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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-61536
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/6153/


Schäfer, Christina Sandra

Außergewöhnliche Erfahrungen : Konstruktion von Identität und Veränderung in autobiographischen Erzählungen

Exceptional experiences : the construction of identity and transformation in autobiographic narrations

Dokument1.pdf (1.165 KB) (md5sum: 7493b5aadb7c669552cc574480fe571f)

Kurzfassung in Deutsch

Den Gegenstandsbereich dieser empirischen Untersuchung bilden Personen, die für sich beanspruchen, außergewöhnliche Erfahrungen in einem besonderen Sinne gemacht zu haben. Gemeint sind hier Erfahrungen im Sinne von übersinnlichen Erfahrungen wie beispielsweise außersinnliche Wahrnehmungen, Telepathie, Hellsehen, Spuk, Kontakt mit verstorbenen oder auch sog. Nahtoderfahrungen. Solche „außergewöhnlichen Erfahrungen“ (AgE), wie sie im Rahmen parapsychologischer Forschung seit langem untersucht werden, wird vielfach eine besondere lebensverändernde Kraft zugeschrieben. Dabei wird neben Veränderungen im Lebensvollzug vor allem auch von grundlegenden Veränderungen in der Wahrnehmung von Zeit, Raum, Realität und menschlicher Existenz gesprochen. Obwohl verschiedene Ansätze von der Grundannahme ausgehen, dass solchen AgE eine Potenz zur Auslösung von Transformationsprozessen innewohnt, sind viele Fragen hinsichtlich Definition, bestimmender Parameter und Verlauf offen. In der Studie steht die Frage im Zentrum, wie Personen, die solche Erfahrungen gemacht haben, diese in eine autobiographische Selbstdarstellung integrieren und wie sie etwaige Transformationsprozesse darstellen. Hierzu wurden biographisch narrative Interviews mit „Betroffenen“ geführt und einer qualitativen Analyse unterzogen. Mit der Methode zur „Rekonstruktion narrativer Identität“ (Lucius-Hoene & Deppermann 2002) findet in dieser Arbeit eine Methodik Anwendung, die sich besonders gut eignet, nicht nur subjektive Deutungen und Erklärungsmuster zu rekonstruieren, sondern auch aufzuzeigen, wie Personen im Sprechen Identitäten dar- und herstellen und welche Bedeutungen sie außergewöhnlichen Erfahrungen in diesem Zusammenhang zuweisen.
In diesem Sinne konzentrieren sich Datenanalyse und Ergebnisdarstellung auf sieben zentrale Aspekte:
Zum einen werden die Interviews dahingehend beleuchtet, wie die einzelnen erzählten Lebensgeschichten strukturiert sind, welche AgE erzählt werden und wie diese formal und thematisch in die autobiographische Erzählung eingebettet sind. Zum Zweiten wird untersucht, ob die einzelnen Erzähler Veränderungen im Kontext der AgE erwähnen und wenn ja, welcher Art diese Veränderungen sind.
Wichtig schien vor dem Hintergrund der Fragestellung und aufgrund der ersten Auswertungsergebnisse zum dritten, welchen Stellenwert die einzelnen Erzähler diesen Veränderungen zuweisen. Ein vierter Aspekt bezieht sich auf die Frage, wie die Erzähler die zeitliche Strukturierung dieser Veränderungen gestalten, d.h. welche Prozesse der Veränderung sprachlich dargestellt werden. Vor dem Hintergrund, dass in der Forschungs- und Populärliteratur häufig angenommen wird, dass außergewöhnliche Erfahrungen eine Art Schock und eine Krise auslösen könnten, werden die autobiographischen Erzählungen schließlich auch dahingehend untersucht, ob und wenn ja wie Krisen im Kontext der AgE thematisiert werden. Bei der Analyse der Interviewtexte fiel auf, dass einzelne autobiographische Erzählungen dadurch gekennzeichnet sind, dass die Erzähler sehr stark das Besondere ihrer Person hervorheben, während andere sehr stark gerade die grundsätzliche Normalität ihrer Person hervorheben. Untersucht wurde unter dem 6. Aspekt daher, welche Muster der Normalisierung und Besonderung in den Interviewtexten herausgearbeitet werden können und welche sprachlichen Mittel die Erzähler hierbei verwenden. Der siebte Aspekt bezieht sich schließlich auf die Dar- und Herstellung von Handlungsmöglichkeiten und –initiative, von Handlungsmacht und –kontrolle. Der empirische Teil der Arbeit umfasst die Beschreibung jeweils verschiedene Darstellungsformen in Bezug auf diese sieben Aspekte.


Kurzfassung in Englisch

The focus of this empirical study is subjects who claim to have had exceptional experiences. Exceptional experiences in the context of this study were deemed to be of an extrasensory nature, including, but not limited to: telepathy, precognition, ghosts and spirit activity, contact with the dead and near-death experiences. Such “exceptional experiences” have been researched for a long time within the framework of parapsychology science and research. It is claimed that these experiences often have the capacity to be life changing. Additionally it is claimed that individuals are left with a changed perception of time, space, reality and human existence. Although various theories start from the basic premise that this kind of experiences have the potential to initiate transformation within the individual, questions remain as to the definition, course and parameters of the transformation process. In this study the central question is how people who have had such experiences integrate these experiences into their personal biography and self image and how they express any subsequent transformation. Biographical and narrative interviews were conducted with the subjects and analysed in a qualitative fashion. The analytic method chosen was a method designed to reconstruct narrative identity (Lucius-Hoene & Depperman 2002). This method has particular value as it not only allows reconstruction of subjective explanatory patterns but also to demonstrate how people create and express their identities and what meaning the extrasensory experience has in this framework.

The data analysis and presentation of results focus on seven central aspects: (1) Interviews highlighted how the subjects recount their life stories and how these stories are structured, which exceptional experiences are included and how these experiences are integrated with the personal biography both thematically and structurally. (2)
Research indicated if subjects mentioned changes in the context of the extrasensory experiences and if so what these changes were. (3) Initial results indicated that the importance subjects gave these changes should be recorded. (4) A forth aspect focused on the length of time these changes took to resolve themselves, i.e. the process of transformation. (5) Scientific and popular literature indicates that exceptional experiences can lead to personal shock or crisis. Therefore the biographical narrations of the subjects were analysed for crisis events and how the subject expressed any crisis in the context of the experience. (6) During analysis of the interview texts it was noted that some subjects expressed very strongly that they were “special”, whilst others expressed equally forcefully that they were “normal”.
Therefore patterns of normalisation and development of any realisation of being “special” were highlighted in the interview text and how these changes were expressed was recorded. (7) The seventh aspect is investigating the verbal construction and expression agency.
The empirical element of the study contains the description of the various forms of expression indicating these seven aspects.


SWD-Schlagwörter: Qualitative Sozialforschung , Identität , Biographisches Interview , Parapsychologie , Nahtoderfahrung , Außersinnliche Wahrnehmung
Freie Schlagwörter (deutsch): Außergewöhnliche Erfahrung
Freie Schlagwörter (englisch): Exceptional Experiences , Qualitative social research , Identity , Parapsychology , live event
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Parapsychologie, Okkultismus
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Lucius-Hoene, Gabriele (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.11.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 16.12.2008
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