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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-60241
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/6024/


Wenning, Katrin

Die Bedeutung von Feedback in der Psychotherapieausbildung - Evaluation eines computerbasierten Trainings zur Entwicklung von Fallkonzeptionen

The effects of feedback in psychotherapy training - Evaluation of a computer based training approach for case conceptualizations

Dokument1.pdf (1.765 KB) (md5sum: 7b0a9d77407fc676f6e4afe06fe16c2d)

Kurzfassung in Deutsch

Theoretischer Hintergrund: Unmittelbares, elaboriertes Feedback gilt in der Lernforschung als wirksames Mittel, um Lernprozesse jeglicher Art zu fördern (Kluger & DeNisi, 1996). In dieser Arbeit wird der Effekt von unmittelbarem, individualisiertem Feedback auf die Fähigkeit, Fallkonzeptionen nach psychotherapeutischen Erstgesprächen zu entwickeln, untersucht. Auf der Basis der latent semantic analysis (Landauer & Dumais, 1997), einer Methode, die es dem Computer ermöglicht, Text zu verstehen und verschiedene Texte miteinander in Beziehung zu setzen, wurde ein computerbasiertes Trainingsprogramm zur Entwicklung von Fallkonzeptionen (IFEE, Intensive Feedback Program) erstellt (Caspar, Berger & Hautle, 2004). Im Trainingsprogramm IFEE sind die Fallkonzeptionen verschiedener Experten zu einem Patienten gespeichert. Während des Trainings geben Ausbildungskandidaten ihre eigene Fallkonzeption in das Programm ein und erhalten fortlaufend unmittelbares Feedback, das IFEE aus dem Vergleich zwischen den Expertenfallkonzeptionen und der Novizenfallkonzeption ableitet. Der Ausbildungskandidat erhält so die Möglichkeit, seine eigene Fallkonzeption auf Basis des Feedbacks beliebig oft zu erweitern.
Methodische Fragestellung: Wie lässt sich die inhaltliche Breite einer Fallkonzeption reliabel erfassen? Inhaltliche Fragestellungen: Welche inhaltlichen Aspekte werden vor Beginn des Trainings in die Fallkonzeptionen integriert? Nimmt die inhaltliche Breite der Fallkonzeptionen über den Trainingsverlauf in den beiden Trainingsgruppen zu (Experimentalgruppe mit unmittelbarem, computerbasiertem Feedback und Kontrollgruppe mit schriftlichem, zeitlich verzögertem Feedback)? Ist das Training mit IFEE einem traditionellen Feedbackansatz überlegen?
Konzeption und Methode: Insgesamt nahmen 50 Psychotherapeuten in verhaltenstherapeutischer Ausbildung an jeweils 4 Trainingseinheiten teil. In einer Trainingssitzung sahen die Teilnehmer zunächst ein videodokumentiertes Erstgespräch und entwickelten im Anschluss daran ihre eigene Fallkonzeption. Lediglich die Teilnehmer der Experimentalgruppe erhielten nach der Eingabe ihrer Fallkonzeption computerbasiertes Feedback, auf dessen Basis sie die eigene Fallkonzeption erweitern konnten. Dieses Feedback bestand zum einen aus der Rückmeldung der prozentualen Übereinstimmung der eigenen Fallkonzeption mit den entsprechenden Expertenfallkonzeptionen. Zum anderen wurde eine Gesamtübersicht der inhaltlichen Aspekte der Fallkonzeptionen (Symptome, therapeutische Beziehungsgestaltung, u.a.) dargeboten, wobei die prozentuale Übereinstimmung mit den Expertenfallkonzeptionen für jeden einzelnen Aspekt angezeigt wurde. Die Teilnehmer der Kontrollgruppe erhielten sieben Tage nach der Trainingssitzung schriftliches Feedback zu ihrer Fallkonzeption.
Ergebnisse: Das Manual zur Kodierung von Fallkonzeptionen und Therapieplanung wies gute bis sehr gute Reliabilitätskoeffizienten auf. Hinsichtlich des Inhalts der Fallkonzeptionen vor Beginn des Trainings zeigte sich eine durchschnittliche Übereinstimmung von 70,44% mit den Expertenfallkonzeptionen. Dabei setzte sich eine durchschnittliche Fallkonzeption eines Ausbildungskandidaten überwiegend aus deskriptiven Informationen und Informationen zum Erklärungsmodell zusammen. Informationen zur Diagnostik und zur Therapieplanung wurden hingegen vernachlässigt. Für die Experimentalgruppe ließen sich eine hoch signifikante Zunahme der prozentualen Übereinstimmung mit den Expertenfallkonzeptionen und hoch- bzw. signifikanten Veränderungen in der inhaltlichen Breite der Fallkonzeptionen im Bereich deskriptive Information, diagnostische Information und Therapieplanung nachweisen. Ausbildungskandidaten gelang es nach dem Training mit IFEE besser, inhaltliche Aspekte, wie z.B. non- und paraverbales Verhalten oder therapeutische Beziehungsgestaltung, die vor dem Training wenig beachtet wurden, in ihre Fallkonzeptionen zu integrieren. Im Vergleich dazu zeigte sich für die Kontrollgruppe lediglich eine hoch signifikante Veränderung bezüglich der inhaltlichen Breite im Bereich diagnostische Information. Eine eindeutige Überlegenheit des Trainings mit IFEE (signifikante Gruppenunterschiede) ließ sich für die prozentuale Übereinstimmung mit den Expertenfallkonzeptionen und die inhaltliche Breite im Bereich deskriptive Information nachweisen.
Diskussion: Für die zukünftige Gestaltung der theoretischen Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten ergeben sich zwei mögliche Implikationen aus den dargestellten Befunden: Bei einer Neugestaltung des theoretischen Curriculums sollten empirisch überprüfte Trainingsmodule wie z.B. IFEE zunehmend integriert werden. Zweitens sollten Supervisoren möglichst rasch und elaboriert Feedback zu Fallkonzeptionen geben, und Ausbildungskandidaten sollten die Möglichkeit bekommen, ihre Fallkonzeptionen auf der Basis des Feedbacks zu verbessern und erneutes Feedback erhalten.


Kurzfassung in Englisch

Research has shown that immediate, elaborated feedback is effective in enhancing learning processes in in any field (Kluger & DeNisi, 1996). In this study I analyse the effects of immediate, elaborated feedback on therapists' ability to develop a case conceptualization after an intake interview. Based on the latent semantic analysis (Landauer & Dumais, 1997), a method that enables the computer to understand and comment on different texts, we developped a computerbased trainig approach for case conceptualizations (IFEE, Intensive Feedback Program) (Caspar, Berger & Hautle, 2004). IFEE contains experts' case conceptualizations for different patients. During the training psychotherapy trainees develop their own case conceptualization and get immediate feedback that is derived from the comparison of the experts' and the trainee's case conceptualization. Based on the feedback the psychotherapy trainee gets the possibility for further elaboration of his or her case conceptualization.
Research questions: How can we measure the breadth of a case conceptualization reliably? Which aspects are integrated in a case conceptualization prior to the training? Does the breadth of the case conceptualizations increase during the training process in the two groups (training group: immediate, computerbased feedback, control group: written, time-delayed feedback)? Is the training with IFEE superior to a traditional training approach concerning the breadth of a case conceptualization?
Method: 50 psychotherapy trainees (behavior therapy) are asked to participate in four training sessions. During one training session they watched an intake interview and wrote down their view of the patient. The training group systematically got immediate, computerbased feedback on various aspects of the case conceptualization and had the opportunity to further elaborate their case conceptualization. The control group got written time delayed feedback seven days after the training session.
Results: The reliability check for the manual for coding case conceptualizations and therapy planning proved good to very good reliability coefficients. The results of this study show that prior to the training case conceptualizations covered 70,44 % of the aspects addressed by the experts and consisted primarily of descriptive and explanatory information. Aspects considering treatment planing or diagnosing played a minor role. I found significant training effect for the training group for the accordance rate with the experts, descriptive-, diagnostic information and treatment planning. Psychotherapy trainees managed to integrate aspects like non- or paraverbal behavior or therapeutic relationship in their case conceptualizations that prior to the training had been neglected. For the control group I found a significant effect for diagnostic information. The comparison of the two groups revealed significant group effects in favor of the training group for the accordance rate with the experts' case conceptualizations and descriptive information.
Discussion: The results show that immediate feedback is superior on some aspects in contrast to traditional feedback. Concerning today's psychotherapy education I argue for an integration of innovative well evaluated learning tools like the one I have presented here. Furthermore supervisors should present immediate and elaborated feedback to psychotherapy trainees' case conceptualizations with the possibility of further elaboration and repeated feedback.


SWD-Schlagwörter: Expertise
Freie Schlagwörter (deutsch): Psychotherapieausbildung , individualisiertes computerbasiertes Feedback , Fallkonzeptionen , computerbasiertes Training
Freie Schlagwörter (englisch): psychotherapy training research , computerbased training , computerbased feedback , case conceptualizations , case formulations , expertise
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Caspar, Franz (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.07.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 17.11.2008
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