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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-73546
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7354/


Müller, Alexander Pascal

Commen Lender Effekte in der Finanzkrise Mittel- und Osteuropas

Common Lender Effects in the financial crisis in Central and Eastern Europe

Dokument1.pdf (1.389 KB) (md5sum: 336a21710620437b4eefb348a590fbe2)

Kurzfassung in Deutsch

Eine Voraussetzung für die Vermeidung von Wirtschaftskrisen ist das Verständnis von Ursachen und Wirkungszusammenhängen vergangener Krisen. Dabei ist eine Konzentration auf zentrale Aspekte und Akteure notwendig. Diese Arbeit konzentriert sich auf eine empirische Untersuchung der Bedeutung von Common Lender Effekten in der Finanzkrise Mittel- und Osteuropas.
Die globale Dimension der gegenwärtigen Finanz- und Weltwirtschaftskrise wirft die Frage nach Mechanismen der Ausbreitung und möglichen Ansteckungseffekten auf. Zu den am stärksten betroffenen Regionen zählen die Länder in Mittel- und Osteuropa (MOE). Diese Länder haben nach der Transition zu Demokratie und Marktwirtschaft einen schnellen Integrationsprozess in die globale Wirtschaft und insbesondere in den Binnenmarkt der Europäischen Union (EU) durchlaufen. Ein zentrales Merkmal dieser Länder ist die starke Präsenz ausländischer Banken. Daher liegt die Vermutung nahe, dass hier der Bankensektor ein wichtiger Transmissionskanal ist.
Grenzüberschreitende Kreditvergabe kann, wenn sie in Krisenzeiten stark eingeschränkt wird, für ein Phänomen verantwortlich sein, das als Ansteckung durch Common Lender Effekte bezeichnet wird. Länder werden hier allein dadurch in den Strudel einer Finanzkrise gezogen, dass Kredit gebende ausländische Banken ihr Engagement aufgrund von Verlusten bei anderen Schuldnern beenden oder reduzieren. Die Arbeit überprüft anhand aktueller Daten, ob in MOE derartige Common Lender Effekte festzustellen sind.
Die Untersuchung gliedert sich in mehrere Schritte. Im ersten Kapitel wird die Krise in MOE dargestellt, wobei sich aus einer Vielzahl aktueller Berichte und Kommentare das Gesamtbild einer umfassenden Krise ergibt, in der Ansteckungseffekte ihre besondere Bedeutung ausmachen. Zur Erklärung dieser Ansteckung kristallisieren sich Common Lender Effekte als erfolgversprechendste Hypothese heraus.
Im zweiten Kapitel folgt eine Darstellung der theoretischen und empirischen Forschung zu Finanzkrisen und ihrer Übertragung. In einer ausführlichen Literaturübersicht werden Ansätze dargestellt und eingeordnet. Hierbei wird deutlich, dass Common Lender Effekte in der theoretischen Begründung von Ansteckungseffekten, vor allem aber in empirischen Untersuchungen eine zentrale Rolle spielen. Daher wird dieser Wirkungskanal ausführlich diskutiert. In den empirischen Untersuchungen werden unterschiedliche methodische Ansätze verwendet, daher dient dieses Kapitel auch der Untersuchung ihrer Eignung für eine Untersuchung von Common Lender Effekten in MOE. Der Zweck dieser Arbeit ist die spezielle Untersuchung eines Einflussfaktors, der Kreditvergabe ausländischer Banken. Aus der Literaturübersicht fällt in diese Kategorie eine Arbeit von van Rijckeghem und Weder. Ihre Methode dient daher als Grundlage für die eigene empirische Untersuchung.
Im Anschluss werden die Darstellungen der ersten beiden Kapitel verknüpft. Hierbei bestätigt sich die ursprüngliche Vermutung, dass ein hohes Potential für Ansteckung durch Common Lender Effekte besteht.
Im vierten Kapitel, dem Kernteil der Arbeit, wird mit einem ökonometrischen Modell anhand aktueller Daten die Hypothese des Vorliegens von Common Lender Effekten in der Finanzkrise in MOE untersucht. Das Modell von van Rijckeghem und Weder dient als Grundlage der empirischen Untersuchung, wird jedoch leicht modifiziert. Die einzelnen Arbeitsschritte und methodischen Entscheidungen werden dargestellt und begründet. Im folgenden werden die Regressionsergebnisse vorgestellt und erläutert. In der Diskussion und Interpretation der empirischen Ergebnisse werden Robustheit und Aussagekraft der Ergebnisse gründlich reflektiert. Die Ergebnisse zeigen, dass es in MOE zu Common Lender Effekten gekommen ist. Insbesondere gilt dies für eine Ansteckung ausgehend von Geberländern, während es kaum Evidenz für eine Ansteckung der Empfängerländer untereinander gibt. In einer Erweiterung des Modells wird die Vermutung untersucht, dass sich ein langfristiges strategisches Interesse der ausländischen Banken an einer Präsenz in MOE stabilisierend auswirkt.
Im Anschluss werden die wirtschaftspolitischen Implikationen der Ergebnisse kurz diskutiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung nach einer gesamteuropäisch koordinierten Bankenaufsicht.


SWD-Schlagwörter: Multiple lineare Regression , Finanzkrise
Freie Schlagwörter (deutsch): Common Lender , Mittel- und Osteuropa , Multinationale Banken , Übertragungskanal , Europäische Union/Finanzmarktintegration
Freie Schlagwörter (englisch): Common Lender , Cross border banking , Financial Contagion , Central and Eastern Europe , European Union/Financial Integration
Institut: Institut für Allgemeine Wirtschaftsforschung
DDC-Sachgruppe: Wirtschaft
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 29.03.2010
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