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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-53061
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/5306/


Graf, Klaus

Heroisches Herkommen : Überlegungen zum Begriff der "historischen Überlieferung" am Beispiel heroischer Traditionen

Heroic origins : thoughts on the concept of "historical tradition"

Dokument1.pdf (6.086 KB) (md5sum: cd0cfe5b810bc4ce652063a3e6602c77)

Kurzfassung in Deutsch

Untersucht wird die außerliterarische Traditionsbildung auf der stofflichen Grundlage der sogenannten "Heldensage". Angesichts der mangelnden Eignung des allzu heterogenen Sammelbegriffs "historische Sage" wird über den Begriff "Herkommen" eine Präzisierung versucht. "Die Funktion des Herkommens bezieht eine Erzählung auf die eigene Geschichte einer Gruppe - als genealogisches Herkommen auf die Geschichte einer Familie, als Orts-Herkommen auf die Geschichte einer Stadt oder eines Klosters" (S. 58). Im Gegensatz dazu meint "Exemplum" eine Textfunktion, "die einer Geschichte eine Lehre oder Regel unterlegt" (S. 58). Der erste Abschnitt fragt "nach der Rolle der Heldensage für die Ausbildung von Geschlechtersagen und umgekehrt nach der Rolle von Geschlechtersagen für die Tradierung von Heldensagen" (S. 47). Angesprochen wird die mit der Stadt Xanten und Ursprungsüberlieferungen der Grafen von Holland verbundene niederrheinische Hagen-Tradition, die aber nicht vor das 15. Jahrhundert zurückzuverfolgen ist. Für das deutsche Hochmittelalter existiert nur das singuläre Zeugnis der Pegauer Annalen über die Abstammung Wiperts von Groitzsch. Der Versuch Wilhelm Störmers, bei bayerischen Adelsfamilien des 8./9. Jahrhunderts ein "Nibelungenbewußtsein" nachzuweisen, wird abgelehnt. Abschnitt II schlägt - in Auseinandersetzung mit dem Heldensagen-Modell Walter Haugs - ein Überlieferungsmodell vor, das beide Funktionen, sowohl die des Herkommens als auch die des Exemplums für die langwierige Genese des Erzählverbandes Heldensage zur Geltung kommen läßt. Dem Phänomen Orts-Herkommen ("Ortssage") am Beispiel der Vertextung eines Soester Nibelungen-Herkommens in der "Thidrekssaga" gilt Abschnitt III. Um Anspielungen auf Figuren der Heldensage in Flurnamen und damit verbundenen ätiologischen Erzählungen (z.B. Etzelsburg, Kriemhildenspindel, "lectulus Brunihilde") geht es in Abschnitt IV. Abschnitt V beschäftigt sich mit der Eingliederung der Heldensage in die gelehrte Tradition und mit einigen Orts-Herkommen seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Erwähnt werden Traditionen zu Rüdiger von Bechelaren, Laurin, den Harelungen im Breisgau, die Gründung von Burgdorf (bei Bern) und die Stiftung des Prämonstratenserklosters Wilten durch den Riesen Haymon. Besonders ausgeprägt war die Hürnen-Seifried-Tradition der Stadt Worms.


SWD-Schlagwörter: Heldensage , Genealogie , Worms , Xanten , Historische Sage
Freie Schlagwörter (deutsch): Herkommen , Traditionsbildung
Institut: Historisches Seminar
DDC-Sachgruppe: Geschichte
Dokumentart: Aufsatz
Quelle: Das Bild der Welt in der Volkserzählung. Berichte und Referate des fünften bis siebten Symposiums zur Volkserzählung, Brunnenburg/Südtirol 1988-1990, hrsg. von Leander Petzoldt, Ingo Schneider und Petra Streng (= Beiträge zur Ethnologie und Folklore B 4), Frankfurt a.M. usw. 1993, S. 45-64
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 1993
Publikationsdatum: 17.06.2008
Bemerkung: PDF mit leicht korrigierter OCR. Mit diesem Aufsatz hängt ein weiterer eng zusammen: Klaus Graf: Literatur als adelige Hausüberlieferung?, in: Literarische Interessenbildung im Mittelalter, hrsg. von Joachim Heinzle, Stuttgart-Weimar 1993, S. 126-144 http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/5277/. Aufgenommen und weitergeführt wurden die Überlegungen zum Begriff "Herkommen" von Joachim Heinzle, siehe insbesondere dessen Aufsatz: Zur Funktionanalyse heroischer Überlieferung: das Beispiel Nibelungensage, in: New Methods in the Research of Epic. Neue Methoden der Epenforschung, hrsg. von Hildegard L. C. Tristram, Tübingen 1998, S. 201-221.
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