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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-77257
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7725/


Nuszbaum, Mandy

Motivierte Wahrnehmung und motiviertes Denken : Unterschiede in der Wahrnehmung und Beurteilung schematischer und fotografischer Emotionsgesichter

Motivated perception and motivated reasoning : differences in the perception and the evaluation of schematic and photographic emotional faces

Dokument1.pdf (1.612 KB) (md5sum: 4f380918bcf78a5c007e4ba7d06edbcf)

Kurzfassung in Deutsch

Mit der motivierten Wahrnehmung und dem motivierten Denken werden top-down Einflüsse auf die Wahrnehmung und Beurteilung von Informationen beschrieben. Dabei wird die Wahrnehmung gemäß den eigenen Erwartungen, Hoffnungen und Wünschen gelenkt und die Urteilsbildung entsprechend geprägt (Balcetis & Dunning, 2006; Kunda, 1990).
In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss von Motiven auf die Wahrnehmung und Beurteilung von Emotionsgesichtern untersucht. Da sich in anderen Studien, die sich der Wahrnehmung valenter Stimuli widmeten, Unterschiede in Abhängigkeit von der Verwendung schematischer oder fotografischer Emotionsgesichter und der Präsentationsdauer der Stimuli ergaben (z. B. Calvo, Avero & Lundqvist, 2006; Calvo & Lundqvist, 2008; Juth, Lundqvist, Karlsson & Öhman, 2005), wurde der Fokus in der vorliegenden Arbeit auf diese Aspekte gelegt.
Im Rahmen von vier Experimenten wurden motivierte Wahrnehmungs- und Denkprozesse für schematische und fotografische Stimuli in einer mood-of-the-crowd Bewertungsaufgabe untersucht, mit der Verarbeitungsasymmetrien aufgedeckt werden können. Die Aufgabe der Versuchspersonen bestand darin, den vorherrschenden Emotionsausdruck einer Menschenmenge zu bestimmen. Hierzu sollten sie angegeben, ob sich in einer Matrix aus Gesichtern mehr valente (freundlich vs. aggressiv) oder neutrale Gesichter befinden.
Ausgehend von der Kritik an früheren Studien, die eine unzureichende Trennung von Wahrnehmungs- und Reaktionseffekten betraf (vgl. Erdelyi, 1974), wurden spezielle Verfahren und Auswertungsmethoden herangezogen. Motivierte Wahrnehmungseffekte wurden anhand von Wahrnehmungsasymmetrien über die Aufzeichnung von Blickbewegungen identifiziert. Motivierte Effekte des Denkens wurden anhand von Urteilsasymmetrien im Antwortverhalten erfasst. In zwei von vier Experimenten kamen zur Aufdeckung motivierter Verarbeitungseffekte der Wahrnehmung und des Denkens auch Diffusionsmodellanalysen zum Einsatz.
Die Ergebnisse zeigten, dass die mood-of-the-crowd Aufgabe geeignet ist, motivierte Verarbeitungsprozesse zu untersuchen und dass mit Hilfe verschiedener Verfahren eine Trennung von motivierten Verarbeitungseffekten auf unterschiedlichen Verarbeitungsphasen möglich ist. Dabei bestätigte sich auch die Annahme, dass top-down Einflüsse von der Art des Stimulusmaterials abhängen können, da der angenommene Vorteil für positive Informationen nur für die alltagsnahen fotografischen Emotionsgesichter, jedoch nicht für schematische Emotionsgesichter gefunden wurde. Dies wurde mit einer höheren sozialen Relevanz fotografischer Gesichter in Verbindung gebracht (z. B. Calvo & Lundqvist, 2008).
Darüber hinaus zeigte sich, dass das Geschlecht der fotografischen Gesichter einen großen Einfluss hatte. Dieser zeigte sich insbesondere für männliche Emotionsgesichter in einem geschlechterstereotypischem Antwortmuster, bei dem der Anteil aggressiver männlicher Emotionsgesichter in einer Matrix signifikant höher eingeschätzt wurde als der Anteil freundlicher männlicher Emotionsgesichter. Interessant ist, dass das Fixationsmuster entgegengesetzt zum Antwortmuster ausfiel und auf einen Wahrnehmungsvorteil für freundliche Emotionsausdrücke hindeutete.
Zudem bestätigte sich für fotografische Gesichter, dass die Einschätzungen positiver Emotionsausdrücke mit einer größeren Genauigkeit erfolgen. Für schematische Gesichter waren dagegen unerwartet die Einschätzungen für aggressive Emotionsausdrücke genauer.
Im Hinblick auf die Präsentationsdauer der Stimuli wurde bei einer Schnelligkeitsinstruktion die Aufmerksamkeit schneller auf valente Informationen gelenkt und Unterschiede in den Fixationen valenter und neutraler Gesichter frühzeitiger sichtbar als bei einer langen Präsentationsdauer der Stimuli. Die Annahme, dass die Effekte bei einer längeren Präsentationsdauer der Stimuli größer als bei einer kurzen Präsentationsdauer ausfallen, wurde nicht bestätigt.
Zusätzlich wurde der Einfluss verschiedener moderierender Faktoren der Persönlichkeit und aktuellen Befindlichkeit geprüft und anhand von Korrelationsanalysen bestätigt. Zum Beispiel zeigte sich, dass eine gute Befindlichkeit mit einer Bevorzugung positiver Emotionsausdrücke einhergeht und Ängstlichkeit mit stärkeren Aufmerksamkeits- und Reaktionstendenzen für aggressive Emotionsausdrücke im Zusammenhang steht.


Kurzfassung in Englisch

Motivated perception and motivated reasoning describe top-down influences concerning the perception and the evaluation of information. Thereby, the perception is directed by expectancies, hopes and wishes and in turn also affects decisions making processes (Balcetis & Dunning, 2006; Kunda, 1990).
The present dissertation examined the influence of motives on the perception and the evaluation of emotional faces. Given that earlier studies, which addressed the perception of valent stimuli usually found that differences depend on the application of schematic or photographic emotional faces as well as the length of stimulus presentation (e.g., Calvo, Avero, & Lundqvist, 2006; Calvo & Lundqvist, 2008; Juth, Lundqvist, Karlsson, & Öhman, 2005), the present dissertation focused on these aspects.
Within four experiments, motivated perception and motivated reasoning for either schematic or photographic stimuli were examined with the help of a mood-of-the-crowd task that was used to uncover asymmetries of information processing. Within this task participants need to determine the predominant mood of a crowd. To do so, respondents had to indicate if a matrix of faces contained more valent (friendly vs. angry) or neutral faces.
According to criticism on earlier studies, concerning an insufficient separation of perceptional and response effects (cf. Erdelyi, 1974), special methods and statistical analysis were used. Effects of motivated perception were identified by perceptual asymmetries using an eye-tracking device. Motivated reasoning effects were identified by asymmetries in judgment assessed by the response behavior. Additionally, in two out of four experiments diffusion model analyses were used to detect motivated processing effects in perception and reasoning.
The results showed that the mood-of-the-crowd task was appropriate to examine motivated processing of information and they also revealed the possibility to separate different processing stages of motivated information processing by using different methods. The findings also confirmed the assumption that top-down influences can depend on the nature of the stimulus material, because the expected advantage of positive information was only detected for the photographic emotional faces close to everyday life, but not for schematic emotional faces. This was associated with a higher social relevance of photographic faces (e.g., Calvo & Lundqvist, 2008).
Moreover, it appeared that the gender of the photographic emotional faces had an enormous influence. This influence was particularly reflected by the gender stereotypical response pattern regarding male emotional faces that could be seen in a significantly higher rating of the percentage of angry male faces in the matrix than the percentage of friendly male faces. Interestingly, the pattern of fixation was contrary to the pattern of response, indicating an advantage for the perception of friendly emotional faces.
Furthermore, the results affirmed that evaluations of positive expressions were more accurate in the case of photographic faces. For schematic faces, the ratings of aggressive emotional expressions were more accurate, which was unexpected.
With regard to the length of stimulus presentation, attention was directed much faster to valent information and therefore differences in the fixation of valent and neutral faces were uncovered much earlier when using short durations of stimulus presentation including a speed instruction compared to longer durations of stimulus presentation. This result contradicted the earlier assumption, that the effects using longer durations of stimulus presentations would be larger than using short durations of stimulus presentation.
In addition, the influence of different moderating factors of personality and the current mental state was tested and confirmed by the analysis of correlations. The results showed, for example, that a positive mental state came along with a preference for positive emotional faces whereas anxiety was related to stronger attention and reaction tendencies towards angry emotional faces.


SWD-Schlagwörter: Motivation , Selektive Wahrnehmung , Top-down-Prinzip , New Look , Blickbewegung , Diffusionsmodell
Freie Schlagwörter (deutsch): Motivierte Wahrnehmung , Motiviertes Denken , Emotionsgesichter
Freie Schlagwörter (englisch): motivated perception , motivated reasoning , emotional faces
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Klauer, Karl Christoph (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.09.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 23.09.2010
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