Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Eingang zum Volltext

Lizenz

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-79813
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7981/


Schenk, Steffen Ephraim

Sitzen im öffentlichen Raum : die soziologische Aneignung einer Haltung

Sitting in public space

Dokument1.pdf (2.971 KB) (md5sum: 0dcc9636f7af53f2fc59316fd70c7e6f)

Kurzfassung in Deutsch

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die weitgehend unbewussten sozialen Bedingtheiten des Verhaltens im öffentlichen Raum aufzudecken, um die Erkenntnisse allen Interessierten, insbesondere den Sozialwissnenschaften und der Planungspraxis verfügbar zu machen. Wenn öffentliche Räume zum Nutzen der Nutzer gestaltet werden sollen, ist das Verständnis ihres Verhaltens dringend erforderlich. Sitzen im öffentlichen Raum unterstützt die Ausübung wichtiger kommunikativer Funktionen für das öffentliche Leben. Dennoch scheint es, im Gegensatz zum Sitzen in den privatisierten Bereichen der Außengastronomie, in der Stadtplanung etwas unterprivilegiert zu sein. Darum bildet Sitzen das Thema dieser Arbeit.

Das Feld der (Körper-)Haltungen im öffentlichen Raum hat bisher keinen Eingang in den Bestand soziologischen Wissens gefunden. Darum ist die Arbeit als Vorstudie zu weiteren Untersuchungen konzipiert. Aufgrund dieser Bedingung ist das Vorgehen abduktiv.

In fünf Teilen wird das Sitzen im öffentlichen Raum unter verschiedenen Gesichtspunkten und aus unterschiedlicher Perspektive untersucht. Zunächst wird mittels einer phänomenologische Analyse und im Rückgriff auf die Goffmanschen „Territorien des Selbst“ untersucht, was die Haltung des Sitzens unter dem Aspekt der Strukturierung von Kommunikationen von anderen Haltungen unterscheidet und welches demnach ihre Funktionen in Bezug auf die Kommunikation im öffentlichen Raum sind.

Die sozialpsychologischen Voraussetzungen für das Sitzen subsumieren sich unter dem Begriff der Raumaneignung. Um die soziale Umwelt dabei verstärkt zu berücksichtigen, wird der Begriff der sozialen Raumaneignung entwickelt, die einerseits das Anpassen des eigenen Verhaltens an den gegebenen sozialen Raum und andererseits das Vertreten der eigenen Ansprüche gegenüber Anderen bezeichnet.

Die Fragestellung der Arbeit, wie sich die räumliche Verteilung der Sitzenden im öffentlichen Raum der Stadt und die dort bestehenden räumlichen Strukturen gegenseitig beeinflussen, wird mithilfe von Löws soziologischer Raumtheorie aufgeschlossen. Damit werden Prozesse der sozialen Aneignung in gegenseitiger Abhängigkeit von den Räumen, in denen sie stattfinden, beschrieben. Raum in diesem Sinne enthält neben einer Handlungsdimension auch eine Ordnungsdimension, in welcher raumspezifische Verhaltenserwartungen in Bezug auf das Sitzen enthalten sind.

Diese werden dann näher untersucht. Einerseits sind Verhaltenserwartungen abhängig von der sozialen Rolle des Sitzenden. Andererseits beeinflusst sein Verhalten die an ihn gerichteten Rollenzuweisungen. Ethnomethodologisch wird hergeleitet, dass das Sitzverhalten einen sehr großen Einfluss auf diese Rollenzuweisung hat. Mit den Kategorien der Konventionalität und der Legitimität von Sitztätigkeiten wird der Raum, in dem die soziale Situation stattfindet, miteinbezogen. Die These, dass Sitzen im öffentlichen Raum grundsätzlich rechtfertigungsbedürftig ist, wird auf der Grundlage sozialer Normen begründet und es wird untersucht, inwiefern das Sitzverhalten von der Milieuzugehörigkeit abhängt.

Im Anschluss werden sechs Idealtypen des Sitzens gebildet, in welchen die gewonnen Erkenntnisse kulminieren und durch welche zusätzliche Aspekte des Themas deutlich gemacht werden. Es sind der Ausruhtyp, der Wartetyp und der Gesprächstyp, sowie der Partytyp, der Wohntyp und der Protesttyp des Sitzens.

Bedeutende Flächen ehemals öffentlichen Raums werden von den Städten an die Gastronomie verpachtet. Es wird die These vertreten, dass ein Übermaß dieser gewerblichen Sitzplätze nicht nur aufgrund von Platzmangel, sondern auch wegen ihrer normativ begründeten stärkeren Position, geeignet ist, die im öffentlichen Raum Sitzenden zu verdrängen und damit der Vielfalt öffentlichen Lebens zu schaden. Darum sollte hierbei, auch in Zeiten knapper Stadtkassen, eine qualitativ und quantitativ ausgewogenes Maß gefunden werden.


SWD-Schlagwörter: Soziologie , Stadtsoziologie , Öffentlicher Raum , Alltag , Haltung , Nichtverbale Kommunikation , Aneignung
Freie Schlagwörter (deutsch): Raumverhalten , Sozialverhalten , Soziale Norm , Soziale Rolle , Raumsoziologie , Subjektorientierte Soziologie , Stadtplanung
Institut: Institut für Soziologie
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 03.03.2011
Bemerkung: vollständig überarbeitet
Indexliste