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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-33050
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/3305/


Schilling, Anja Maria

Bewegungssehen: Hat der Bewegungsbeginn einen Einfluss auf die Bewegungsadaptation und die Bewegungsnachwirkung?

Motion perception: Do motion onsets affect motion adaptation and motion aftereffect?

Dokument1.pdf (1.078 KB) (md5sum: 7437057c6cfe8f6aca608f789e8fc04f)

Kurzfassung in Deutsch

Das Phänomen der Adaptation an einen Reiz ist in der Sinnesphysiologie und so auch beim Sehen von Bewegung weit verbreitet. Sehr beeindruckend ist in diesem Zusammenhang die so genannte Bewegungsnachwirkung (Wasserfalleffekt), die auftritt, wenn man längere Zeit ein sich in eine bestimmte Richtung bewegendes Objekt beobachtet. Schaut man anschließend auf ein unbewegtes Objekt, so scheint sich dieses nun in die Gegenrichtung zu bewegen.
Bisher ist bekannt, dass vor allem die Dauer der Bewegung die Stärke der Adaptation beeinflusst; es wurde also von einem reinen Zeitmodell ausgegangen.
Mit der vorliegenden Doktorarbeit war nun folgende Frage zu beantworten: Hat die Anzahl der Bewegungsbeginne einen Einfluss auf die Adaptationstiefe und auf die Stärke der Bewegungsnachwirkung?
Um für die eigentlichen Messungen einen psychophysischen Testreiz zu haben, der die Zunahme der Adaptationstiefe bei Steigerung der Reizstärke adäquat wiedergibt, wurden in einem Vorversuch zunächst zwei Reize miteinander verglichen. Beide Reize (Korrelations- und Geschwindigkeitsreiz) hatten die Aufgabe, die Bewegungsnachwirkung zu kompensieren, wobei die Stärke der erforderlichen Kompensationsbewegung bzw. der zusätzlichen Geschwindigkeitskomponente gemessen wurde. Aufgrund der besseren Ergebnisse wurde für den Hauptversuch der auf dem Korrelationsgrad der Bewegung basierende Reiz ausgewählt. Interessanterweise zeigten beide Reize im Bereich starker Adaptation eine schlechte Auflösung.
Im Hauptversuch wurden zur Messung des Einflusses des Bewegungsbeginns auf die Adaptationstiefe einerseits die subjektive Wahrnehmung der Probanden mit psychophysischen Experimenten und andererseits die zugrunde liegenden neuronalen Prozesse durch die Ableitung von visuell evozierten Potentialen untersucht. Als Reizmuster diente ein Punktmuster, welches sich entweder kontinuierlich oder intermittierend in eine festgelegte Richtung bewegte. Im zweiten Fall wurden unterschiedliche Bewegungsbeginnraten bei gleicher Gesamtdauer der Bewegung eingesetzt.
Wider Erwarten hatte die Zahl der Bewegungsbeginne keinen Einfluss auf die Adaptationstiefe und auf die Stärke der wahrgenommenen Bewegungsnachwirkung.
Dies lässt sich sowohl durch das Vorliegen eines reinen Zeitmodells als auch durch eine mögliche Interaktion von Bewegungsbeginn- und Bewegungsstopp-Effekten erklären.


Kurzfassung in Englisch

The phenomenon of adaptation to a stimulus is very common in sensory physiology including visual motion processing. An impressive example is the motion aftereffect (MAE), which is perceived when a static stimulus is presented after prolonged viewing of a stimulus moving in one direction. Now the static stimulus appears to move in the opposite direction.
Adaptation strength (and the strength of the MAE) increases with motion duration.
Little is known, though, about the effect of motion onsets on adaptation strength. The aim of this doctoral thesis was to asses a possible effect of the motion onset.
First, we compared different test stimuli (coherence-scaled and speed-scaled nulling stimuli) in order to find a stimulus that would correctly reflect the increase of adaptation strength
when the stimulus strength is raised. Both of the test stimuli served to null the MAE. The coherence-scaled stimulus as well as the speed-scaled stimulus was unable to represent the differences in adaptation strength when higher duty cycles were used during adaptation. Measuring the duration of the MAE, however, allowed for resolving differences in adaptation strength even between high duty cycles suggesting that the two described methods using the so called static or dynamic MAE are not exchangeable. The results furthermore show that a calibration of psychophysical measures is essential before they can be used to infer neural properties.
In order to examine a possible effect of the motion onset on adaptation strength we used both visual evoked potentials (VEPs) and psychophysical measures. Three different motion onset rates were compared. Continuous motion and stationary stimulus, used for adaptation, served as reference conditions.
Both VEPs and psychophysical results show that the strength of motion adaptation and of the MAE is independent of the number of motion onsets. There are two possible explanations for this findings. Either the strength of motion adaptation depends only on the motion duration per se or the effects of motion onset and motion offset cancel out.


SWD-Schlagwörter: Bewegungssehen
Freie Schlagwörter (deutsch): Bewegungsbeginn , Einfluss , Bewegungsadaptation , Bewegungsnachwirkung
Freie Schlagwörter (englisch): motion perception , motion onsets , motion adaptation , motion aftereffect
Institut: Univ.-Augenklinik
Fakultät: Medizinische Fakultät / Universitätsklinikum
DDC-Sachgruppe: Medizin und Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Bach, Michael (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.04.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 01.10.2007
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