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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-58455
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/5845/


Kraias, Georgios

Epische Szenen in tragischem Kontext: Untersuchung zu den Homer-Bezügen bei Aischylos

Epic scenes in a tragic context: Research into Homeric antecedents in Aeschylus

Dokument1.pdf (2.195 KB) (md5sum: 879c618072f866506885a762eab9b7cd)

Kurzfassung in Deutsch

In der vorliegenden Arbeit wird eine vollkommen neue Forschungslinie eingeschlagen, die den ersten der drei großen griechischen Tragiker Aischylos nicht nur unter einem ausschließlich lexikalischen und stilistischen, wie es in den einschlägigen Untersuchungen bis jetzt der Fall war, sondern vielmehr unter einem inhaltlichen und szenischen Einfluss von Homer zu betrachten versucht. Durch intensive Suche aller möglichen parallelen Strukturen und anschließende Hervorhebung aller vergleichbaren Szenen sucht der Autor, den stetigen episch-homerischen Hintergrund und vor allem die Funktion gerade dieser Vorlage in einer neuen Gattung, in den Tragödien von Aischylos, nachzuweisen. Von Bedeutung sind nicht mehr die jeglichen mit den homerischen Epen gemeinsamen Wörter und Wendungen, noch die eventuellen Zusammenhänge und Bezüge in Gleichnissen und Bildern, sondern in erster und einziger Linie die größeren Einheiten, also die Szenen an sich, die Aischylos von Homer übernimmt, nach den dramatischen Verhältnissen umgestaltet und in seine Tragödien sehr geschickt einbettet. Gewiss bleiben die weiteren Anklänge sekundärer Wichtigkeit, nämlich die Begriffe, die Ausdrücke und die Metaphern, nicht völlig außer Betracht, sondern werden gelegentlich in Erwähnung gezogen, um nur die jeweilige Gegenüberstellung von Szenen zu untermauern und die Allusion zu verstärken.
Fast alle Tragödien von Aischylos weisen eine erstaunliche Fülle von vielfältigen Homer-Bezügen auf, doch die Mehrheit der dem Epos entnommenen Szenen ist hauptsächlich in den kriegerischen Stücken, nämlich in den Persern und den Sieben gegen Theben, zu finden, denen die Ilias genügend Stoff zur Verfügung stellt. Beide Dramen spielen sich vom Anfang an bis zum Ende vor einer dauernden homerischen Folie ab, die sie beständig und regelmäßig durch entsprechende Szenen durchscheinen lassen, sodass die ganze Ausführung der Handlung auf einer bestimmten episch-homerischen Grundlage stattfindet. Außerdem bietet sich auch die Orestie für Betrachtung unter dem Prisma Homers an, denn eine gewisse Anzahl von episch-homerischen Szenen ist ebenso bei dieser vorhanden. Alle drei Stücke der Trilogie beinhalten mehr oder weniger tatsächliche Szenen homerischer Herkunft und behandeln noch dazu auch mythische Begebenheiten, die schon bei Homer und namentlich in der Odyssee ausführlich dargestellt sind. Daher stellt sich ohne Schwierigkeit von selbst fest, dass fast das gesamte Dichterwerk von Aischylos eine eindeutige und unverkennbare homerische Prägung aufzeigt, die sich überwiegend durch die bei ihm anwesenden homerischen Szenen offenbart.
In groben Umrissen würde man also sagen, die konkrete Abhandlung sei ein innovativer Beitrag zur Intertextualitätsforschung unter antiken Autoren, und noch genauer unter Aischylos und Homer, die sich von den übrigen darin unterscheidet, dass sie geradezu diese Intertextualität nicht nur in bloßen wörtlichen Ähnlichkeiten, die von selbst fast nichts beweisen können, sondern vielmehr in richtigen szenischen Angelegenheiten, die eine viel wichtigere Beeinflussung begründen, identifiziert.


Kurzfassung in Englisch

This dissertation attempts to study the relationship between Aeschylus and Homer, not only in terms of style and word-use, themes that have already been studied by other scholars, but in terms of the structural and narrative influences of Homer’s work on the later tragedian. Through an intensive search of all comparable scenes, the author analyses the dimension and usage of the epic or Homeric background in Aeschylus’ work.
Words and expressions held in common in fact prove to be less important in and of themselves, and more important as component of bigger entities, the scenes, which Aeschylus borrows from Homer, reshaping them and integrating them into his tragedies. Similarities in words and phrases are not of course irrelevant, as they serve to confirm allusions to Homeric scenes and hence strengthen the various parallels between the texts.
All of Aeschylus’ tragedies embody an enormous wealth of Homeric allusions, but the largest number of directly comparable scenes is to be found in the war plays, particularly in the Persians and in the Seven against Thebes where the main allusions are to the Iliad. The Oresteia is also richly endowed with Homeric allusions, as all three plays in the trilogy involve scenes from the Homeric canon, drawing particularly on parts of the Odyssey.
In short, this dissertation is an addition to research on intertextuality between Homer and Aeschylus. It seeks to emphasize however the similarities and differences at the point of narrative and scene construction.


SWD-Schlagwörter: Aischylos , Homer , Tragödie , Epos , Intertextualität
Freie Schlagwörter (englisch): Aeschylus , Homer , Tragedy , Epic , Intertextuality
Institut: Seminar für Klassische Philologie
Fakultät: Philologische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Griechische Literatur
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Zimmermann, Bernhard (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.06.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 02.10.2008
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