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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-80130
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8013/


Geier, Claire

Psychische Gesundheit in der Schule: Bezüge zum Problem der Gewalt

Teachers health and violence of pupils

Dokument1.pdf (772 KB) (md5sum: b4fd97718cfec894c8f57f54269dad16)

Kurzfassung in Deutsch

Hintergrund
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern haben eine hohe Prävalenz und sind als gesamtgesellschaftliches Problem zu begreifen. In der Ursachenforschung sind Risikofaktoren auf vielen Ebenen ermittelt worden.
Die vorliegende Studie berücksichtigte insbesondere Schülergewalt in der Genese von psychosomatischen Störungen bei Lehrkräften.
Ergänzend wurden im Rahmen einer Schülerbefragung mögliche Einflussvariablen auf das Gewaltverhalten von Jugendlichen untersucht.

Methoden
Fragebogenstudie mit (n=128) Lehrkräften
Fragebogenstudie mit (n=272) Schülern
Statistische Verfahren: Chi-quadrat-Test nach Pearson, t-Test für unverbundene Stichproben, Korrelationsanalyse.

Ergebnisse
50,4% der befragten Lehrkräfte wiesen eine beeinträchtigte Gesundheitssituation auf (GHQ-12). Die erkrankten Lehrkräfte hatten signifikant häufiger verbale Beleidigungen durch Schüler (49,1% versus 27,3%, p=0,012) und deutlich häufiger physisch relevante Gewalt erlitten. Empathiedefizite fanden sich tendenziell häufiger bei den belasteten Lehrkräften, positive Rückmeldungen von Schülern schienen protektive Effekte auf die Lehrergesundheit zu haben. Prädiktoren wie Geschlecht, Schulform, Lebensalter und quantitative Arbeitsbelastung schienen keine wesentliche Rolle zu spielen.
Bei der Schülerbefragung ergab sich eine Zwölfmonatsprävalenz verbaler Aggressionsereignisse von insgesamt 71,3% mit signifikanten Geschlechtsunterschieden (78,8% Mädchen versus 65,4% Jungen, p=0,04), physische Gewalt wurde mit einer Häufigkeit von 41% (34,8% Mädchen versus 51,5% Jungen, p=0,012) angegeben. Mit sinkendem Bildungsniveau nahm die körperliche Gewalt zu, mit den höheren Schulformen nahmen die verbalen Attacken zu; diese Unterschiede innerhalb der Schulformen waren hochsignifikant. Es zeigten sich statistische Zusammenhänge zwischen Freizeitgestaltung, Medienkonsum, Schulleistung und Aggressivität; sozial weniger privilegierte Schüler stimmten einer gewaltfreien Konfliktlösung signifikant seltener zu (p=0,007). Der häufige Konsum gewalthaltiger Computerspiele (> 3x /Woche) war mit fast allen erfassten Aggressionsparametern signifikant positiv korreliert und zeigte korrelative Beziehungen zu schlechteren Schulleistungen.

Fazit
Schülergewalt ist als wesentlicher Einflussfaktor auf die psychische Gesundheit von Lehrkräften zu bewerten.
Die Gewaltausprägungen in der Schülerschaft differieren nach den unterschiedlichen Schulformen. Ein ausgeprägter Konsum gewalthaltiger Computerspiele ist als ein Risikofaktor für Gewaltverhalten von Jugendlichen anzusehen.


Kurzfassung in Englisch

Objectives: It is known that among school teachers there is a high prevalence of psychosomatic disorders. The aim of this study was to evaluate parameters such as gender, age, working load, school type, empathy and behavior of pupils that may act as predictors to teachers ill health. Additionally the phenomenon of violence and aggression among pupils was investigated.
Methods: (1) A sample of 128 school teachers was analysed by applying a questionnaire covering different aspects of the occupational burden and adverse events at school, the General Health Questionnaire (GHQ-12) and the Jefferson Scale of Empathy. (2) A sample of 272 pupils (of all school types) was evaluated concerning the frequency and motives of verbal and physical aggression. Different factors which may cause aggressive and violent behavior were investigated by correlation analysis.
Results: there was a correlation between ill health of teachers and verbal insults from pupils.
Gender, the type of school and violent video games had a strong impact on aggressive behavior: male adolescents, pupils of secondary modern schools (German: Hauptschulen) demonstrated the highest rates of physical aggression, pupils of grammar schools (German: Gymnasien) demonstrated the highest rates of indirect and verbal violence.
Conclusion: Our data demonstrate that (1) aggressive behavior of pupils plays a prominent role to straining teachers health, and (2) there is a significant correlation between violent behavior of adolescents and the frequent playing of shooter games.


SWD-Schlagwörter: Psychische Gesundheit , Lehrer
Freie Schlagwörter (deutsch): Schulgewalt , Computerspiele
Freie Schlagwörter (englisch): teacher , health , pupil , violence
Institut: Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik
Fakultät: Medizinische Fakultät / Universitätsklinikum
DDC-Sachgruppe: Medizin und Gesundheit
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Bauer, Joachim (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.09.2010
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 23.03.2011
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