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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-38797
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/3879/


Bilgeri, Kathrin

Die Ehebruchromane Theodor Fontanes : eine figurenpsychologische, sozio-historische und mythenpoetische Analyse und Interpretation

Theodor Fontane's novels of adultery : a psychological, socio-historical and mytho-poetological analysis and interpretation

Dokument1.pdf (1.254 KB) (md5sum: 8870fa9d0dc5b79c583b12f9c910c885)

Kurzfassung in Deutsch

L’Adultera, Graf Petöfy, Unwiederbringlich und Effi Briest – In vier seiner insgesamt 17 Romane und damit in beinahe einem Viertel seines Romanœuvres hat Theodor Fontane den Motivkomplex des Ehebruchs zum zentralen Handlungsnexus erhoben. Da die Thematik des Ehebruchs im Werk Fontanes einen solch breiten Raum einnimmt, unternimmt die vorliegende Dissertation den Versuch, die polyperspektivische Bedeutungsvielfalt der Ehebruchromane Fontanes umfassend zu beleuchten.

Eine kritische Bestandsaufnahme der Forschungslage zu den Ehebruchromanen Fontanes ergibt dabei, dass der die Handlung bestimmende Motivkomplex des Ehebruchs zwar in nahezu allen romanspezifischen Einzelinterpretationen berührt wird, dass bisher allerdings noch in keiner literaturwissenschaftlichen Studie alle Ehebruchromane Fontanes mittels textnaher Einzeluntersuchungen und romanübergreifender Betrachtungen einer systematischen und methodisch möglichst vielfältigen Analyse unterzogen worden sind.

Die ‚perspektivische Erzählweise’ Fontanes, die den Erzählgegenstand nicht durch eine Erzählerinstanz eindeutig definiert, sondern sich ihm stattdessen durch eine vielfältige Spiegelung annähert, überträgt dem Leser die Aufgabe, die thematischen Bezüge zwischen den sich gegenseitig reflektierenden Handlungssequenzen durch genaueste Lektüre selbst herauszudestillieren. Ein solches interpretatorisches Unterfangen kann aber nur gelingen, wenn die ‚polyperspektivische’ Darstellung, die das Ehebruchmotiv in den Romanen Fontanes erfährt, durch eine ‚polymethodische’ Herangehensweise entschlüsselt wird. Auf der Grundlage von produktionsästhetischen und interpretatorischen Stellungnahmen Fontanes wird in der vorliegenden Disseration eine figurenpsychologische, sozio-historische und mythenpoetische Herangehensweise gewählt.

Das Untersuchungsziel der Arbeit, der facettenreichen und polyperspektivischen Darstellung des Ehebruchs im Romanwerk Fontanes interpretatorisch gerecht zu werden, spiegelt sich in ihrem strukturellen Aufbau wider: So werden die Einzelromane nicht additiv, sondern komparativ analysiert und gedeutet. Hierbei werden die Ursachen, der Verlauf und die Konsequenzen des Ehebruchs mittels ‚Längsschnitten’ durch die zu betrachtenden Texte jeweils aus figurenpsychologischer, sozio-historischer und mythenpoetischer Sicht beleuchtet und in einer resümierenden Zusammenschau vernetzt. Obwohl diese Vorgehensweise den Nachteil birgt, dass die Ausführungen zu den einzelnen Romanen auseinander gerissen werden und Wiederholungen daher bisweilen unausweichlich sind, erlaubt es nur diese methodische Herangehensweise, die komplexe Bedeutungsdimension, die Fontane seinen Ehebruchromanen eingeschrieben hat, in all ihren Aspekten zu erfassen.

In ausführlichen Textinterpretationen kann gezeigt werden, dass die Ehebruchromane Fontanes etwa im Gegensatz zu den Gesellschaftsromanen Honoré de Balzacs und vor allem Emile Zolas nicht durch gemeinsame Gestalten und Ereignisse miteinander verknüpft sind, sondern eher einer mosaikartigen Gesellschaftsstudie ähneln. Dennoch können die Textanalysen herausstellen, dass es auch bei Fontane konstante Parameter gibt, anhand derer romanübergreifend die Ursachen, der Verlauf und die Konsequenzen des Ehebruchs motiviert und umschrieben werden.


Kurzfassung in Englisch

L’Adultera, Graf Petöfy, Unwiederbringlich and Effi Briest – In four of his 17 novels and consequently in nearly a quarter of this oeuvre, Theodor Fontane chose the theme of adultery as the central heart of the storyline. Since the theme of adultery enjoys such an importance in Fontane’s works, the present dissertation attempts to examine in detail the polyperspective diversity of meanings attributed to the motif of adultery in these novels.

A critical evaluation of the research on Fontane’s novels of adultery demonstrates that the theme of adultery, which determines the plots of all of these novels, is indeed considered in almost all interpretations of the individual novels. But the research evaluation also reveals that to date there has been no academic study which examines all of Fontane’s novels of adultery interpreting the texts and immanent structures of every novel individually before exposing the manifold relations between the four works, by applying a systematic and methodically multifarious approach.

Fontane’s ‘perspective narrative style’ does not clearly define the subject through a narrator, but instead depicts the topic through multifaceted reflection. As a consequence the reader has to attentively analyse the texts and thereby filter out the thematic relations between the different sequences of events, which are reflecting themselves mutually. Such a strategy of interpretation can only be successful if the ‘polyperspective representation’ of the motif of adultery in Fontane’s novels is decoded through a ‘polyperspective approach’. On the basis of Fontane’s production-aesthetic and interpretative comments, the present dissertation chooses a psychological, socio-historical and mytho-poetological approach.

The aim of the present study, using an adequate interpretative approach to meet the multifaceted and polyperspective representation of adultery in Fontane’s novels, is mirrored in its structure: The individual novels are not analysed and interpreted additively, but rather comparatively. Thereby, the reasons, the development and the consequences of adultery are studied by ‘longitudinal cuts’ through the novels, in each case from a psychological, socio-historical and mytho-poetological perspective, before being interlinked in a resumptive synopsis. Although this approach has the disadvantage that the analyses of the individual novels are torn apart and repetitions are sometimes inevitable, only this methodical approach allows to grasp all aspects of the complex dimension of meanings Fontane has inscribed in his novels of adultery.

The detailed, text-based analyses of the present study reveal that, in contrast to the social novels of Honoré de Balzac and especially Emile Zola, Fontane’s novels of adultery are not connected by mutual characters and events, but are rather like a mosaic-like study of society. Nevertheless, the interpretations of the present dissertation prove that even in Fontane’s work, there are constant parameters which span all of the four novels and motivate and describe the reasons, the development and the consequences of adultery.


SWD-Schlagwörter: Ehebruch , Ehebruch <Motiv> , Ehebrecher , Ehebrecherin , Ehebrecherin <Motiv> , Tintoretto / Ehebrecherin , Fontane, Theodor / Effi Briest , Fontane
Freie Schlagwörter (englisch): adultery, Theodor Fontane
Institut: Deutsches Sem. 2: Institut für Neuere Deutsche Literatur
Fakultät: Philologische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Deutsche und verwandte Literaturen
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Grätz, Katharina (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.07.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 19.12.2007
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