Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Eingang zum Volltext

Lizenz

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-63539
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/6353/


Scheufele, Christine

The English patient - novel and film

Dokument1.pdf (399 KB) (md5sum: 436f64a6df80295074018228d46afc86)

Kurzfassung in Englisch

This thesis compares Michael Ondaatje’s novel The English Patient (1992) with its film adaptation (1996, screenplay/director: Anthony Minghella). The theoretical section is divided in two subchapters. The first deals with the ‘language’ of film, giving an overview of the major aspects and techniques of filmic expression and of the ways they can be utilised in order to produce certain effects. The second is concerned with film adaptation of literature as such. The two central principles in the comparison of films with their literary sources are discussed, namely fidelity to the source text on the one hand and the specificity of the medium film on the other. The analysis then compares the film and the novel with regard to selected aspects. Since memory and remembering – also with regard to narrative structure – play a major role in both works, this topic is given close attention in the first subchapters of the analytic section, which look at the different frame structures, the general narrative structure, the connection between narrative levels and the function of the body as a site of memory and identity. It becomes evident that the film focuses strongly on the love story of the characters Almásy and Katharine, which is told in flashbacks. For example, a scene from this narrative level is used as a frame at the beginning and end of the film, which is not the case in the novel. Except for the frame, the fragmentary, nonlinear narrative structure of the novel was smoothed out for the film. This can be explained with the stronger narrative pressure of film reception. As a result, however, the past how it appears to the remembered subject seems to be unambiguous, fixed, and accessible, which contrasts with the concept of memory expressed by the novel. The novel draws frequent connections between present and past, for example by linguistic means, recurring motifs or parallel character constellations. In the film, they find their counterpart in the transitions between narrative levels (e.g. superimpositions with graphic matches and sound bridges), and mainly by using sound motifs. Narrative perspective is another important aspect. The ambiguity of the Patient’s memory passages in the novel is of a linguistic nature and thus cannot be transposed into film techniques. However, point-of-view techniques are used to produce focalisation. The novel’s multiperspectivity is in the film for the most part reduced to Almásy and Hana. With regard to the thematisation of history and historiography, it is striking that the film – even though featuring a few references to times past and to the historical context of the story – in general strongly reduces this aspect. This is most clearly to be seen in the motif of the Histories by Herodotus, which in the film primarily serves as a kind of diary recording a great love story. A very striking difference between the novel and the film is the strong reduction of the character of Kip in the adaptation. As a result, the postcolonial aspect of the novel is reduced to a minimum, and the character now serves primarily to produce exotic aestheticism and to display an ideal peaceful relationship between different cultures. The Arab orient too features mainly as an exotic backdrop, a decorative foil to the lovers’ passion and a justification of their adultery. Of the analysed aspects, the portrayal and function of landscape appears to be the area in which the film can best succeed, and it does so by creating impressive pictures, especially of the desert, that illustrate its function as a symbolic negation of boundaries and nations. The merging of human body and landscape is also easily translatable into the visual medium. Here, especially the parallelisation of the sand dunes and (Katharine’s) female body need to be mentioned, which serves to pick up the motif of Almásy’s appropriation from the novel.
To conclude, the film on the one hand tries to be faithful to the text by preserving in core the plot of the two main narratives and by taking some of the novel’s motifs and images either directly or ‘translating’ them in to film language. On the other hand it becomes clear that the different nature of the two media made visible changes necessary. Accordingly, cuts and a reduction of narrative complexity were unavoidable. Also, specifically literary characteristics of the novel, for instance the frequent ‘blending’ of times and the poetic language cannot be realised by a film in a comparable fashion and can only be approximated by the use of sound or image motifs, or an aesthetic composition.


Kurzfassung in Deutsch

Diese Arbeit vergleicht den Roman The English Patient (1992) von Michael Ondaatje mit seiner Verfilmung (1996, Buch/Regie: Anthony Minghella). Der Theorieteil ist in zwei Abschnitte gegliedert. Der erste widmet sich der 'Filmsprache', indem er einen Überblick über die wichtigsten Aspekte und Techniken filmischen Gestaltens und Erzählens, sowie ihre Wirkung und Einsatzmöglichkeiten liefert. Der zweite Abschnitt befasst sich konkret mit dem Thema Literaturverfilmung. Hier werden die beiden zentralen Prinzipien, die im Vergleich von Filmen mit ihren literarischen Vorlagen im Zentrum stehen, diskutiert: die Werktreue auf der einen und die Spezifität des Mediums Film auf der anderen Seite. Die Analyse vergleicht Film und Romanvorlage im Hinblick auf einige ausgewählte Aspekte. Da Erinnern, auch in Bezug auf die narrative Struktur, eine große Rolle in beiden Werken spielt, wird diesem Thema ein längerer Abschnitt gewidmet, der die unterschiedliche Rahmenstruktur, allgemeine Erzählstruktur, die Verbindung zwischen den Erzählebenen und die Funktion des Körpers als Erinnerungsträger analysiert. Es zeigt sich, dass der Film sich stark auf die in Rückblenden erzählte Liebesgeschichte zwischen den Charakteren Almásy und Katharine konzentriert. So wird beispielsweise eine Szene aus diesem Erzählstrang an Anfang und Ende des Films als Rahmen eingesetzt, was im Roman nicht der Fall ist. Außerdem ist die fragmentarische, nichtlineare Erzählstruktur des Romans im Film geglättet worden, was sich mit dem stärkeren Erzähldruck bei der Filmrezeption erklären lässt. Es hat jedoch auch zur Folge, dass die Vergangenheit, wie sie dem Erinnernden erscheint, als eindeutig, festgelegt und verfügbar erscheint, was dem im Roman gezeichneten Erinnerungsbild widerspricht. Die oft gezogenen Verbindungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, im Roman beispielsweise durch sprachliche Mittel, wiederkehrende Motive oder parallele Figurenkonstellationen realisiert, finden sich im Film in den Übergängen zwischen den Erzählebenen wieder (z.B. Überblenden mit graphic matches und sound bridges), und vor allem in den Klangmotiven. Die Erzählperspektive ist ein weiterer wichtiger Punkt. Die Ambiguität der Erinnerungspassagen des Patienten ist sprachlicher Natur und lässt sich demnach nicht in filmische Mittel übertragen. Jedoch werden point-of-view-Techniken eingesetzt, um Fokalisierung zu produzieren. Die Multiperspektivität des Romans ist – aufgrund notwendiger Kürzungen – im Film im Wesentlichen auf Almásy und Hana reduziert. In Bezug auf die Thematisierung von Geschichte und Geschichtsschreibung fällt auf, dass zwar einige Verweise auf vergangene Zeiten und den historischen Kontext der Handlung im Film vorkommen; im Allgemeinen ist dieser Aspekt jedoch stark reduziert, was sich vor Allem am Motiv der Historien von Herodot zeigt, welches im Film primär als das Tagebuch einer großen Liebe dient. Ein sehr auffälliger Unterschied zwischen Roman und Film ist die starke Reduzierung der Figur Kip in der Adaption, die vor Allem durch das Wegfallen der Rückblenden in seine Vergangenheit zustande kommt. Dadurch wird der postkoloniale Aspekt des Romans auf ein Minimum reduziert, und die Figur dient primär exotischer Ästhetik und der Darstellung eines idealistisch-friedlichen Umgangs zwischen verschiedenen Kulturen. Auch der arabische Orient dient primär als exotischer Hintergrund für Leidenschaft der Liebenden. Die Darstellung und Funktion von Landschaft ist wohl der Bereich, in dem der Film am Meisten glänzen kann, und er tut dies in beeindruckenden Aufnahmen insbesondere der Wüste, die ihre Funktion als Symbol für Grenzen- und Nationslosigkeit unterstreichen. Auch das Verschmelzen von Mensch und Landschaft lässt sich gut in das visuelle Medium übertragen. Hier fällt insbesondere die Parallelisierung von Dünenlandschaft und (Katharines) weiblichem Körper auf, die das Motiv der Inbesitznahme seitens Almásys aus dem Roman aufgreift.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Film sich einerseits oft um Werktreue bemüht, indem die Handlung der beiden Erzählebenen im Kern mit der Vorlage übereinstimmt und einige Motive und Bilder des Romans direkt übernommen bzw. in die Filmsprache ‚übersetzt’ werden. Andererseits zeigt sich, dass die unterschiedliche Natur der beiden Medien deutliche Änderungen nötig machte. So waren Kürzungen und eine Reduzierung der erzählerischen Komplexität unumgänglich. Auch speziell literarische Merkmale des Romans, wie beispielsweise das häufige ‚Verwischen’ von Zeiten und die poetische Sprache lassen sich nicht auf vergleichbare Weise filmisch umsetzen und können nur annäherungsweise durch Klang- oder Bildmotive bzw. eine ästhetische Bildkomposition ersetzt werden.


SWD-Schlagwörter: Ondaatje, Michael , Ondaatje, Michael / The English patient , Literatur , Film , Verfilmung
Freie Schlagwörter (englisch): film adaptation
Institut: Englisches Sem. 1 Inst. f. Engl. Sprache und Literatur
DDC-Sachgruppe: Englische, altenglische Literaturen
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Englisch
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 02.03.2009
Indexliste