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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-75321
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7532/


Scheichl, Amelie

Faktor XIIa induziert als Ligand des thrombozytären Komplementrezeptors gC1qR eine direkte Thrombozytenaktivierung und -aggregation sowie die Bildung von Mikropartikeln

Factor XIIa induced direct platelet activation and aggregationby binding complement receptor gC1qR on platelets

Dokument1.pdf (1.477 KB) (md5sum: 18ec04fa6bc3270ff96218e10c3ab25d)

Kurzfassung in Deutsch

Thrombozyten spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Atherosklerose, der Ausbildung arterieller Thrombosen. Sie sind somit an der Pathogenese einer der häufigsten Todesursachen der westlichen Welt beteiligt. Gleichzeitig sorgen sie im Zusammenspiel mit der plasmatischen Gerinnung, Bestandteilen des inflammatorischen Systems und der Gefäßwand für das Aufrechterhalten der Gefäßkontinuität und eine Begrenzung des Blutverlustes im Falle einer Verletzung. Tierexperimentelle Untersuchungen zeigen, dass aktivierter Faktor XIIa (FXIIa) während der Entstehung arterieller Thromben eine entscheidende Rolle spielt, wobei er hingegen bei der physiologischen Hämostase nur von untergeordneter Bedeutung zu sein scheint. Die Hemmung der Thrombozytenfunktion stellt ein zentrales Element der antikoagulatorischen Therapie dar.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Interaktion zwischen FXIIa und Thrombozyten und die über diese Interaktion vermittelten Effekte näher zu untersuchen.
Mit Hilfe von Durchflusszytometrie, Immunzytochemie und Immunpräzipitation konnte in dieser Arbeit erstmals gezeigt werden, dass FXIIa direkt an Thrombozyten bindet und diese somit aktiviert. Durch Inhibition der FXIIa-Bindung und Thrombozytenaktivierung nach Blockade des Rezeptors konnten wir zeigen, dass die Interaktion zwischen Thrombozyten und FXIIa über den auf Thrombozyten aktivitätsspezifisch exprimierten Komplementrezeptor gC1qR vermittelt wird. Zudem konnte gezeigt werden, dass nach Bindung von FXIIa an gC1qR eine Entleerung der thrombozytären α-Granula stattfindet, was einen wichtigen Schritt in der Vermittlung der mit einer Thrombusbildung einhergehenden Immunreaktion darstellt. Außerdem führt die hervorgerufene Thrombozytenaktivierung zu einer Konformationsänderung des Fibrinogenrezeptors GPIIbIIIa und ermöglicht so eine Thrombozytenaggregation. Sowohl die Thrombozytenaktivierung als auch deren Aggregation findet unabhängig von Thrombin und dem intrinsischen Weg der Gerinnungskaskade statt.
Als weiteren funktionellen Aspekt einer Thrombozytenaktivierung wurde die Bildung thrombozytärer Mikropartikel nachgewiesen. Hierüber führt eine FXIIa-gC1qR-Interaktion zur Bereitstellung eines potenten Aktivators sowohl des koagulatorischen als auch des inflammatorischen Systems.
In Zusammenschau mit den Ergebnissen von Renné et al. und der Beobachtung, dass eine FXII-Defizienz keine Störung der Hämostase verursacht, könnte die von uns gezeigte Interaktion zwischen FXIIa und gC1qR auf Thrombozyten ein neuer Ansatzpunkt einer antikoagulatorischen Therapie darstellen. Eine solche Therapie hätte gegenüber der Therapie mit bisher verfügbaren Substanzen den potentiellen Vorteil, vermutlich nicht mit einem erhöhten Blutungsrisiko einherzugehen.


Kurzfassung in Englisch

Previous animal experimental studies showed that factor XII plays an essential role in arterial thrombus formation which has been explained by factor XI and thrombin activation. We asses the hypothesis that activated factor XII (fXIIa) also induces direct platelet activation and that this effect is mediated by binding complement receptor gC1qR.
Binding of fXIIa to gC1qR on platelets was assessed by different assays. Flow cytometry using antibody against fXIIa showed significant binding which decreased to level of negative control after blocking gC1qR. Similar results were obtained by immunofluorescence staining of platelets using FITC-labeled fXIIa. Immunoprecipitation with platelet-lysat revealed a band which was determined as gC1qR by secondary staining.
Platelet activation was assessed by measuring GPIIbIIIa activation using PAC-1 mAb and platelet degranulation using CD62P mAb. FXIIa-gC1qR interaction induced massive platelet activation. Addition of the thrombin inhibitor argatroban showed no effect.
Functional aspects of the fXIIa-gC1qR interaction were assessed by platelet aggregometry and by analyzing microparticle formation using flow cytometry. Stimulation with fXIIa mediates slow aggregation which was inhibited by blocking gC1qR. Addition of argatroban showed no effect. Platelet derived microparticles (PMPs) were identified by binding mAbs against CD62P and AnnexinV. Binding of fXIIa to gC1qR increased PMP fraction significantly.
By binding gC1q-receptor on platelets fXIIa induces a thrombin-independent platelet activation, leading to increased platelet aggregation and formation of PMPs. The fXIIa-gC1qR interaction might play an essential role in arterial thrombus formation and a therapeutic blockade of this interaction might be an effective antithrombotic strategy.


SWD-Schlagwörter: Thrombozyt , Arterielle Thrombose , Gerinnungsfaktor XII
Freie Schlagwörter (deutsch): gC1qR
Freie Schlagwörter (englisch): platelets , atherothrombosis , factor XIIa , gC1qR
Institut: Medizinische Univ.-Klinik und Poliklinik
Fakultät: Philologische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Medizin und Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Schwarz, Meike (PD Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.04.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 27.05.2010
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