Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Eingang zum Volltext

Lizenz

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-75994
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7599/


Schorer, Birgit

Studien zur Herstellung von latènezeitlichem und provinzialrömischem Silberschmuck in Mitteleuropa

Studies on manufacturing techniques of silver jewellery from the Late Iron Age to Roman Times in Central Europe

Dokument1.pdf (52.976 KB) (Teil 1, Text) (md5sum: 1e7d51fe847f96586717f507fbcd3df3)
Dokument2.pdf (128.573 KB) (Teil 2, Katalog und Tafeln) (md5sum: d5167d95f1f453124bf2ce2ec5e4d4db)

Kurzfassung in Deutsch

Die Studie beschäftigt sich mit den in der Latènezeit und der römischen Kaiserzeit zur Herstellung von Silberschmuck angewandten Techniken.
Im Gegensatz zu Gold und Kupfer gewinnt der Werkstoff Silber in Mitteleuropa erst ab der Latènezeit an Bedeutung. In der römischen Kaiserzeit ist ein weiterer Bedeutungszuwachs zu verzeichnen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob mit der zunehmenden Nutzung dieses Edelmetalls eine Entwicklung des technischen Kenntnisstandes in der Ver- und Bearbeitung der unterschiedlichen Metalle und ihren Legierungen einhergeht.
Über die formenkundliche Ansprache hinaus wurden makro- und mikroskopische Untersuchungen durchgeführt, vor allem an Fallbeispielen aus der Schweiz und Süddeutschland. Zusätzlich konnten einzelne Metallanalysen mit ED-XRF und ergänzende experimentelle Studien neue Aspekte zu technischen Fragestellungen erbringen.
An ausgewählten Schmuckfunden wird veranschaulicht, mit welchen technischen Mitteln und Verfahren das Material Silber in den hier behandelten Zeitepochen ver- und bearbeitet wurde und welche Techniken dagegen bei der Herstellung vergleichbarer Gold- und Buntmetallobjekte eingesetzt worden sind.
Dabei werden die Grenzen und Möglichkeiten in der Untersuchung archäologischer Silberfunde aufgezeigt sowie Beispiele für die Erkennbarkeit formgebender und verbindender Techniken in der Herstellung von Silberschmuck veranschaulicht. In diesem Zusammenhang werden auch die Erkenntnisse aus Experimenten vorgestellt, insbesondere die verschiedener Experimente zum Löten mit metallischen Lotlegierungen und Reaktionslot sowie deren analytischer Unterscheidbarkeit.
Eine technische Entwicklung wird insbesondere über die Nutzung unterschiedlicher Verbindungstechniken erkennbar, vor allem die der Löt- und Schweißtechniken. In der lokalen latènezeitlichen Herstellung von Silberschmuck wurden anspruchsvolle Löt- und Ziertechniken, wie Reaktionslöten und Granulation, zumeist umgangen, obwohl sie aus der zeitgleichen Goldbearbeitung bekannt waren. Für die provinzialrömische Silberbearbeitung ist dagegen eine deutliche Zunahme verschiedener Hart- und Weichlöttechniken zu beobachten, auch wenn alternative Verfahren, wie das Nieten, weiterhin häufig eingesetzt wurden. Damit einhergehend lässt sich für den behandelten Zeitraum eine zunehmende Spezialisierung innerhalb des Feinschmiedehandwerks postulieren.
Darüber hinaus ergeben sich deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung der verwendeten Silberlegierungen. Sowohl die wenigen publizierten als auch die im Rahmen der Arbeit durchgeführten Metallanalysen zeigen den Einsatz hochwertiger Silberlegierungen von über 90 % Ag in der Latènezeit, andererseits eine starke Streuung von hochwertigen Legierungen bis hin zu Legierungen mit einem nur geringen Silbergehalt von ca. 40 % Ag zur Herstellung von Silberschmuck in den römischen Provinzen. Im 2. und der 1. Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. wurden viele der Objekte aus Silberlegierungen hergestellt, die weniger als 80 % Ag aufweisen. Einige dieser Legierungen zeigen Gehalte an Zinn und insbesondere Zink, welches offensichtlich in Form von Messing hinzugefügt wurde, anders als die analysierten latènezeitlichen Silberlegierungen, die nur aus Silber und Kupfer hergestellt wurden. Im Gegensatz zur Latènezeit werden viele von den römischen Silberschmuckstücken wohl nicht mehr nur als reine Wertobjekte gedient haben, sondern auch als normaler alltäglicher Schmuck getragen worden sein.
Die Arbeit gliedert sich in einen Textteil (Teil 1) und einen Katalog der untersuchten Schmuckfunde sowie Tafeln mit Fotos dieser Fundstücke (Teil 2).


Kurzfassung in Englisch

The thesis deals with the manufacturing techniques in the production of silver jewellery in the Late Iron Age and Roman Times.
In Central Europe the production of silver jewellery did not become of considerable importance until the Latène period. By this time the use of gold and non-ferrous metals was already traditionally established. The significance of silver increases in Roman Times, arising the question of technical diversity. The study looks into the technological differences in the production processes of silver jewellery in the periods considered and the changes in handling the different metals and their alloys.
The manufacturing techniques were studied using macro photographs and an optical stereo-microscope. In addition some ED-XRF analyses and experimental studies could be undertaken to get new aspects concerning technological questions. Mainly objects from South Germany and Switzerland were investigated.
Selected examples of jewellery objects are presented to show the technical methods used in the processing and working of silver in the Late Iron Age and Roman Times and to compare these with the production techniques of corresponding objects made of gold and non-ferrous metals.
The limitations and possibilities in the investigation of archaeological silver objects are shown and characteristic features to identify forming and joining techniques in the manufacturing of silver jewellery are illustrated. In this context the experimental observations are demonstrated, especially those concerning soldering with metal alloys and reaction soldering as well as their analytic differentiation.
A technological development is evident mainly in the use of different joining techniques, such as soldering and welding techniques. In the Latène period sophisticated soldering and decoration techniques, such as reaction soldering and granulation, were mostly avoided in the local production of silver jewellery, although they were well known in the processing of gold in the same period. In the manufacturing of silver jewellery in Roman Times an increase of different hard and soft soldering techniques can be recognized, although alternative techniques, such as riveting, were still used frequently. Coincidently, an increasing specialization of the metalworking craftsmanship within the discussed periods can be taken into consideration.
Furthermore clear differences are shown in the composition of the applied silver alloys. A few published data as well as own analyses show the use of high purity silver alloys with more than 90 % Ag in the production of jewellery in the Latène period, whereas in Roman times there is a wide spread from high contents of silver down to about 40 % Ag. In the 2nd century and the first half of the 3rd century AD many objects are made of silver alloys with contents lower than 80 % Ag. Some of these alloys show contents of tin and especially zinc, which obviously was added as brass, unlike the analysed silver alloys of the Latène period, which were only made of silver and copper. In contrast to the Latène period many of the Roman objects of silver jewellery seem to be produced not only as objects demonstrating prestige but rather as everyday used jewellery.
The publication is divided into a text volume (Teil 1) and a volume including a catalogue of the investigated objects and plates with photographs of these objects (Teil 2).


SWD-Schlagwörter: Silberschmuck , Latène-Zeit , Römerzeit , Mitteleuropa , Herstellung , Handwerk
Freie Schlagwörter (deutsch): Herstellungstechniken , Optische Untersuchungen , Metallanalysen , Experimentelle Archäologie
Freie Schlagwörter (englisch): Silver Jewellery , Late Iron Age , Roman Times , Manufacturing Techniques , Central Europe
Institut: Institut f. Archäologische Wissenschaften
Fakultät: Philosophische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Alte Geschichte, Archäologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Steuer, Heiko (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.11.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 07.07.2010
Indexliste