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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-26340
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2634/


Gebhardt, Christine

Hören mit Hirn : Wirksamkeit eines Trainings der auditiven Differenzierungsfähigkeit bei Schwerhörigen im Alter von 55 bis 70 Jahren

Hear with brain : efficacy of an auditory discrimination training in subjects with hearing loss between 55 and 70 years of age

Dokument1.pdf (18.328 KB) (md5sum: 22a936582c5bd4ae1ae6d1b4e3083a05)

Kurzfassung in Deutsch

Einführung:
Das Ziel dieser experimentellen Studie war es, die Wirksamkeit eines Trainings der auditiven Differenzierungsfähigkeit bei 55- bis 70-jährigen Schwerhörigen zu untersuchen. Normdaten für die verwendeten Tests zur sprachfreien auditiven Unterscheidungsfähigkeit bei gesunden normalhörenden Personen dieser Altersgruppe wurden erhoben und mit den Daten Schwerhöriger derselben Altersgruppen verglichen.

Fragestellungen:
1.Wie erleben Schwerhörige ihre Hörstörung, welche Einschränkungen auf die Kommunikation und welche Auswirkungen auf das Wohlbefinden werden angegeben?

2.Welche Leistungen werden im Alter von 55 bis 70 Jahren in der auditiven Differenzierungsfähigkeit erbracht, und wie unterscheiden sich die auditiven Differenzierungsleistungen 55- bis 70-jähriger Normalhörender von schwerhörigen Personen?

3.Ist das Training der auditiven Differenzierungsfähigkeit bei Schwerhörigen im Alter von 55 bis 70 Jahren mit den bisherigen Methoden durchführbar und wirksam?

4.Welche Effekte hat das Training auf das Sprachverständnis?

5.Gibt es Veränderungen in psychologischen Komponenten wie subjektive Veränderungen im Wohlbefinden und der Kommunikationsbehinderung nach dem Training, und verändern sich die Leistungen in neuropsychologischen Komponenten, d.h. visuomotorischer und Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, mit einem Training?

6.Zusätzlich wurde geprüft, ob Personen, die ein Musikinstrument spielen oder im Chor singen, bessere auditive Differenzierungsleistungen erbringen.

Methode:
Die Untersuchungsstichprobe wurde in drei Gruppen randomisert, die Studie wird dadurch mit einer Placebo- und einer Wartegruppe kontrolliert. Es wurden Daten vor und nach dem Training anhand von Fragebögen, Interviews, neuropsychologischen Tests sowie Audiogramm und Sprachverständnistests erhoben. Die auditive Differenzierungsfähigkeit wurde bei allen Studienteilnehmern mittels eines standardisierten Testgerätes überprüft.

Ergebnisse, Diskussion und Fazit:
Die Auswertung der vorgelegten Untersuchung zeigt, dass die auditive Differenzierungsfähigkeit in allen untersuchten Bereichen mit zunehmendem Alter bei gesunden Normalhörenden (N=205) abnehmen. Die Leistungen der schwerhörigen Personen (N=112) der vergleichbaren Altersgruppe von 55 bis 70 Jahren sind in allen untersuchten Bereichen signifikant schlechter als die der Normalhörenden. Das Training mit dem untersuchten Trainingsgerät ist für Schwerhörige im Alter von 55 bis 70 Jahren gut durchführbar. Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, dass die angewendete Trainingskonzeption zu Leistungsverbesserungen führt. Die Ergebnisse belegen, dass sowohl die auditive Differenzierungsfähigkeit selbst, als auch das Sprachverständnis durch das Training verbessert werden. Darüber hinaus führt das Training der auditiven Differenzierungsfähigkeit auch subjektiv zu einer verbesserten Hörwahrnehmung. Veränderungen im Erleben zeigen sich in verschiedenen Aspekten der Hörfähigkeit. Weder in der Placebo- noch in der Wartegruppe konnten signifikante Verbesserungen der auditiven Differenzierungsfähigkeit und des Sprachverständnisses gefunden werden. Es zeigt sich, dass musizierende Personen der Stichproben bessere auditive Differenzierungsleistungen erbringen.

Zur Überprüfung der Stabilität der Trainingserfolge sind zusätzliche Studien erforderlich. Die Studie ist in dieser Form die erste Therapiestudie mit diesem Verfahren an einem schwerhörigen Patientenkollektiv. Es kann damit erstmals nachgewiesen werden, dass Messungen der Wirksamkeit einer therapeutischen Intervention in Form eines Trainings der auditiven Differenzierungsfähigkeit möglich sind. Das Ziel der vorliegenden Arbeit, einen wissenschaftlichen Beitrag zu leisten, Möglichkeiten für die Verbesserungen der Kommunikationsfähigkeit Schwerhöriger zu überprüfen, kann als erfüllt angesehen werden. Ein Training der auditiven Differenzierungsfähigkeit leistet einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung des Sprachverständnisses und führt in einigen Teilaspekten auch zu subjektiven Veränderungen der Hörwahrnehmung, der Verminderung der erlebten Problematik einiger Verständigungssituationen und zu einer Verbesserung der emotionalen Folgen der hörbedingten Kommunikationsbehinderung. Dies legt den Schluss nahe, dass es für Schwerhörige wichtig sein kann, selbst etwas aktiv zur Verbesserung ihrer Kommunikationsfähigkeit zu tun.

Diskutiert werden Implikationen, die sich aus der vorliegenden Untersuchung und der bisherigen Forschung für die Förderung auditiver Differenzierungsprozesse und die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit von Schwerhörigen im mittleren und höheren Erwachsenenalter und für die zukünftige Erforschung dieser Prozesse ergeben. Die durchgeführte Untersuchung leistet einen wichtigen Beitrag dazu, Möglichkeiten zu erforschen, wie die Kommunikationsfähigkeit von Schwerhörigen verbessert werden kann.


Kurzfassung in Englisch

Introduction:
The aim of this experimental study was to investigate the efficiency of an auditory discrimination training in subjects with hearing loss between 55 and 70 years of age. This required the collection of normative data for the tests applied to determine speech-free auditory discrimination in healthy, normal hearing subjects and the comparison of this data with those of age-matched hearing impaired subjects.

Questions:
1.How do people with hearing loss perceive their hearing impairment? Which limitations in their communication and which impacts on well-being do they report?

2.How is the performance of 55 to 70 year olds on auditory discrimination tasks?
In which ways is the performance of normally hearing subjects different from that of hearing impaired subjects in that age range?

3.Is the auditory discrimination training realizable with the present methods
and also efficient in subjects with hearing loss between 55 and 70 years of age?

4.What are the effects of the training on speech comprehension?

5.Does the training cause any changes in psychological components such as subjective well-being and communication impairment or in neuropsychological components such as visual-motor and processing speed?

6.In addition, it was tested whether subjects with a musical background (playing a musical instrument and/or singing in a choir) show better performances on auditory discrimination tasks than those without a musical background.

Methods:
The experimental sample was randomized into three groups. Hence the study was controlled with a placebo and a waiting group. Data were collected from all subjects before and after the training (with an hand-held training device) with questionnaires, interviews, neuropsychological tests as well as audiogram and speech comprehension test. The auditory discrimination skills of all subjects were tested with a standardized test device.

Results, discussion and conclusion:
The results of the study show that in healthy, i.e. normally hearing subjects (N=205) auditory discrimination skills across all investigated fields decrease with age. Compared to the healthy controls, auditory discrimination skills in hearing impaired subjects (N=112) of the same age range (55 to 70 years) were found to be significantly worse across all investigated fields. The training with an electronic training device was well realizable for 55 to 70 year olds with hearing loss. The results prove that the applied training concept leads to improvement in some of the expected domains; not only in regards to auditory discrimination itself but also in regards to speech comprehension and subjective auditory perception. Changes in the experience of hearing loss were apparent in several domains. On some auditory discrimination tasks, subjects with a musical background showed better performances than subjects without a musical background both in the control and the experimental sample. There were no significant changes in auditory discrimination and speech comprehension in both the placebo and the waiting group.

To reassess the stability of the training results additional studies are required. In this form, the study the first therapy study with this specific procedure that has been conducted with a hearing impaired patient sample. Hence it can be proved for the first time that measurements of the efficiency of a therapeutic intervention in the form of an auditory discrimination training are possible. The objective of this study to make an academic contribution in finding ways to improve communication skills of subjects with hearing loss can therefore be regarded as achieved. An auditory discrimination training has an important share in improving speech comprehension and also leads to subjective changes in auditory perception, to a decrease in perceived problems with specific communication situations and to an improvement of the emotional consequences of communication impairment resulting from hearing loss. The results suggests that it can be of importance for subjects with hearing loss to actively engage in activities to improve their communication skills.

This thesis comprises a discussion of the implications that evolve from the study at hand and previous research for the promotion of auditory discrimination processes and the improvement of communication skills of subjects with hearing loss in the middle and older adult ages as well as for the future exploration of these processes. The study makes an important contribution to investigate ways to improve the communication skills of the hearing impaired.


SWD-Schlagwörter: Hörschädigung , Schwerhörigkeit , Training , Differenzierung , Hören , Audiometrie , Gehirn , Hirnforschung , Lernen , Diskriminationslernen
Freie Schlagwörter (deutsch): Hörverlust , Auditive Differenzierungsfähigkeit , Lernen im Alter , Hörwahrnehmung , zentrale Hörverarbeitung
Freie Schlagwörter (englisch): Hearing loss , auditory Discrimination, learning in old age , Hearing perception , central auditory processing
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Halsband, Ulrike (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.10.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 17.10.2006
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