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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-49373
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/4937/


Thaliath, Babu

Die Räumlichkeit der Empfindung

The spatiality of sensation

Dokument1.pdf (317 KB) (md5sum: 0a6b46fa588af1cae51ae93856c16ef1)

Kurzfassung in Deutsch

In seiner Grundvorstellung von "res cogitans" schreibt Descartes der Seele – gegenüber dem Leib und den außerleiblichen Körpern – weder Ausdehnung noch Materialität zu. Das denkende und sinnlich empfindende Subjekt läßt sich demnach von dem räumlich ausgedehnten und materiellen Körper vollkommen ontologisch differenzieren. Bei Descartes werden alle unterschiedlichen Operationen des Subjekts, wie die sinnliche Empfindung, das sprachliche Denken, bildliche Imagination und Erinnerung, leibliche Willensäußerungen usw., einem einheitlichen Begriff, nämlich dem Denken, subsumiert. In ihrem Brief an Descartes (vom 6. Mai 1643) stellt Prinzessin Elisabeth von Böhmen die von Descartes in seinen "Meditationen" vorgestellte Immaterialität und Unausgedehntheit der Seele in Frage; nach ihr erweist sich das leiblich handelnde Subjekt als materiell und räumlich ausgedehnt. Ebenso wie in den Willensäußerungen scheint das Subjekt in (leiblichen) Sinnesempfindungen räumlich bzw. leiblich ausgedehnt zu sein. In der folgenden Abhandlung wird der Versuch unternommen, zu begründen, wie sich die Sinnlichkeit im allgemeinen räumlich bzw. leiblich und außerleiblich ausdehnt. Die Untersuchung geht methodologisch von einem Analogisieren zwischen der Räumlichkeit der leiblichen und der außerleiblich-gegenständlichen Sinnlichkeit (dargestellt in optischen und auditiven Empfindungen) aus. Im Verhältnis zu der räumlich-leiblichen Ausdehnung der Empfindungen wie Schmerz, Wärme, Geschmack, Geruch usw. bleibt einem die außerleiblich-freiräumliche und -gegenständliche Ausdehnung der Seh- und Hörempfindungen ein Rätsel. Allerdings scheinen die leibliche Lokalisation der Schmerz-, Wärme- oder Geschmacksempfindung und die außerleiblich-gegenständliche Lokalisation der Seh- und Hörempfindungen durchaus analoge Phänomene zu sein. Die Untersuchung hat auch zum Ziel, zu demonstrieren, wie die unmittelbar zu erfahrende Wirklichkeit der sinnlichen Empfindungen zugleich ihre objektive Phänomenalität bzw. ihre Ausdehnung im objektiven Phänomen (des Leibes und der außerleiblichen Freiräume und Gegenstände) voraussetzt. Dies impliziert ein wissenschaftliches Prinzip der apriorischen aber vollkommen erfahrungsmäßigen Deduktion, das – anstatt einer subjektiven Anwendung der Vorstellungen a priori auf objektive Phänomene – eine epistemologische Korrelation zwischen der Apriorität der mentalen Deduktion und der Aposteriorität der objektiven Wirklichkeit voraussetzt.


Kurzfassung in Englisch

In his fundamental notion "res cogitans", Descartes ascribes to the mind – as against the body – neither extension nor materiality. Accordingly, the mind that thinks and through the senses perceives can be entirely distinguished ontologically from the body which is materially extended. Descartes subsumes the various operations of mind, namely the sensory perceptions, verbal thinking, visual imagination and recollection, bodily volition etc., under a unified notion of thinking. In her first letter to Descartes (dated 6th May 1643) Princess Elisabeth of Bohemia challenged the notion of an immaterial and non-extended mind, as introduced by Descartes in his "Meditations". She argued that in bodily volition the mind proves itself to be both material and extended. Similar to volition, the mind seems to extend bodily in various sensory perceptions. The following treatise is an attempt to substantiate the bodily and outer bodily i. e. spatial extension of sensory perceptions in general, and is based methodologically on an analogy between the spatiality of bodily and that of outer bodily sensations (as represented in vision and hearing). As compared to the bodily extension of sensations like pain, warmness, taste, smell etc, the outer bodily extension of optical and auditory sensations remains us a puzzle. However, the phenomenon of bodily localization of pain, warmness or taste seems to be analogous to that of spatial localization of optical and auditory sensations in outer bodily objects. This treatise also attempts to demonstrate how the immediately experienced reality of sensations is premised on their objective phenomenality i. e. on their extension in objective phenomenon (of the body as well as the outer bodily free spaces and material objects). This implies a scientific principle of a priori but perfectly experiential deduction, which signifies – instead of a subjective application of a priori notions on objective phenomena – an epistemological correlation between the apriority of mental deduction and the aposteriority of objective reality.


SWD-Schlagwörter: Descartes, René , Leib-Seele-Problem , Empfindung , Leiblichkeit , Raumwahrnehmung , Größenwahrnehmung , Analogien der Erfahrung , Objektivität
Freie Schlagwörter (deutsch): Kartesianischer Dualismus , Prinzessin Elisabeth von Böhmen , Ausdehnung der Sinnlichkeit , Lokalisation der Empfindung , Erfahrungsmäßige Deduktion
Freie Schlagwörter (englisch): Cartesian dualism , Princess Elisabeth of Bohemia , Spatial extension of sensation , Localization of sensation , Experiential deduction
Institut: Philosophisches Seminar
DDC-Sachgruppe: Philosophie
Dokumentart: Preprint (Vorabdruck)
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 23.04.2008
Bemerkung: Diese Abhandlung basiert u. a. auf meiner Dissertation und den folgenden Untersuchungen, die ich beim FreiDok im Rahmen meiner postdoctoral Forschung veröffentlicht habe: „Der Prozeß der Geometrisch-Optischen Perspektivierung in der Visuellen Raumwahrnehmung“ (http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/271), „Domänen des Subjekts“ (http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2660/) und „Natur und Struktur der Kräfte“ (http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2935/).
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