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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-76935
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7693/


Urban, Max

Einfluss von Enterokokken auf Mortalität und Morbidität bei Patienten mit Perforation des Gastrointestinaltraktes : eine retrospektive Analyse

Impact of enterococcus on mortality and morbidity of patients with perforation of the small and large bowel

Dokument1.pdf (513 KB) (gesamtes Dokument) (md5sum: 47fc351b2af4921de570089b979abe37)

Kurzfassung in Deutsch

In der vorliegenden retrospektiven Studie über 473 Patienten, die von 2001 bis 2005 wegen Perforation des Gastrointestinaltraktes behandelt worden waren, konnten weitere Erkenntnisse in Bezug auf den Einfluss der Enterokokken auf die Mortalität und Morbidität gewonnen werden. Enterokokken wurden überdurchschnittlich häufig nachgewiesen und speziell E. faecium trat vermehrt auf. In der vorliegenden Arbeit waren Enterokokken kein unabhängiger Faktor für die Mortalität. Die Gruppe mit Enterokokkennachweis hatte einen schweren Krankheitsverlauf mit einer höheren Morbidität und 90-Tage-Mortalitätsrate. Der Vergleich der Enterokokken-negativen Patienten mit den Enterokokken-positiven, ergab genau die Schnittmenge, bei der sich im klinischen Alltag die Frage nach einer gezielten Behandlung stellte. Die Enterokokken-positiven, aber unbehandelten Patienten hatten eine höhere Morbidität, speziell eine höhere Rate von Anastomoseninsuffizienzen als die negativen Patienten. Die Ergebnisse zeigten weiter, daß Enterokokken bei Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf häufiger nachzuweisen waren, als bei Patienten mit mildem Verlauf. Ob die Enterokokken ursächlich für den schweren Krankheitsverlauf waren oder ob sie Ausdruck des schweren Verlaufes waren, wie in der Literatur häufig beschrieben, konnte retrospektiv nicht geklärt werden. Dass die Behandlung der Enterokokken ein unabhängiger Risikofaktor für die Letalität war, schien darauf zurückzuführen zu sein, dass die Indikationsstellung und der Behandlungsbeginn von der subjektiven Entscheidung des Arztes abhängig war: Je kränker der Patient, je schwerer der intraabdominelle Infekt und je häufiger eine chirurgische Revision durchgeführt werden musste, umso eher neigte der Arzt zur gezielten Behandlung der Enterokokken. Ein weiteres wichtiges Ergebnis war, daß E. faecalis scheinbar nicht virulenter war als E. faecium. Die Literatur beschrieb zwar mehr Virulenzfaktoren für E. faecalis, aber in unserem Patientenkollektiv hatte das möglicherweise keinen Einfluß auf Morbidität und Letalität der Patienten.
Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit wiesen darauf hin, daß Enterokokken bei Patienten mit komplizierten abdominalen Infekten eine wichtigere Rolle spielen könnten, als bisher vermutet. Um diese Problematik weiter untersuchen zu können, bräuchten wir prospektive Studien, die ein zugelassenes, nicht enterokokkenwirksames Antibiotikaregime mit einem enterokokkenwirksamen, E. faecium mit eingeschlossen, Antibiotikaregime vergleichen.


Kurzfassung in Englisch

Introduction and methods: The role of enterococcus in intraabdominal infection remains controversial. A retrospective study of 473 patients with bowel perforation was conducted to assess the impact of enterococci on outcome of patients with perforation of the small and large bowel.
Results: We detected Enterococcus in 53% of all patients. Those in whom we detected enterococci (Pos) had a higher mortality rate than patients who were enterococci negative (Neg). Morbidity, length of stay in intensive care unit (ICU-LOS) and length of stay in hospital (hospital-LOS) were significantly higher in the Pos group. The subgroup of Pos who received specific antimicrobial therapy against these species (Pos-treated) had a higher mortality rate than the subgroup without specific therapy (Pos-not treated). The Pos-nt group had higher morbidity, LOS-ICU and LOS-hospital than the Neg group. The mortality rate, LOS-ICU and LOS-hospital of immunosuppressed patients were significantly higher compared with patients not on immunosuppression with similar morbidity. We found a higher rate of E. faecium than in other studies. However, we observed no difference in mortality and morbidity between patients infected with E. faecalis and E. faecium. In multivariate analysis, detection of enterococci did not influence mortality. Significant risk factors were age, specific antimicrobial therapy, and immunosuppression.
Conclusion: Enterococci seem to play a minor role in uncomplicated intraabdominal infections. Our results suggest that enterococci play a role in the severity of postoperative complications. In particular, anastomotic leakage and detection of enterococci are suggested to be an indicator of severe illness. We found significantly higher rates of E. faecium, but no significant differences in clinical outcome between E. faecalis and E. faecium. When empirical therapy against enterococci is recommended, E. faecalis and E. faecium should both be covered.


SWD-Schlagwörter: Enterococcus , Darmperforation , Bauchfellentzündung , Sterblichkeit
Freie Schlagwörter (deutsch): postoperative Komplikationen
Freie Schlagwörter (englisch): Enterococcus , Bowel perforation , Mortality , Postoperative complications
Institut: Chirurgische Univ.-Klinik
Fakultät: Medizinische Fakultät / Universitätsklinikum
DDC-Sachgruppe: Medizin und Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Makowiec, Frank (PD Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.08.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 05.01.2011
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