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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-27221
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2722/


Hahn, Friedemann

Von Unsinn bis Untergang: Rezeption des Club of Rome und der Grenzen des Wachstums in der Bundesrepublik der frühen 1970er Jahre

Between absurdity and apocalypse : the Club of Rome and limits to growth in Germany in the early 1970s

Dokument1.pdf (1.086 KB) (md5sum: b745c7beed1bcde1a9dc79cbf2eab7fe)

Kurzfassung in Deutsch

Die Arbeit untersucht die Geschichte eines Beststellers. Die Grenzen des Wachstums, englisch: Limits to Growth, verkauften sich nach ihrem Erscheinen im Frühjahr 1972 weltweit millionenfach und gelten heute als ein Klassiker der so genannten Doomsday-Literatur. Im Zentrum steht die Frage, wie die Grenzen des Wachstums in der Bundesrepublik Deutschland rezipiert wurden und wie die Rolle des Buches in die Umweltgeschichte der 1970er Jahre einzuordnen ist.
Ein Großrechner am MIT errechnete anhand der Variablen Bevölkerungswachstum, Umweltverschmutzung, Ressourcen, Nahrungsmittelproduktion und Industrialisierung, dass innerhalb von wenigen Jahren die Grenzen des Wachstums erreicht seien und dann ein rascher Abfall der Bevölkerung und Industrieproduktion drohe. Hinter der Studie stand der Club of Rome, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Intellektuellen um den italienischen Industriellen Aurelio Peccei (1908-1984). Der Club of Rome erhoffte sich, durch die Grenzen des Wachstums eine breite Öffentlichkeit über die problembelastete Lage der Menschheit aufzuklären und zu einem neuen, globalen Handeln anzuregen.
Um die öffentliche Reaktion auf die Grenzen des Wachstums nachzuvollziehen, beschränkt sich die Analyse nicht allein auf Artikel in Tages- und Wochenzeitungen. Die Quellenbasis erstreckt sich auch auf Publikationen unterschiedlicher Teilöffentlichkeiten. Das Konzept der Teilöffentlichkeiten geht davon aus, dass neben einer übergreifenden Medienöffentlichkeit, wie sie Presse, Funk und Fernsehen repräsentieren, eigenständige Öffentlichkeiten existieren (wie z.B. Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Verbände, Wissenschaft etc.). Die Reichweite der Grenzen des Wachstums – die Studie steht stellvertretend für die Umweltdebatte der frühen 1970er Jahre – beschränkte sich nicht nur auf Massenmedien, sondern sorgte auch in anderen Teilen der Gesellschaft für kontroverse Diskussionen.
Publikationen aus den Reihen der Gewerkschaften, Parteien und Kirchen stehen ebenfalls im Zentrum der Arbeit. An die Debatte um die Grenzen des Wachstums schloss sich eine Diskussion über den Begriff Lebensqualität an. Die Ölpreiskrise von 1973/74 verlagerte die Diskussion von Wachstumsgrenzen hin zu den Grenzen der Erde und der Ressourcen.
Über den Zeitraum bis 1974 sucht die Arbeit nach Spuren der Grenzen des Wachstums in Publikationen der beiden Kirchen in Deutschland, der Gewerkschaften und Kreisen der Neuen Linken. Während die Gewerkschaften sich noch 1972 an der Debatte um Lebensqualität stark beteiligen, nimmt im Zuge der Ölkrise und der folgenden Rezession das Interesse ab. In Kreisen der Kirche jedoch fanden die Anliegen des Club of Rome Fürsprecher, auch in Zeiten, in denen die Medienöffentlichkeit Umweltthemen weniger Aufmerksamkeit widmete.


Kurzfassung in Englisch

In March 1972, a world wide bestseller was published: The "Club of Rome" study "The Limits to Growth" serves as a basis for a global and forward-looking perception of environmental problems. The Limits are regarded as a classic piece of doomsday-literature.
The main issue of the thesis is the impact of the "Limits" in Germany. The "Club of Rome"-study started a wide and public discussion about the goals of economic growth and its effects on the earth as a whole: The "Limits" played a key role in the environmental discourse of the 1970s, so to reconstruct the discussion helps to provide deeper insights in German environmental history of this time.
A mainframe at the MIT foresaw the end of the world: If the variables population growth, industrialisation, pollution, resources and food production were not put in a balance, industrial production and world population would rapidly decline. The report was brought into being by the "Club of Rome", an international non-political organisation of intellectuals, scientists and industrials. Aurelio Peccei (1908-1984) an Italian entrepreneur founded the Club in 1968, which aimed to inform wider public about the interdependent problems, predicament, and ways of saving mankind.
The analysis of the "Limits to Growth"-debate in Germany is not only based on newspaper and magazine articles. Furthermore, it covers different types of publications from certain groups of the public sphere like political parties, unions, Churches and scientific institutions. The theory of subaltern public spheres assumes that there is not only one public sphere, which is covered by mass media, but certain autonomous parts, in which a different discourse takes place. To discover the scope of the "Limits to Growth" it is also necessary to explore theses discussions.
The main part deals with the discussion between 1972 and 1974. Analysis from newspapers, magazines and other publications shows a wide interest in the message of the "Club of Rome". A new issue was raised: "Quality of Life" became an important topic. Mainly politicians of the SPD and union leaders took up this subject. In contrast the "Limits to Growth" were excoriated by economic scientists.
During the first oil crisis in 1973/74 the perception and discussion changed: The unions dropped the "Limits" and replaced the subject by unemployment issues. On the whole the subject shifted from economic growth to limitation of resources. While environmental issues lost public attention in the following years, the "Limits" still were reviewed and discussed in publications of Churches in Germany. Environmental protection and criticism of growth were still of interest in certain parts of society.


SWD-Schlagwörter: Club of Rome , The @limits to growth , Grenzen des Wachstums , Rezeption , Deutschland <Bundesrepublik>
Freie Schlagwörter (deutsch): Umweltgeschichte
Freie Schlagwörter (englisch): Environmental History
Institut: Historisches Seminar
Fakultät: Philosophische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Geschichte
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Brüggemeier, Franz-Josef (Prof. Dr. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.07.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 30.11.2006
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