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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-82276
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8227/


Pangert, Barbara

Prädiktoren gesundheitsförderlichen Führungshandelns

Predictors of health promoting leadership

Dokument1.pdf (1.647 KB) (md5sum: 0c31a1fe345bd49b479cfb4f835a7244)

Kurzfassung in Deutsch

Zahlreiche Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen Führungshandeln und Beschäftigtengesundheit hin. Entsprechend der Literaturrecherche in dieser Arbeit lässt sich gesundheitsförderliches Führungshandeln beschreiben als mitarbeiterorientiert-unterstützendes Führungshandeln, die Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeits-bedingungen sowie das Engagement für die betriebliche Gesundheitsförderung. Aber was macht es eigentlich wahrscheinlich, dass Führungskräfte auf eine Art und Weise handeln, welche sich gesundheitsförderlich für die Beschäftigten darstellt? In der vorliegenden Arbeit wurden Prädiktoren gesundheitsförderlichen Führungshandelns abgeleitet und auf ihre empirischen Zusammenhänge mit gesundheitsförderlichem Führungshandeln hin untersucht. Als Basis für die Ableitung von Prädiktoren wurde die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1991) gewählt. Entsprechend der Theorie ist davon auszugehen, dass die Einstellung gegenüber dem Verhalten, die subjektive Norm im Sinne des sozialen Drucks, das Verhalten zu zeigen sowie die wahrgenommene Verhaltenskontrolle im Sinne der Leichtigkeit oder Schwierigkeit, eine Handlung auszuführen sich darauf auswirken, ob ein bestimmtes Verhalten gezeigt wird oder nicht. Verschiedene arbeits- und organisationspsychologische Konzepte wurden dahingehend beleuchtet, inwiefern sie der Anpassung der Komponenten der Theorie des geplanten Verhaltens auf das Setting gesundheitsförderlichen Führungshandelns dienen können. Dabei ist davon auszugehen, dass in Bezug auf die subjektive Norm im organisationalen Setting gesundheitsförderlichen Führungshandelns die wahrgenommene Organisationskultur eine wichtige Rolle spielt, konkret die wahrgenommene Kultur gesundheitsförderlichen Führungshandelns. Die wahrgenommene Verhaltenskontrolle bezieht sich bei Ajzen (1991) auf internale wie externale Faktoren. Im organisationalen Setting gesundheitsförderlichen Führungshandelns erscheinen dabei die individuellen Kompetenzen, konkret die Kompetenz, gesundheitsförderlich zu führen sowie die organisationalen Bedingungen, gesundheitsförderlich zu führen, speziell der von Führungskräften wahrgenommene Tätigkeitsspielraum, zentral. Gemeinsam mit der Einstellung aus der Theorie des geplanten Verhaltens werden in dieser Arbeit damit vier Prädiktoren gesundheitsförderlichen Führungshandelns angenommen: die wahrgenommene Kultur gesundheitsförderlichen Führungshandelns, die Einstellung gegenüber gesundheitsförderlichem Führungshandeln, die individuelle Kompetenz, gesundheitsförderlich zu führen sowie der von Führungskräften wahrgenommene Tätigkeitsspielraum.
Zu Überprüfung der erwarteten Zusammenhänge zwischen den angenommenen Prädiktoren und gesundheitsförderlichem Führungshandeln wurde eine Querschnittsuntersuchung bei 222 Führungskräften durchgeführt. In Ermangelung geeigneter Erhebungsinstrumente wurden die Prädiktoren ebenso wie gesundheitsförderliches Führungshandeln anhand verschiedener selbstkonstruierter Fragebogenskalen messbar gemacht. Die Skalenqualität wurde auf verschiedene Gütekriterien hin anhand mehrerer methodischer Verfahren überprüft und optimiert. Die resultierende Skalengüte ist als zufriedenstellend bis sehr gut zu bewerten.
Die Ergebnisse zeigen beinahe durchgängig die erwarteten bivariaten Zusammenhänge zwischen den Prädiktoren und den drei Komponenten gesundheitsförderlichen Führungshandelns. Bei der regressionsanalytischen Prognose der Komponenten gesundheitsförderlichen Führungshandelns anhand der vier Prädiktoren zeigt sich auch bei Berücksichtigung von Kontrollvariablen eine gemeinsame Varianzaufklärung durch die vier Prädiktoren zwischen 9 und 29 Prozent. Die Einstellung gegenüber gesundheitsförderlichem Führungshandeln leistet als einziger Prädiktor bei allen drei Komponenten gesundheitsförderlichen Führungshandelns einen signifikanten eigenständigen Beitrag zur Varianzaufklärung. Für die Vorhersage der Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen ist insbesondere der wahrgenommene Tätigkeitsspielraum, für die Vorhersage des Engagements für die betriebliche Gesundheitsförderung ist insbesondere die wahrgenommene Kultur gesundheits-förderlichen Führungshandelns von Relevanz.
Vor dem Hintergrund der Theorie des geplanten Verhaltens sowie der zu Grunde liegenden arbeits- und organisationspsychologischen Konzepte lassen sich die Ergebnisse als Hinweis darauf interpretieren, dass die betrachteten Prädiktoren von Relevanz für die Realisierung gesundheitsförderlichen Führungshandelns sind. Gleichzeitig sind alternative Interpretationen der Ergebnisse denkbar. Durch das querschnittliche Design lassen sich auf Basis der Ergebnisse keine Kausalaussagen treffen. Die Studie gibt damit insbesondere Implikationen für die weitere Forschung in einem bislang vernachlässigten Forschungsbereich, aber auch erste Hinweise für die Praxis betrieblicher Gesundheitsförderung.


Kurzfassung in Englisch

A bulk of literature is giving hints that there is an association between leadership behaviour and subordinates’ health. Based on the literature review in this paper, health promoting leadership comprises considering and supportive leadership behaviour, the design of health promoting working conditions and engagement in workplace health promotion. The remaining question is: What makes supervisors lead in a health promoting way? That’s why in this paper, predictors of health promoting leadership were derived and their associations with health promoting leadership were tested empirically. The theory of planned behaviour (Ajzen, 1991) was used as the theoretical basis for deriving the predictors. From the perspective of the theory, showing certain behaviour depends on the attitude toward the behaviour, the social norm (in the sense of social pressure) and the perceived behavioural control (in the sense of the perceived ease to perform the behaviour). Different concepts from the field of work and organisational psychology were examined in as much they are helpful in adapting the components of the theory of planned behaviour to the setting of health promoting leadership. In this context, it is assumed that relating to the subjective norm in the theory the organisational culture, specifically the culture of health promoting leadership, is crucial in the organisational setting. Furthermore, the perceived behavioural control, relating to an external and an internal factor in the theory of planned behaviour is assumed to be best adapted to the organisational setting of health promoting leadership by including individual competencies (competencies to lead in a health promoting way) as well as the given organisational conditions (specifically supervisors’ perceived autonomy). In this way, together with the attitude from the theory of planned behaviour, four predictors for health promoting leadership were derived: the perceived culture of health promoting leadership, the attitude toward health promoting leadership, individual competencies to lead in a health promoting way, and the supervisors’ perceived autonomy.
To prove the expected associations between the predictors and health promoting leadership, a cross-sectional study with 222 lower- and middle-level supervisors was conducted in three companies. Because no appropriate scales were available, questionnaire scales were constructed. The final scale quality after applying different methodological measures and optimization procedures can be evaluated as satisfying to very good.
Virtually all results show the expected bivariat associations between the predictors and the three components of health promoting leadership. Multiple regression analysis with the four predictors revealed an amount of 9 to 29 per cent (p < .01) explained variance for the components of health promoting leadership controlling for sex, age, hierarchy level and span of control. The attitude toward health promoting leadership is the only predictor reaching significance in predicting all three components of health promoting leadership. The design of health promoting working conditions is best predicted by the supervisors’ perceived autonomy. The engagement in workplace health promotion is best predicted by the perceived organisational culture of health promoting leadership.
In the light of the theory of planned behaviour and the concepts stemming from work and organisational psychology, the results can be interpreted as hints for the relevance of the derived predictors in realizing health promoting leadership. Nevertheless, alternative explanations are possible; the design of the study does not allow causal inferences. All in all, the study shed light on a so far mostly neglected field of research and gives some advice for the realization of workplace health promotion as well as implications for further research.


SWD-Schlagwörter: Gesundheitsförderung , Betrieb , Führung , Prognose , Verhalten
Freie Schlagwörter (deutsch): Theorie des geplanten Verhaltens , Betriebliche Gesundheitsförderung
Freie Schlagwörter (englisch): Workplace Health Promotion , Leadership , Theory of Planned Behavior , Antecedents
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Schüpbach, Heinz (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.04.2011
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 05.09.2011
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