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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-34340
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/3434/


Hook, Sandra

Landschaftsveränderungen im südlichen Oberrheingebiet und Schwarzwald : Wahrnehmung kulturtechnischer Maßnahmen seit Beginn des 19. Jahrhunderts

Landscape changes in the southern Upper Rhine Region and the Black Forrest : perception of historical cultivation measures since the beginning of the 19th century

Dokument1.pdf (3.599 KB) (md5sum: 9b74845c381ecbe978d9d7aac449b856)

Kurzfassung in Deutsch

Wahrnehmung und besonders die Wahrnehmung von Landschaften und Landschaftsveränderungen durch kulturtechnische Maßnahmen sind fester Bestandteil geographischer Forschung. Oft werden hierfür Begrifflichkeiten und Theorien aus anderen Forschungsdisziplinen, vorrangig der Kognitions- und Umweltpsychologie entliehen. Eine Rekonstruktion zur Wahrnehmung zeitlich weit zurückliegender Landschaftsveränderungen lässt sich mit dem Methodenspektrum der Historischen Sozialforschung verwirklichen. Diese Vorgehensweise unterscheidet prinzipiell historische und empirische Methoden, welche sich aufbauend ergänzen. Während historische Methoden schwerpunktmäßig von der Quellenkritik bestimmt werden, eröffnet die empirische Herangehensweise das gesamte Spektrum der Sozialforschung.
Im Untersuchungsgebiet Südlicher Oberrhein bis Schwarzwald wurden drei Landschaftsveränderungen durch kulturtechnische Maßnahmen untersucht: Flussbegradigung am Oberrhein (Tullasche Rheinbegradigung und der Bau des Grand Canal d’Alsace), Rebflurbereinigung am Kaiserstuhl und der Windradbau im Schwarzwald. Die Haupthypothese des Forschungsvorhabens lautete, dass Landschaftsveränderungen durch kulturtechnische Maßnahmen in Abhängigkeit von Zeit, Raum und vorgegebener Gesellschaftsstruktur wahrgenommen werden. Die Erhebungen fanden im Sinne einer Methodentriangulation, mit verschiedenen sozialwissenschaftlichen Ansätzen und Erhebungsinstrumenten, statt. Zentrales Erhebungs- und Auswertungsinstrument stellte die qualitative Inhaltsanalyse nach MAYRING (2003) dar. Ergänzt wurde diese durch qualitative und standardisierte Interviews, so dass einerseits trendhafte (qualitativ) sowie andererseits statistische (quantitativ) Zusammenhänge belegt werden konnten.
Besonders ausgeprägt war bei allen Erhebungen der Zusammenhang zwischen zeitlichen Strömungen und individueller bzw. kollektiver Werthaltung. Obwohl sich eine Klassifizierung von Gesellschaftsschichten für die Vergangenheit anhand des Textmaterials schlecht umsetzen ließ, zeichneten sich deutliche Trends ab. Auffällig war zudem, dass die Nähe zur bzw. die Abhängigkeit von der Natur eine größere Rolle spielte als die gesellschaftliche Stellung. Dies trifft sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Gegenwart zu. Waren es zu Zeiten der Tullaschen Rheinbegradigung die Bauern, denen eine romantisch-verklärte Sicht des Rheins fehlte, da er ihre Felder in regelmäßigen Abständen verwüstete, so sind es heute die Winzer am Kaiserstuhl, die das anthropogene Sekundärrelief trotz landschaftsästhetischer und ökologischer Nachteile zu schätzen wissen.
Während sich in der Umweltbewusstseinsforschung (und somit auch in der Umweltwahrnehmung) die Komponente Umweltwissen nicht allzu sehr auf Einstellung und Verhalten auswirkt, konnte ihr im Bezug auf die Landschafts- und insbesondere die Kulturlandschaftswahrnehmung eine größere Wirkung auf Einstellungen nachgewiesen werden: Die Befragten mit mehr Umweltwissen beurteilten die Landschaft signifikant anders als die Befragten mit wenig Umweltwissen.
Landschaftseingriffe und der damit einhergehende Landschaftswandel sind dynamische Prozesse. Ihre Bewertung ist somit prädestiniert für den Einsatz qualitativer Frage- und Analysetechniken. Dieser Sachverhalt soll allerdings keine standardisierten Instrumentalisierungen ausschließen oder abwerten, sondern lediglich sinnvoll ergänzen, um der Erfassung des dynamischen Untersuchungsobjektes Landschaft gerecht zu werden.
Ein Großteil dieser Forschungsarbeit kann innerhalb der Geographie geleistet werden, bedient sie sich doch bereits aus Erkenntnissen unterschiedlichster Forschungsdisziplinen. Anhand dieser „entliehenen“ Ansätze ist sie in der Lage, durch ihren fachimmanenten Raumbezug umfassendere Ergebnisse zu produzieren, ganz im Sinne eines interdisziplinären Forschungsparadigmas.


Kurzfassung in Englisch

Perception and landscape perception in particular are subject to geographic research. Definitions and theories of other sciences, mainly cognitive- and environmental psychology, are used to achieve this purpose. A reconstruction of perception pattern in the past can be exploited by the variety of methods supplied in Historical Social Research. In respect of that approach, historical and empirical methods can be determined. While historical methods are centred around source comment, empirical proceeding launches the whole diversity of social research.
Three historical cultivation matters have been selected within the investigation area, stretching from the Southern Upper Rhine Region to the Black Forest: River regulations at the Upper Rhine (by Tulla, and the construction of the Grand Canal d’Alsace), wine land consolidation at the Kaiserstuhl and wind wheel installation in the Black Forest. Main hypothesis of the task was that the perception of landscape change varies depending on time, space and social status. Different surveys have been launched together in terms of methodtriangulation, consisting of different social empiric approaches and survey tools. Qualitative content analysis by MAYRING (2003) certainly led the research, supplemented by quantitative proceedings. In conclusion qualitative trends, as well as statistic (quantitative) data such as correlations, could be proposed.
Through all surveys the connection between the spirit of the age and individual or collective attitudes were obvious. A retrospective accurate social classification by the text material revealed itself to be very difficult. Nevertheless trends were able to be identified. More than to social layers, the differences in opinion and attitude, were due to the dependency on nature and natural resources. That has found to be true for the past and the present: At Tulla’s time e.g. farmers could not share the misty-eyed view of the River Rhine (because it endangered their lives and crops) that was dominate in middle and upper class people. Likewise could be found at the Kaiserstuhl, where wine makers arranged with the anthropogenic secondary relief and made it part of their regional identity despite any landscape impacts.
Although environmental awareness- (and therefore environmental perception-) studies had shown little correlation between environmental knowledge and attitude as well as behaviour, this had not been confirmed for this study. Landscape- and cultural landscape perception in particular, produced medium to strong correlations. Evaluation of the landscape significantly varied in relation to environmental knowledge.
Landscape interferences and resulting landscape changes are subject to dynamic processes. Therefore their evaluation and monitoring is predesigned for the use of qualitative approaches and proceedings. It is not meant to degrade quantitative methods, but strongly recommend to integrate one another in a sensible matter to satisfactorily serve the needs of the dynamic research object Landscape.
A great deal of research work can be done within Geography, due to the open mindness towards approaches and definitions from other sciences. Innate space relation in combination with this “openmindness” is able to produce even more reliable an valid results, in means of a truly interdisciplinary research paradigm.


SWD-Schlagwörter: Landschaftsentwicklung , Landschaftsbewertung , Umweltwahrnehmung , Südlicher Oberrhein , Windenergie , Kaiserstuhl
Freie Schlagwörter (englisch): Perception , Landscape change , Environment, Renewable energy
Institut: Institut für Kulturgeographie
Fakultät: Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Land- und Forstwirtschaft, Veterinärmedizin
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Stadelbauer, Jörg (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.11.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 19.11.2007
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