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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-47168
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/4716/


Roscher, Katrin

Perspektiven der Weiterbildung in der Infektiologie, einem interdisziplinären medizinischen Fachgebiet : die Situation in Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich

Perspectives of specialization in infectious diseases, an interdisciplinary medical field : the situation in Germany compared to the European and international situation

Dokument1.pdf (725 KB) (md5sum: 446fb79df343d76a029c7602b063b9e1)

Kurzfassung in Deutsch

Im April 1993 wurde die EU-Direktive 93/16/EWG „zur Erleichterung der Freizügigkeit für Ärzte und zur gegenseitigen Anerkennung ihrer Diplome, Prüfungszeugnisse und sonstigen Befähigungsnachweise“ veröffentlicht. Es wird definiert, dass in den Mitgliedstaaten eine vergleichbare Basis der Ausbildung in der jeweiligen Fachrichtung besteht, außerdem werden die Grundbedingungen für die einzelnen Dokumente und die in jedem Land verantwortlichen Behörden und Instanzen verzeichnet. In der vorliegenden Arbeit wird auf die Fachrichtung Infektiologie Bezug genommen. Die internationale Kooperation bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wird in der Harmonisierung der Aus- und Weiterbildung noch nicht entsprechend gewürdigt.
Die Direktive wird ergänzt durch die Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen, die bis Oktober 2007 in jeweiliges Landesrecht umzusetzen war. Es gilt, europaweit verbindliche Qualitätsstandards in der Weiterbildung zu erarbeiten und somit der geforderten freien Wahl des Landes, in dem ein Arzt tätig sein möchte, Rechnung zu tragen. Trotz des Zusammenschlusses zur Europäischen Union bestehen zwischen den Ländern historisch gewachsene Differenzen, wie zum Beispiel Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigungen. Insbesondere für Ärzte sind oft zusätzlich Kriterien zur beruflichen Registrierung/Akkreditierung festgelegt, da Medizin, ebenso wie Pharmazie und Pflegeberufe, zu den regulierten Berufen zählt.
Die vorliegende Arbeit analysiert die Unterschiede in der Aus- und Weiterbildung in den Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft mit Bezug auf den Fachbereich Infektiologie. In manchen Ländern existiert diese Spezialisierung nicht, in einigen ist sie als Zusatzbezeichnung nach der Befähigung zum Facharzt für Innere Medizin oder Pädiatrie zu erlangen, in anderen wiederum stellt sie eine eigene Facharztausbildung dar. Somit gilt sie nach den Vorgaben der oben beschriebenen Direktive nicht als allgemein anerkennbare Spezialisierung. Die Harmonisierung ist dringend notwendig, um eine standardisierte und länderübergreifend vergleichbare Ausbildung auf hohem wissenschaftlichen Niveau zu gewährleisten, die auf der Basis einer europaweit identischen Weiterbildung die freie Beweglichkeit innerhalb der Europäischen Union ermöglicht.
Neben der Darstellung der Herausforderungen, die sich vor diesem Hintergrund an die medizinische Weiterbildung stellen, wird die Relevanz einer fundierten Spezialisierung – sowohl für den klinischen Alltag als auch im Bereich der Diagnostik – analysiert. In einem Vergleich bestehender Weiterbildungsmodelle werden die jeweiligen positiven Aspekte, aber auch die Limitationen präsentiert. Im Ergebnis wird eine mögliche Weiterbildung vorgeschlagen, die den bestehenden Bedingungen in den einzelnen Ländern, zugleich aber auch den Richtlinien der EU Rechnung trägt und somit dem Sinn einer strategischen Harmonisierung entspricht.
Die Informationen beruhen, im Gegensatz zu thematisch vergleichbaren Arbeiten, nicht auf Erhebungen mittels Fragebögen, sondern auf einer systematischen, breit angelegten Recherche. Für fundierte Informationen wurde direkter Kontakt zu den jeweiligen Vertretern der Mitgliedsländer basierend auf der UEMS-Datenbank aufgenommen. Somit bleibt die vorliegende Arbeit unabhängig von der Bereitschaft zur Rücksendung von Fragebögen, und es konnte die Fehler-Möglichkeit aufgrund unterschiedlichen Verständnisses des Themas „Weiterbildung in Infektiologie“ weitgehend ausgeschlossen werden, da Rückfragen und Erklärungen möglich waren.
Das Ergebnis dieser Arbeit belegt die bestehenden großen zeitlichen und inhaltlichen Differenzen der Weiterbildungen auf europäischer und internationaler Ebene. Es ist zwingend notwendig, die Voraussetzungen zur angemessenen Etablierung des Faches Infektiologie in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung zu fixieren, zumal dies sowohl durch ein Curriculum zum Erwerb der Facharztqualifikation in Infektiologie von der UEMS und der EMA als auch in der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer längst vorgegeben ist. Die Umsetzung dieses Weiterbildungsweges ist zum Teil erfolgt. Jedoch stehen wir noch immer vor einer unzureichenden Akzeptanz des Fachgebietes schlechthin, unvorhersehbare Risiken und unabsehbare Folgen fahrlässig negierend. Ein wichtiger Schritt wäre die bundesweite Anerkennung des Titels „Facharzt für Infektiologie“ auf Basis der von der DGI vorgegebenen Weiterbildungsinhalte. Allerdings erschwert die föderale Gesetzgebung der Bundesrepublik Deutschland die Bestrebungen zur Harmonisierung der Weiterbildung, so dass schon die einheitliche Anerkennung als Zusatz- oder als Schwerpunktbezeichnung im nationalen Rahmen und mit nationaler Gewichtung zurzeit fast unmöglich erscheint.
Infektionen unterscheiden sich von anderen Erkrankungen – sie breiten sich aus.


Kurzfassung in Englisch

In April 1993 the EU-Directive 93/16/EWG "freedom of movement" was published. The direction defines, that all EU countries have to guarantee a comparable specialization in the corresponding medical field. In addition, the required documents and instances are defined. This paper focuses on the specialization in infectious diseases (ID). The international efforts towards infection control are not yet reflected in the status of harmonization in specialization in this field.
The afore mentioned directive was amended by the guideline 2005/36/EG of the European Parliament, published in September 2005, which declares the mutual recognition of professional qualifications, which was to be ratified by each country until October 2007. Therefore it is needed to set up quality standards for education and specialization to take “freedom of movement” into account. Despite the growing union of countries to form the European Union there do exist historic differences between the member states, e. g. unlimited right to residence or to work. Especially for physicians the rights are much more restricted, since an accreditation is required.
In this work the differences in specialisation in infectious diseases between the countries of the EU, with special focus on Germany, are analysed in comparison to international standards. In some countries this specialization does not exist, in some countries it is a subspecialisation to internal medicine or paediatrics and in other countries it is defined as a specialization of its own. This situation requires strong efforts towards urgent harmonization to guarantee a global, standardized training curriculum on a high scientific level.
This work describes the requirements for training and confirms the relevance of a high level, standardized specialization in this field by comparison of the different existing training models focussing on the positive aspects and the limitations of each model. Based on this analysis a proposal is made for an “ideal” curriculum in ID to meet the requirements, which are defined in the EU directive.
The data for this analysis were gained - in contrast to comparable analyses - not only by questionnaires, but in a broad literature and internet search and direct contacts to responsible people in the countries, based on the recent membership and representative list of the Union of European Medical Specialists (UEMS). Thus a dialogue and further inquiries were possible in order to minimize the error rate due to any misunderstanding.
The results of these analyses confirm the differences on the European and international level and the urgent need for a harmonization in training worldwide, since the curriculum is already defined by UEMS and EMA and the ratification is required in the model curriculum of the German Federal Chamber of Physicians. The specialization is not yet fully accepted and the recognition of the “ID specialization” as an own speciality, not only a subspecialty based on a harmonized training curriculum in Germany, Europe and worldwide is a must. Infections are different - they spread.


SWD-Schlagwörter: Infektiologie , Spezialisierung , Vergleich
Freie Schlagwörter (deutsch): Deutschland , Europa , international , Weiterbildungsanforderung , UEMS
Freie Schlagwörter (englisch): Germany , Europe , international , training , UEMS
Institut 1: Sonstige Einrichtung
Institut 2: Medizinische Univ.-Klinik und Poliklinik
Fakultät: Medizinische Fakultät / Universitätsklinikum
DDC-Sachgruppe: Medizin und Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Kern, Winfried V. (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.02.2008
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 25.03.2008
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