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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-28190
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2819/


Stadelmann, Stephanie

Konfliktbasierte Spielnarrative von Kindergartenkindern: Zusammenhänge mit der Verhaltensregulation der Kinder und mit dem emotionalen Familienklima

Conflict based play narratives of kindergarten children: associations with children´s behavioural regulation and family climate

Dokument1.pdf (1.497 KB) (md5sum: 9fcc0d36b0fcf8f28f1b6e3810e8896d)

Kurzfassung in Deutsch

Die vorliegende Dissertation entstand im Rahmen des Projekts „Psychosoziale Stärken und Psychische Probleme von Kindergartenkindern: Stabilität und Wandel, Assoziationen mit Familien- und Gleichaltrigenbeziehungen“ (NF-Nr. 3200-066778.01/1). Die Arbeit beschäftigt sich mit den narrativen und spielerischen Reaktionen von Kindergartenkindern im Umgang mit hypothetischen Konfliktsituationen, die die Beziehungswelt des Kindes berühren. Im Zentrum stand die Frage, ob diese Spielnarrative Zusammenhänge aufwiesen mit der Verhaltensregulation des Kindes (Verhaltensprobleme, Hyperaktivität/Impulsivität und emotionale Probleme) und mit dem emotionalen Familienklima. Zudem wurde die Bedeutung des Geschlechts der Kinder als Moderator für die jeweiligen Zusammenhänge analysiert. Die Spielnarrative wurden darüber hinaus auf ihre Rolle als Mediatoren bzw. Moderatoren im Zusammenhang zwischen emotionalem Familienklima und kindlicher Verhaltensregulation überprüft.
Insgesamt nahmen 168 fünfjährige Kinder (72 Mädchen, 96 Jungen), die zu einem Grossteil in Basel-Stadt rekrutiert wurden, an der Untersuchung teil. Die konfliktbasierten Spielnarrative wurden anhand der MacArthur Story Stem Battery, einer Geschichtenstamm-Methode von Bretherton et al. (2003) erhoben und nach Inhaltsthemen und strukturellen Aspekten ausgewertet. Verhaltensprobleme, Hyperaktivität/Impulsivität und emotionale Probleme der Kinder wurden anhand eines Multi-Informanten-Ansatzes erfasst: Eltern und Kindergärtnerinnen schätzten die kindliche Verhaltensregulation mittels des Strenghts and Difficulties Questionnaire (SDQ, Goodman, 1997) ein. Die Selbstwahrnehmung der Kinder zu ihren Verhaltens- und emotionalen Problemen wurde anhand eines standardisierten Puppeninterviews (Berkeley Puppet Interview, Measelle et al., 1993) erfasst. Die Eltern schätzten darüber hinaus das emotionale Familienklima anhand der Beziehungsdimension der Familienklimaskalen (FKS) von Schneewind et al. (1988) ein.
Es zeigte sich, dass die konfliktbasierten Spielnarrative von Jungen mehr negativ-aggressive Themen beinhalteten als die der Mädchen. Mädchen wiederum nannten mehr prosozial-moralische Themen, mehr verbale Aggression und ihre Geschichten waren kohärenter strukturiert. Narrative Inhaltsthemen und Struktur wiesen zudem Zusammenhänge mit Verhaltensproblemen, Hyperaktivität/Impuslivität und emotionalen Problemen auf. So zeigten die Kinder umso mehr Symptome von Hyperaktivität/Impulsivität, je mehr negativ-aggressive und inkohärent strukturierte konfliktbasierte Geschichten sie erzählten. Je mehr Themen der Disziplinierung ihre Spielnarrative beinhalteten, umso mehr Verhaltensprobleme wiesen sie auf. Für Mädchen, nicht aber für Jungen, zeigte sich des Weiteren, dass diese umso mehr emotionale Probleme aufwiesen, je weniger sie die Konfliktthemen in den Geschichten aufgriffen. Ein von Offenheit geprägtes Familienklima hing damit zusammen, dass insbesondere Jungen dazu neigten, vermehrt negativ-aggressive Inhalte im Kontext von inkohärenten Geschichten zu thematisieren. Die Rolle der Spielnarrative als Mediatoren oder Moderatoren im Zusammenhang zwischen emotionalem Familienklima und kindlicher Verhaltensregulation fand sich nicht. Stattdessen klärten Inhalte und Struktur der Narrative zusätzlich zum emotionalen Familienklima Varianz auf im Hinblick auf die Ausprägung der emotionalen Probleme, der Verhaltensprobleme und der Hyperaktivität.
Studien konnten zeigen, dass sich anhand der konfliktbasierten Spielnarrative wichtige Dimensionen der interpersonellen Erfahrungen eines Kindes und seiner emotionalen Regulationsfähigkeit erfassen lassen. In Übereinstimmung mit der Literatur verweist die vorliegende Untersuchung darauf, dass sich mittels der Geschichtenstamm-Methode bereits bei Kindern im Kindergartenalter auf repräsentationaler Ebene bedeutsame Indikatoren im Hinblick auf Verhaltensprobleme, Hyperaktivität/Impulsivität und emotionale Probleme erfassen lassen. Die vorliegende Untersuchung belegt zudem die Rolle des Geschlechts als Moderator bei der Untersuchung von konfliktbasierten Spielnarrativen. Die Studie dient auch der Validierung der MSSB-Methode im deutschsprachigen Raum und ist verbunden mit der Hoffnung, zu einer Verbesserung der Diagnostik für Kinder im Kindergartenalter beizutragen.


Kurzfassung in Englisch

The evaluation of children’s play narratives, elicited by conflict based story stem tasks, has proved to be one way of gaining access to the intra-psychic world of young children, into their thoughts and feelings regarding emotionally significant relationships. The goal of this study was to examine whether children’s narrative performance following different socio-emotional dilemmas is associated with their behavioural regulation and with the emotional climate of their family.
168 5-year-old children (72 girls, 96 boys) mainly from 16 kindergarten classes in the city of Basel (Switzerland) participated in the study.
Children’s play narratives were assessed by means of the MacArthur Story Stem Battery (MSSB, Bretherton et al., 2003). Narratives were coded for content and structure. A multi-informant-approach (parent, teacher, child) was employed to assess children’s behavioural regulation (conduct problems, hyperactivity and emotional problems). Parents and teachers completed the Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ, Goodman, 1997). Children were interviewed using the Berkeley Puppet interview (Measelle & Ablow, 1993). Family climate (conflict, expressiveness and cohesion) was assessed by parent’s ratings on the Family Environment Scale (Moos, 1981; German version by Schneewind et al., 1985). Receptive vocabulary was measured by the Peabody Picture Vocabulary Test-Revised (Dunn et al., 1981).
Narrative performance was dependent on gender and receptive vocabulary. Therefore, all analyses were controlled for these aspects. Results showed, that narrative content and structure were associated with children’s behavioural regulation. Children who told incoherent narratives with a high amount of negative-aggressive themes, showed more hyperactivity. Children who told a high amount of disciplinary themes showed more conduct problems. Content themes were not associated with emotional problems, but girls, who tended to avoid story stem conflicts, showed more emotional problems. In addition, results showed, that expressiveness in families was associated with a higher amount of negative-aggressive themes and incoherence in boys´ narratives.
Following social-cognitive models, children’s representations are proposed to mediate the link between children’s caregiving experiences and their behavioural regulation. In this study children’s narrative representations did not turn out to be mediators. Instead, family climate and narrative representations independently predicted children’s behavioural regulation. This proposes that children’s representations are not only a mirror of their actual family life. They are at least partly independent cognitive processes of the child, markedly affected by child’s gender.
In general, the study suggests that children’s narrative representations following relational conflicts in a story stem task may elaborate the processes underlying the expression of child disturbance. Consistent with other studies we also found gender differences in narrating and dealing with relational conflicts. In addition, gender turned out to be an important moderator concerning the relation between narratives, behavioural measures and family climate. The results of this study also underline the relevance of play and narration of young children as diagnostical method and in therapy.


SWD-Schlagwörter: Psychopathologie , Vorschulkind
Freie Schlagwörter (deutsch): Spielnarrative, Familienklima, Verhaltensprobleme, emotionale Probleme, Konfliktlösungsstrategien
Freie Schlagwörter (englisch): Play narratives, family climate, kindergarten children, behavioural problems, emotional problems
Thesaurus Sozialwissenschaften Entwicklungspsychologie , Klinische Psychologie , Querschnittuntersuchung
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Charlton, Michael (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.06.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 09.01.2007
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