Lösung beteiligt - aktiv oder passiv. Während die bisherige Forschung sich vor allem mit kollaborativen Verfahren der Problemlösung beschäftig hat, liegt in dieser Studie der Fokus auf Strategien, mittels derer der Aphasiker sein Problem selbstständig bearbeitet oder camoufliert. Auch diese konversationell präferierten Strategien müssen interaktiv ausgehandelt und organisiert werden. Sie sind besonders psychosozial relevant, da Aphasiemanagement nie nur die Bewältigung sprachlicher Hindernisse bedeutet, sondern immer auch Stigmamanagement in einer latent asymmetrischen Kommunikationssituation ist.
Datengrundlage der empirischen Untersuchung bildet informelle Familieninteraktion, die im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten und Herrn Prof. Dr. P. Auer geleiteten Projekt "Adaptationsstrategien in der familiären Kommunikation zwischen Aphasikern und ihren Partnern" erhoben wurden. Mit den Methoden der Konversationsanalyse konnten verschiedene interfamiliäre, rekurrente Handlungsmuster der Bearbeitung und des Übergehens aufgezeigt werden. Bei der Analyse der Daten wurden verschiedene Faktoren sichtbar, die das lokale Problemmanagement und damit die Wahl des Handlungsmusters beeinflussen bzw. dessen Erfolgswahrscheinlichkeit beschränken. Ein besonderes Gewischt kommt hier dem sequentiellen Kontext zu, in dem die problematische Äußerung eingeordnet ist.
Innerhalb der Handlungsmuster unterscheidet die Studie zwischen offenen und stillen Wortsuchen als Bearbeitungsstrategien und lexikalischen Lücken und Substitutionen als Camouflagestrategien. Im Rahmen offener Wortsuchen wird die Bearbeitung des Lexikalisierungsproblem an die sprachliche Oberfläche transportiert und mit Hilfe verschiedener Approximationsverfahren, häufig multimedial, bearbeitet. Stille Wortsuchen zeichnen sich dadurch aus, dass die Approximation an das Zielwort nicht an der sprachlichen Oberfläche geschieht, sondern mental. Lediglich die Unterbrechung des Redeflusses und Hesitationsphänomene deuten auf ein Lexikalisierungsproblem hin. Innerhalb der schwieriger nachweisbaren Verfahren des Übergehens verwenden Aphasiker beispielsweise lexikalische Lücken, die durch die Organisation des Redebeitrags den Kontext so gestalten, dass ihr Inhalt vom Gesprächspartner erschlossen werden kann. Außerdem nutzen sie Substitutionen, wobei Proformen und Ersatzphrasen an Stelle des Zielwortes geäußert werden, noch bevor das Lexikalisierungsproblem als solches sichtbar wird. Selbst bei starker Beeinträchtigung der Sprecher konnte der erfolgreiche Einsatz dieser redezuginternen Handlungsmuster beobachtet werden.


SWD-Schlagwörter: Aphasie , Bearbeitung , Lexikalisierung , Konversationsanalyse , Kommunikationsstörung , Informelle Kommunikation
Freie Schlagwörter (deutsch): Wortfindungsstörung , Lexikalisierungsproblem , Aphasiker , aphasisch
Institut: Deutsches Sem. 1: Inst. f. Deutsche Sprache u. Ält. Lit.
DDC-Sachgruppe: Sprachwissenschaft
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2005
Publikationsdatum: 31.07.2006
Bemerkung: Die Arbeit wurde zunächst als Staatsexamensarbeit, dann als Magisterarbeit eingereicht und anerkannt. Kontakt: Anna Campagna acampagna@gmx.de.
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