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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-80329
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8032/


Opitz, Ursula

Subjektive Krankheits- und Behandlungskonzepte bei PatientInnen mit Fibromyalgiesyndrom

Cognitive illness and treatment representations in patients with fibromyalgia

Dokument1.pdf (4.969 KB) (md5sum: 89d4899a65eca6952614a81dff8e06ae)

Kurzfassung in Deutsch

Ziel der Studie war es, die subjektiven Krankheits- und medikamentenbezogenen Konzepte von PatientInnen mit FMS zu beschreiben. Das Fibromyalgiesyndrom, das charakteristischerweise chronische, ausgedehnte muskuloskeletale Schmerzen in verschiedenen Körperregionen aufweist und häufig von unspezifischen Symptomen wie Steifigkeit, Schlafschwierigkeiten, Müdigkeit und Konzentrationsproblemen begleitet wird, weist eine hohe Krankheitslast für die PatientInnen sowie für die Gesellschaft auf. Pathogenetisch werden verschiedene Faktoren wie chronische Stressoren im psychosozialen Bereich, neurobiologische Mechanismen, Veränderungen des Muskelstoffwechsels, genetische Faktoren und Veränderungen der zentralen Schmerzverarbeitung diskutiert. Ferner werden insbesondere psychosoziale Faktoren wie belastende Lebensereignisse, Katastrophisieren oder eine maladaptive Krankheitsbewältigung für den Verlauf des FMS als relevant erachtet. Die Fragestellungen der vorliegenden Arbeit gliederten sich in zwei Bereiche: Zum einen standen in einem ersten Teil methodische Fragen im Hinblick auf die eingesetzten Instrumente zur Messung subjektiver Krankheits- und Behandlungskonzepte im Fokus, der zweite Teil befasste sich mit inhaltlichen Fragestellungen zu den subjektiven Konzepten der PatientInnen. Im Rahmen der inhaltlichen Fragestellungen wurden die subjektiven Krankheitskonzepte und medikamentenbezogenen Überzeugungen beschrieben und deren Zusammenhang geprüft. Inwieweit subjektive Krankheitskonzepte und medikamentenbezogene Überzeugungen Prädiktoren des kurz- und mittelfristigen Outcomes darstellen war ebenfalls Gegenstand der Untersuchung. Die Ausgangsstichprobe bilden 313 PatientInnen, von denen zu den beiden Messzeitpunkten Rehabilitationsbeginn (t0) und Rehabilitationsende (t1) komplette Datensätze vorlagen. Die psychometrischen Ergebnisse können wie folgt zusammengefasst werden: Der Fragebogen „Beliefs about Medicines Questionnaire“, der im Rahmen der vorliegenden Studie ins Deutsche übersetzt wurde, besitzt ausreichend gute psychometrische Kennwerte und misst nach den bisherigen Analysen reliabel und valide die medikamentenbezogenen Überzeugungen der PatientInnen mit Fibromyalgiesyndrom.
Mit Blick auf die inhaltlichen Fragestellungen wurden zum einen die subjektiven Krankheitskonzepte, sowie die medikamentenbezogenen Überzeugungen von FibromyalgiepatientInnen beschrieben.
Die im Rahmen der subjektiven Krankheitskonzepte am häufigsten genannten Symptome sind Schmerzen, Erschöpfung, Kraftlosigkeit sowie Schlafstörungen, wobei diese Symptome auch ursächlich mit dem Fibromyalgiesyndrom in Verbindung gebracht werden. Anhand des Musters der Ursachenrepräsentation wird deutlich, dass die PatientInnen die Umstände für die Krankheitsentstehung eher im psychischen bzw. psychosozialen Bereich sehen. Die kognitiven Krankheitsrepräsentationen der PatientInnen sind weiterhin gekennzeichnet durch die Wahrnehmung eines eher chronischen bzw. zyklischen Krankheitsverlaufs, der Erwartung ausgeprägter Konsequenzen und ausgeprägter emotionaler Belastung durch die Erkrankung. Demgegenüber stehen ein eher geringes Kohärenzerleben sowie die insuffiziente Kontrollierbarkeit und persönliche Kontrolle. In Bezug auf die individuelle Medikation zeigen sich sehr heterogene Einschätzungen auf der Einzelitemebene, wobei die Tendenz dahin geht, dass die individuelle Medikation als notwendig erachtet wird, die Befürchtungen in Bezug auf die individuelle Medikation jedoch sehr ausgeprägt sind. Der zweite Bereich der inhaltlichen Fragestellungen befasste sich mit der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen subjektiven Krankheitskonzepten und medikamentenbezogenen Überzeugungen. Insgesamt waren die Richtungen der Korrelationen zwar plausibel, die Korrelationen substanziell allerdings sehr gering.
Die dritte inhaltliche Fragestellung hatte zum Ziel, zu untersuchen, ob subjektive Krankheitskonzepte und medikamentenbezogene Überzeugungen - auch bei Berücksichtigung sonstiger relevanter Confounder wie z.B. der Selbstwirksamkeitserwartung der PatientInnen - das kurz- und mittelfristige Outcome der Rehabilitationsmaßnahme prädizieren, also ob die subjektiven Überzeugungen der PatientInnen im Hinblick auf Krankheit und Medikation das Rehabilitationsergebnis vorhersagen. Insgesamt lassen sich die Ergebnisse dahingehend interpretieren, dass die Eingangsbelastung jeweils den stärksten Prädiktor des Rehabilitationsergebnisses darstellt, was sich sehr gut mit anderen Studien deckt. Die subjektiven Krankheitskonzepte der PatientInnen, zeigten sich als Prädiktoren sowohl des kurz- als auch des mittelfristigen Rehabilitationsergebnisses.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Fragebogen „Beliefs about Medicines Questionnaire“ in seiner deutschen Übersetzung geeignet ist, die subjektiven medikamentösen Behandlungskonzepte zu messen. Vor dem Hintergrund, dass
 PatientInnen ihre Krankheit sehr gravierend wahrnehmen,
 bzgl. des medikamentösen Behandlungskonzeptes sehr heterogene Vorstellungen der PatientInnen existieren und
 subjektive Krankheitskonzepte neben der Eingangsbelastung die nahezu einzigen Prädiktoren des Outcomes sind,
lohnt es sich, den subjektiven Krankheits- und medikamentösen Behandlungskonzepten bei dieser PatientInnengruppe weiterhin Aufmerksamkeit zu schenken.


Kurzfassung in Englisch

The objective of this study was to describe the illness and treatment perceptions of patients with fibromyalgia syndrome (FMS). Fibromyalgia syndrome, which typically shows chronic, widespread musculoskeletal pain in different regions of the body and is often accompanied by unspecific symptoms such as stiffness, nonrestorative sleep, fatigue and problems in concentrating, presents with a high burden of disease for the patients as well as for society. Pathogenically, various factors such as those relating to chronic psychosocial aspects, neurobiological mechanisms, changes in muscle metabolism, genetic factors and changes in central pain processing are under discussion. Furthermore, especially psychosocial stressors such as distressing life events, catastrophes or maladaptive coping with the disease are considered relevant for the course of FMS.
The questions considered in the present paper were divided into two areas: On the one hand, in the first part, the focus was on methodological issues with regard to the instruments used to measure illness and treatment perceptions. The second part focussed on content-related issues concerning the patients cognitive perceptions. This included the description of the illness and drug-related treatment perceptions and their correlation was investigated. How far illness and drug-related treatment perceptions represent predictors of short- and mid-term outcomes also comprised part of the study.
The master sample comprised 313 patients, for whom complete data sets were available at the two measuring times rehabilitation onset (t0) and rehabilitation end (t1).
The psychometric results can be summarised as follows: The questionnaire "Beliefs about Medicines Questionnaire", which in the present study was translated into German, has sufficiently good psychometric characteristic values. It shows a high rate of acceptance and practicability. According to the analyses conducted so far, the questionnaire measures the drug-related treatment perceptions of the patients with fibromyalgia syndrome reliably and validly.
Regarding the content-related issues, on the one hand, the illness perceptions as well as the drug-related treatment perceptions of fibromyalgia patients were described.
The most frequently named symptoms in the subjective disease concepts are pain, exhaustion, asthenia as well as nonrestorative sleep, these symptoms also being linked causatively with fibromyalgia syndrome. Based on the pattern of representing causes, it becomes clear that patients see the circumstances leading to pathogenesis more in the mental and/or psychosocial area. The patientscognitive illness representations continue to be characterised by the perception of a perhaps more chronic and/or cyclic course of the illness, the expectation of prominent consequences and pronounced emotional stress as a result of the illness. On the other hand, there is perhaps a smaller experience of coherence as well as insufficient treatment- and personal control.
With regard to individual medication, there are very heterogeneous assessments on the single item level, there being a trend for individual medication to be considered necessary, the concerns regarding individual medication, however, being very pronounced.
The second area of the content-related issues dealt with examining the relationship between illness perceptions and drug-related treatment perceptions. Overall, although the correlation trends were plausible, the correlations were, however, substantially very small.
The third content-related issue had the objective to investigate whether illness and treatment perceptions also taking other relevant confounders into account such as the self-efficacy expectations of the patients predict the short- and mid-term outcome of the rehabilitation measure, i.e., whether the patients cognitive perceptions regarding illness and medication predict the result of rehabilitation.
Overall, the results can be interpreted in such a way that the initial health status in each case represents the strongest predictor of the result of rehabilitation, which correlates very well with other studies. The patients illness representations, i.e., their assumptions concerning fibromyalgia syndrome at the beginning of rehabilitation, on the other hand, showed themselves to be predictors of both the short- and mid-term result of rehabilitation.
Finally, it can be said that the questionnaire "Beliefs about Medicines Questionnaire" in its German translation is suitable for measuring drug-related treatment perceptions. Against the background that
- patients perceive their illness as being very serious,
- with respect to the drug-related treatment representations, the patients have very heterogeneous perceptions and
- apart from initial health status, illness representations are practically the only predictors of the outcome,
it is worthwhile continuing to give attention to the illness and treatment representations in this patient group and where deemed appropriate to make further differentiations regarding the subgroups, especially their "cognitive patterns" and to use these with regard to the favourable and/or unfavourable influence on the result of rehabilitation.


SWD-Schlagwörter: Subjetive Krankheitskonzepte , subjektive Behandlungskonzepte , medikamentenbezogene Konzepte , Fibromyalgiesyndrom
Freie Schlagwörter (deutsch): Subjetive Krankheitskonzepte , subjektive Behandlungskonzepte , medikamentenbezogene Konzepte , Fibromyalgiesyndrom , Rehabilitation
Freie Schlagwörter (englisch): cognitive illness representations , treatment representations , treatment perceptions , fibromyalgia , rehabilitation , chronic disease
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Bengel, Jürgen (Prof. Dr. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.03.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 29.03.2011
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