Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Eingang zum Volltext

Lizenz

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-65902
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/6590/


Schneider, Daniel

Differentielle Wirksamkeit der Interpersonellen Psychotherapie - Sekundäranalyse bei chronisch depressiven und weiblichen depressiven Patienten

Efficacy of interpersonal psychotherapy - secondary analysis of chronic depressive and female depressive patients

Dokument1.pdf (3.375 KB) (md5sum: a47f1b7dca0d681faed1286dec85fb45)

Kurzfassung in Deutsch

Hintergrund
Obwohl die Effektivität der Interpersonellen Psychotherapie (IPT) bei der Behandlung von akut depressiven Episoden generell belegt ist, gibt es bei chronischen Depressionen weder mit, noch ohne begleitende Medikation überzeugende Wirksamkeitsnachweise. Lediglich eine Pilotstudie weist bei dysthymen Patienten auf einen Vorteil einer Kombinationsbehandlung aus IPT und Medikation gegenüber alleiniger Pharmakotherapie hin. Verschiedene Autoren (z.B. Parker & Fletcher, 2007) haben daher angeregt, die Überlegenheit der IPT-Methode eher unter definierten als unter universellen Bedingungen als gültig zu betrachten. So wird beispielsweise auch angenommen, dass die IPT bei Frauen wirksamer als bei Männern ist, da sich die fokussierten Problembereiche der Methode eher auf weibliche Konfliktthemen konzentrieren. Allerdings fehlt auch hierzu noch der empirische Nachweis.

Ziel
Die vorliegende Sekundäranalyse untersuchte die differentielle Wirksamkeit der IPT. 105 stationäre Patienten wurden zufällig entweder einer IPT-Behandlungsbedingung oder einer Kontrollgruppe, die psychoedukativ-supportive Gespräche (Clinical Management; CM) erhielt, zugeteilt. Beide Behandlungsgruppen bekamen zusätzlich antidepressive Medikation. Untersucht werden sollte einerseits, ob akut-episodisch depressive Patienten besser als chronisch Depressive von der IPT-Behandlung profitieren (Fragestellung 1). Allerdings sollten chronisch depressive Patienten kurz- wie langfristig stärkere Effekte in der Verbesserung ihrer Symptomatik durch die IPT- als durch die CM-Behandlung erzielen (Fragestellung 2). Durch die dritte Fragestellung sollte die höhere Effektivität der IPT-Behandlung bei depressiven Frauen im Gegensatz zu Männern bezüglich der Reduzierung der depressiven Symptomatik und des psychosozialen Funktionsniveaus untersucht werden.

Methodik
Für die Sekundäranalyse, welche die Wirkung der IPT auf chronisch Depressive untersuchte, wurden aus dem Datensatz der Primärstudie drei Untersuchungsgruppen gebildet. Anhand der Diagnosen Akut-episodische Depression und Chronische Depression wurde die IPT-Behandlungsgruppe geteilt. Als Kontrollgruppe dienten Patienten mit der Diagnose einer Chronischen Depression, die mit CM behandelt wurden. Bezüglich der Wirkung der IPT auf chronisch depressive Patienten wurden einerseits die IPT-Patientengruppen miteinander verglichen (Fragestellung 1) und andererseits wurde ein Vergleich der chronisch depressiven Patienten der IPT- mit der CM-Behandlungsgruppe vorgenommen (Fragestellung 2). Zur Untersuchung der geschlechtsspezifischen Wirkung der IPT wurde die IPT-Behandlungsgruppe nach Geschlechtszugehörigkeit geteilt (Fragestellung 3). Primäres Outcome waren die Gruppenunterschiede in der Hamilton-Depressions-Skala (HAMD). Als Messzeitpunkte galten die stationäre Aufnahme, die Beendigung der Therapie bzw. der Entlasszeitpunkt sowie die Zeitpunkte 3. und 12. Monat nach stationärer Entlassung.

Ergebnisse
Der Vergleich der chronisch depressiven mit den akut-episodisch depressiven Patienten innerhalb der IPT-Behandlungsgruppe zeigte zu keinem Zeitpunkt einen signifikanten Unterschied (Fragestellung 1). Bei den chronisch Depressiven wurde zu Therapieende durch die IPT- im Vergleich zur CM-Behandlung eine signifikant stärkere Reduktion der depressiven Symptomatik im primären Outcome (HAMD) und eine deutlichere Zunahme des psychosozialen Funktionsniveaus erreicht (Fragestellung 2). Die Reduzierung der depressiven Symptomatik war noch 3 Monate nach stationärer Entlassung und der überlegene Effekt auf das psychosoziale Funktionsniveau sogar noch bis zu einem Jahr nach stationärer Entlassung nachzuweisen. Diese Effekte wurden auch in der signifikant besseren Response-Rate zu allen poststationären Untersuchungszeitpunkten deutlich. Bezüglich der 3. Fragestellung zeigte sich, dass die IPT-Behandlung bei Frauen keine bessere kurz- wie langfristige Wirkung auf die depressive Symptomatik oder das psychosoziale Funktionsniveau aufweist. Gefunden wurde aber, dass Männer auf die stationäre Depressionsbehandlung im Allgemeinen (IPT und CM) schneller ansprachen als Frauen und innerhalb der IPT zum Zeitpunkt der Entlassung eine höhere Remissions-Rate aufwiesen.

Schlussfolgerung
Die Kombination von IPT und antidepressiver Medikation ist bei stationär behandelten, chronisch depressiven gleich effektiv wie bei akut-episodisch depressiven Patienten. Sie ist darüber einer psychiatrischen Standardbehandlung überlegen. Auch scheint das Postulat der besseren Wirkung der IPT auf Frauen nicht haltbar zu sein, da Frauen und Männer gleich gut von der IPT-Behandlung profitieren können. Die Resultate unterstützen somit nicht die Kritik von Parker & Fletcher (2007), dass die IPT nur unter definierten Bedingungen als gültig zu betrachten ist, sondern liefern Hinweise auf die allgemeine Verwendbarkeit der IPT, was aber noch in weiteren Untersuchungen mit einem größeren Stichprobenumfang bestätigt werden sollte.


Kurzfassung in Englisch

This secondary analysis contains two different topics:

1. Efficacy of Interpersonal Psychotherapy in chronically depressed inpatients
Background: Clinical guidelines recommend the combination of pharmaco- and psychotherapy for the treatment of chronic depression, although there are only a few studies supporting an additive effect of psychotherapy.

Methods: Forty-five inpatients with a chronic Major Depressive Disorder were randomized to 5 weeks of either Interpersonal Psychotherapy (IPT) modified for an inpatient setting (15 in-dividual and 8 group sessions) plus pharmacotherapy or to medication plus Clinical Management (CM). The 17-item Hamilton Rating Scale for Depression was the primary outcome measure. The study included a prospective naturalistic follow-up, 3- and 12-months after discharge.

Results: Intent-to-treat analyses revealed a significantly greater reduction of depressive symptoms as well as better global functioning of patients treated with IPT compared to the CM-group at week 5. Response and sustained response rates differed significantly between the two treatment conditions, favouring the IPT-group. Remission rates were considerably higher for IPT patients who completed the treatment (67% vs. 32%). Patients who initially responded to IPT exhibited greater treatment gains at 12 months since only 7% of these subjects relapsed compared with 25% of the CM subjects. In the long-term, additional IPT led to a lower symptom level and higher global functioning.

Limitations: The study uses data of a subset of patients from a larger trial. Both treatment groups did not receive comparable amounts of therapeutic attention. Extrapolating the data from this inpatient study to chronically depressed outpatients may not be possible.

Conclusions: Intensive combined treatment provides superior acute and long-term effects over standard treatment in chronically depressed inpatients.

2. Is Interpersonal Psychotherapy a Woman Specific Method?
Interpersonal Psychotherapy (IPT) is considered by different authors to be a women specific therapy. If women gain more from IPT than men is not yet clear. A randomized controlled trial was conducted in 124 hospitalized patients with a DSM IV diagnosis of Major Depressive Disorder comparing 5 weeks of IPT plus medication versus medication plus Clinical Management. Pretreatment, role transitions in the family (e.g. due to motherhood) as the main problem area associated with depression were sig-nificantly more present in women whereas men described more professional changes as the main focus of depression. In addition, men had more alcohol abuse and interpersonal problems compared to women. Independent from the form of therapy, men responded faster to inpatient depression treatment. Contrary to the widespread assumption that women profit more from IPT, men in the combination treatment group revealed higher remission rates at discharge, whereas all other efficacy measures were comparable.


SWD-Schlagwörter: Chronische Depression , Interpersonelle Psychotherapie , Sekundäranalyse , Geschlechtsunterschied
Freie Schlagwörter (englisch): secondary analysis , chronic depression , Interpersonal Psychotherapy, female depression
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Härter, Martin (Prof. Dr. Dr.)
Quelle: Schramm, E., Schneider, D., Zobel, I., van Calker, D., Dykierek, P., Kech, S., Härter, M. & Berger, M. (2008). Efficacy of Interpersonal Psychotherapy plus pharmacotherapy in chronically depressed inpatients. Journal of Affective Disorders, 109 (1-2), 65 – 73.
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.06.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 23.06.2009
Indexliste