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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-71774
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7177/


Scheuerbrandt, Jörg

Exercitus: Aufgaben, Organisation und Befehlsstruktur römischer Armeen während der Kaiserzeit

Exercitus: organization and battleorder of Roman armies

Dokument1.pdf (2.306 KB) (md5sum: 931d41e79b4be777dcccf80cf31a6bdc)

Kurzfassung in Deutsch

Die exercitus – Armeen im Sinne von zu Verbänden zusammengefassten Einheiten – wurden nur sehr selten bei Eroberungsfeldzügen eingesetzt, Alltag waren Grenzkonflikte und die Niederschlagung von Aufständen. Die in den Quellen beschriebenen Methoden zur Führung dieser Kriege lassen sich am besten mit den Ende des 19. Jh. erstellten Definitionen des in den Kolonien geführten „Kleinen Krieges“ beschreiben.
Das Werk éktaxis kat’ Alanon des Flavius Arrianus überliefert die Marsch- und Schlachtordnung einer römischen Armee. Während die Marschblöcke der Armee aus der Beschreibung klar hervorgehen, ist die Schlachtordnung selbst nur vor dem Hintergrund der griechischen Taktiker (Asklepiodotos, Aelian und Arrian) zu verstehen. Arrian beschreibt seinen realen exercitus als einen nach den idealen Regeln dieser Taktiker aufgestellten Kampfverband:
Die Schlachtordnung zerfiel in vier identische Teile – etwa 2.000 schwerbewaffnete Legionare und beigeordnete Kohorten der Hilfstruppen bildeten je einen méros, also ein Viertel der Schlachtordnung. Die Legionare wurden nicht nach Kohorten aufgestellt, sondern in ad hoc-Verbände eingeteilt, die von den chilíarchai – den tribuni militum – geführt wurden.
Selbständige Verbände ohne Anbindung an eine Legionsabteilung wurden ausschließlich von den Kommandeuren der sogenannten „Bürgerkohorten“ befehligt.
Auch die antiken Historiker verwenden die von den Taktikern beschriebenen Verhältnisse und Zahlen, vor allem Stärken von 1.000 und 2.000 Mann werden genannt.
Nach den Truppenlisten aus den Militärdiplomen lassen sich Größenordnung und Zusammensetzung der Provinzarmeen festmachen. Ιn der Regel überstieg die Anzahl der Auxiliarkohorten die der Legionskohorten nicht, auch die geforderten Zahlenverhältnisse und Stärken finden sich.

Die Bildung der ad-hoc-Kampfverbände der Legionen hatte keine Auswirkungen auf die Kohortenstruktur. So bleibt nur, nach Gruppierungen von Auxiliareinheiten zu suchen. In der Provinz Germania superior liegen hierfür nahezu ideale Bedingungen vor, da für späthadrianisch-antoninische Zeit die Dislokation der Auxiliartruppen an der Grenze weitgehend bekannt ist. Da Arrian ausschließlich die tribuni militum und Kommandeure der sog. „Bürgerkohorten“ mit selbständigen Kommandos von 2.000 Mann betraute, war auf deren Stationierung besonders zu achten.
Ιn Germania superior waren während der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. die Truppen in Gruppen von 3-4 Kohorten unter einem tribunus militum (oder Kommandeur einer „Bürgerkohorte“) aufgestellt. Die Grenze zerfiel also in sechs Kommandobereiche, deren Befehlshabern jeweils etwa 2.000 Mann unterstanden. Auf zwei dieser Verbände kam eine Ala, deren praefectus equitum kommandierte möglicherweise einen solchen Doppelabschnitt.
Für die Umstrukturierung der Grenzarmeen von in Legionsverbände gegliederte Expeditionsarmeen in eine wesentlich flexiblere Struktur liegen einige Gründe vor.
1. Durch die dauerhafte Stationierung der Armeen in Standlager erfolgte eine Verteilung der Einheiten in der Provinz und damit die Ablösung der Auxilia von den Legionen – dadurch mußten die Kommandeure der Auxilia zwangsläufig mehr Kompetenzen erhalten.
2. Die Einbindung der Soldaten in die Verwaltung der Provinz erforderte eine Detachierung zahlreicher Soldaten an entfernte Posten, die Kohorten der Legionen standen als vollständige Kampfverbände nicht mehr zur Verfügung. Möglicherweise blieben die Kohorten als Verwaltungseinheiten bestehen, die Kampfverbände waren aber immer öfter die von Tribunen geführten vexillationes (chiliarchíai) zu je 1.000 Mann. Diese wurden dann als Bausteine zu einer Expeditionsarmee in der benötigten Größe kombiniert und durch Gruppen der Hilfstruppen ergänzt.
3. Mit der dauerhaften Stationierung der Armeen ging auch ein Wechsel der Anforderungen an die Armee einher. Im Grenzkrieg wurden nun mobile Truppen für überfallartige Vorstöße und Plünderungszüge benötigt. Mit der Bildung eigenständiger Verbände bei den Auxilia wurde dieser neuen Anforderung Rechnung getragen, man erhielt 2.000 bzw. 4.000 Mann starke „Fliegende Kolonnen“, die jederzeit aktiv werden konnten.


Kurzfassung in Englisch

The exercitus – armies in terms of units combined into formations – were rarely employed in campaigns of conquest, daily routine instead being border conflicts and the quelling of uprisings. The methods of conducting these wars as described by sources are best characterized by definitions of "small wars" created at the end of the 19th century as it was then being waged in the colonies.

Flavius Arrianus' work éktaxis kat' Alanon preserves an account of the marching order and the order of battle of a roman army. While the blocks of the marching army are obvious from the description, the order of battle itself can only be understood in the context of the Greek tacticians (Asklepiodotos, Aelian and Arrian). Arrian describes his actual exercitus as a combat formation arranged according to the ideal rules of these tacticians:

The order of battle consisted of four identical parts – about 2000 heavily armoured legionaries and their associated cohorts of auxiliaries constituting a méros each. Legionaries were not organized by cohorts, but were assigned to ad hoc-formations, which were led by the chiliarchíai – the tribuni militum.

Autonomous formations not attached to a subunit of a legion were exclusively led by commanders of the so-called "citizen cohorts".

Ancient historians also use the ratios and numbers named by the tacticians, especially unit sizes of 1000 and 2000 men are stated.

Size and composition of provincial armies are known from the lists of troops on military diplomas. As a rule the number of auxiliary cohorts did not exceed the number of legionary cohorts. The demanded ratios and unit sizes are also found.


The creation of ad hoc-formations from legions had no effect on cohort structure. So you can only look for groupings of auxiliary units. Conditions in the province of Germania superior are almost ideal for that purpose, because the deployment of auxiliary troops is largely known in the late Hadrianic and Antonine period. Since Arrian exclusively appointed tribuni militum and commanders of the so-called "citizen cohorts" to command autonomous units of 2000 men, the deployment of these persons is especially significant.

During the first half of the 2nd century A.D. troops in Germania superior were arranged in groups of 3-4 cohorts led by a tribunus militum ( or a commander of a "citizen cohort"). The border thus was divided into six sections of command, each with 2000 men under their respective commanders. For every two of these formations there was one ala, whose praefectus equitum possibly commanded such a double section.

There are several reasons for the restructuring of the border armies from expeditionary forces composed of combinations of legions to a much more flexible configuration.

1. The longterm stationing of troops in permanent bases resulted in a distribution of units within the province and the detachment of the auxilia from the legions – which inevitably led to an increase of powers vested in the commanders of the auxilia.

2. The integration of soldiers into the provincial administration required the detachment of numerous soldiers to distant posts. The cohorts of the legions were no longer available as complete combat units. Possibly the cohorts continued to be in use as administrative units, but the role of combat units was increasingly filled by vexillationes (chiliarchíai), each containing 1000 men.
These were then used as building blocks to create expeditionary forces of the required size, and reinforced by groups of auxiliaries.

3. The permanent stationing of armies was accompanied by a change of requirements. Border wars now called for mobile troops for quick assaults and raiding expeditions. With the creation of autonomous formations of auxilia these new requirements were met, "flying columns" of 2000 or 4000 men were made available that could engage anytime.


SWD-Schlagwörter: Arrianus, Flavius , Arrianus, Flavius / Tactica , Militärdiplom
Freie Schlagwörter (deutsch): Römische Armee , Befehlsstruktur , Kleiner Krieg
Freie Schlagwörter (englisch): Roman Army , Battle Order , Small War
Institut: Institut f. Archäologische Wissenschaften
Fakultät: Philosophische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Alte Geschichte, Archäologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Nuber, Hans Ulrich (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 02.02.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 27.01.2010
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