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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-79115
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7911/


Trensz, Juliane Luise

Die Bedeutung der Spiritual Care im Rahmen der palliativmedizinischen Betreuung : eine qualitative Studie

The significance of spiritual care within palliative care : a qualitative study

Dokument1.pdf (753 KB) (md5sum: dfc092415c7f903d9cd1724a1ed00da7)

Kurzfassung in Deutsch

Bislang gibt es in Deutschland nur wenige empirische Untersuchungen zu der Frage, wie eine im englischen Sprachraum als ‚spiritual care’ beschriebene und in der Definiton von Palliativmedizin geforderte spirituelle Begleitung von Patienten und Angehörigen im Rahmen einer palliativmedizinischen Betreuung aussehen sollte. Das Anliegen der vorliegenden Arbeit war daher die Exploration der Bedeutung und Wahrnehmung von Spiritualität im Rahmen der palliativmedizinischen Begleitung sowohl bei palliativmedizinisch betreuten Patienten als auch bei deren Angehörigen. Zur Untersuchung der Fragestellung wurden im Rahmen einer qualitativen Studie neun palliativmedizinisch betreute Patienten und sechs ihrer Angehörigen mittels semistrukturierter Interviews befragt. Die Interviews wurden transkribiert und mittels der sog. Integrativen Texthermeneutischen Interviewanalyse ausgewertet.
Als Ergebnis konnten die unterschiedlichen Sinngehalte der Termini Religiosität - Glaube - Spiritualität aber auch die Dimension der Existentialität geklärt sowie deren Stellenwert für Patienten und Angehörige herausgearbeitet werden. Von Bedeutung ist dies vor dem Hintergrund zahlreicher internationaler Studien, insbesondere im englischen Sprachraum, wo diese Termini überwiegend gleichwertig verwendet werden.
So wurde deutlich, dass Glaube und Spiritualität unabhängig von Religiosität (bzw. einer Religionszugehörigkeit) stark ausgeprägt sein können. Deutlich wurden in diesem Zusammenhang auch die unterschiedlichen Ausprägungen von Religiosität (intrinsische vs. extrinsische Religiosität).
Ein Spiritualitätsverständnis der Studienteilnehmer wurde sehr deutlich identifiziert: kennzeichnend dafür ist ein verinnerlichteres Erleben, wobei der Bezug zu Transzendenz bzw. „dem Geistigen“ von Bedeutung ist. Basierend auf dieser Erkenntnis ist das Anerkennen und Begleiten der existentiellen Ebene, d.h. der von Transzendenz losgelösten Dimension im Rahmen der spirituellen Begleitung. Folglich ergibt sich eine Einteilung in spirituelle und existentielle Sorgen. Letzteres legt eine Begleitung von Patienten und deren Angehörigen entweder im Rahmen eines spirituellen oder eines mehr existentiellen ausgerichteten Diskurses nahe. Dies gilt es auch entsprechend zu benennen, um Missverständnissen vorzubeugen bzw. sich im Interesse der Betroffenen von einer Tendenz der Vereinheitlichung zu distanzieren.
Deutlich wurde auch, dass sowohl Patienten als auch Angehörige einen individuellen Betreuungsansatz favorisieren und in diesem Kontext nach ihren Sorgen gefragt werden möchten, wobei allein dem Gesprächsangebot eine große Bedeutung zukommt. Standardisierte Betreuungsverfahren wurden von Patienten und Angehörigen abgelehnt.
Zahlreiche Vorschläge für Inhalte und Form (z.B. Ritual) einer spirituellen bzw. existentiellen Begleitung wurden genannt, Gesprächsziele definiert sowie menschliche Qualitäten (seltener konkrete Berufsgruppen)beschrieben, die Voraussetzung für eine gelungene Begleitung sind. Der Anspruch zur Gesprächsbereitschaft und –fähigkeit richtet sich an alle Mitarbeiter einer Palliativeinrichtung, insbesondere an den Arzt.
In zahlreichen Punkten konnten die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit damit die Ergebnisse anderer Studien bestätigen und vervollständigen.
Insbesondere aber bezüglich der Bedeutung der verschiedenen Termini, speziell des Spritualitätsverständnisses und folglich der Gestaltung einer spirituellen Begleitung, konnte diese Arbeit zu einer differenzierteren Betrachtung beitragen.


Kurzfassung in Englisch

So far, in Germany there is little empirical research on the question of how 'spiritual care' of patients and their families should look like in the context a palliative medical care. The purpose of this study was therefore to explore the meaning and perception of spirituality in the context of palliative care support in both palliative care unit patients and in their relatives. To examine the question, the method of a qualitative study was applied. Nine palliative care unit patients and six of their family members were interviewed using semi-structured interviews. The interviews were transcribed and analyzed using the so-called integrative texthermeneutical interview analysis.
As a result, the different meanings of the terms religion, faith and spirituality could be clarified as well as the dimensions of existentiality and its importance to patients and family members. Importantly, this is against the background of numerous international studies, especially in the English-speaking world, where these terms are used mostly as synonyms.
It became clear that faith and spirituality could be experienced deeply, regardless of religion. Significant in this context were the various forms of religiosity (intrinsic vs. extrinsic religiosity).
The participants in the study clearly identified an understanding of Spirituality: it is characterized by an internalized experience, with a reference to transcendence.
Based on this finding, the recognition of the existential level, that is to say, the spiritual accompaniment that is detached from the transcendent dimension, could be identified.
Consequently, we have to make a division between spiritual and existential concerns. The latter sets an accompaniment of patients and their families either in a spiritual or a more existential-orientated discourse. This distinction must be stated in this way in order to avoid any misunderstandings and to distinguish from a trend of standardization.
It also became clear that both patients and relatives prefer a personalized approach of care and prefer to be asked about their concerns, especially offering to have talks is seen as highly important. Standardized care processes have been rejected by patients and relatives.
Numerous proposals for content and format (e.g. ritual) of a spiritual and existential support were mentioned.
In many issues, the results of this study could confirm and complete the results of existing studies, especially regarding the importance of different terms, specifically the understanding of Spirituality and consequently, the development of a spiritual support. This work could contribute to a more nuanced view.


SWD-Schlagwörter: Spiritualität
Freie Schlagwörter (deutsch): Palliativmedizin , Qualitative , Studie
Freie Schlagwörter (englisch): Spiritual , Care , Spirituality , Qualitative , Study
Institut: Medizinische Univ.-Klinik und Poliklinik
Fakultät: Medizinische Fakultät / Universitätsklinikum
DDC-Sachgruppe: Medizin und Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Becker, Gerhild (PD Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.11.2009
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 17.01.2011
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