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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-83947
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8394/


Solymosi, Katalin

Landscape development and land use change in traditional cultural landscapes - evidence from the peripheries of Europe

Landschaftsentwicklung und Landnutzungswandel in traditionellen Kulturlandschaften - Beobachtungen aus den Peripherien Europas

Dokument1.pdf (2.112 KB) (md5sum: d0ea1aea90b9f0db488bd531727b05a6)

Kurzfassung in Englisch

The present cumulative dissertation comprises four research articles dealing with different aspects of landscape development and land use change in two marginalized regions of Europe. In order to explore the limitations and potentials regions with traditional cultural landscapes face in their regional development and which changes the landscapes undergo in the process, two case study regions were investigated exemplarily. Gyimes in the Eastern Carpathians of Romania and Las Hurdes in Extremadura, Spain, were chosen to test three initially formulated hypotheses.
Firstly, it was assumed that traditional cultural landscapes in Europe today have been preserved due to reasons that can be generalized across the continent. The first set of research questions dealt with what these reasons are and whether the remaining cultural landscapes of Europe have a common denominator. Secondly, the empirical fact that many of the traditional cultural landscapes in Europe are facing changes and decline, was supposed to occur mainly due to outside influences. Taking Gyimes and Las Hurdes as concrete examples, the ongoing changes and their underlying reasons were explored, questioning whether the land use systems that once created the landscapes still persisted. Thirdly, out of the various outside influencing factors two were isolated – regulatory policies and the outside perception – and it was attempted to draw casual relationships from the sources of these influencing factors to their impacts on the field level.
The investigation was carried out using literature review, a questionnaire survey of tourists, an interview survey of households and expert interviews for data collection from 2006 to 2010. The generated data was then utilized for a livelihood analysis of households in Gyimes and Las Hurdes and a policy analysis of the regulatory framework of agricultural, rural and regional development policies aimed at the regions.
It could be shown that the studied traditional cultural landscapes have survived due to isolation, difficult site conditions for agricultural production and a population that often differed from the surrounding national mainstream. The biased outside perception that characterized both regions in former times, continued to play a role in their current development. This observation was more evident in the case of Gyimes, where inhabitants reacted to the expectations of Hungarian tourists and started to arrange the landscape according to the outside perception.
The complex land use systems that once created the still visible landscape features were in decline and loosing complexity and importance as a source of income in both regions. A small number of households continued with agriculture, mainly for household consumption, and only a fraction of them invested in modernized forms of production. The households that were found to most likely maintain the traditional cultural landscape were also frequently the ones not eligible for any rural development support. The assumption was made that Las Hurdes, were agricultural transformation had taken place decades ago, could be a future scenario for Gyimes as regards the shift away from the primary sector, land abandonment and simultaneous agricultural intensification and depopulation leading to the loss of the traditional cultural landscape.
The analyzed policies affecting the regions have not been able to stop these developments, although they were partly specifically aimed at them, as in the case of Spanish rural development programs. CAP direct payments were found to have mainly negative impacts on Gyimes and Las Hurdes, together with a few positive indirect ones. Rural development measures on the other hand had a slight positive effect that was difficult to quantify.
Finally, the conclusion was drawn that European rural development policy would best be able to support marginalized rural areas if restructured and aimed more specifically at areas in real need of public support. Taking into account global agricultural challenges and the fact that rural development today requires much more than the support of agriculture, the present study finally suggests a reorientation of agricultural policy in favor of bottom-up, regional solutions that combine traditional production systems well adapted to local site conditions with modern technology to provide local livelihoods, good quality food and ecological sustainability.


Kurzfassung in Deutsch

Die vorliegende kumulative Dissertation besteht aus vier Forschungsartikeln, die sich mit verschiedenen Aspekten der Landschaftsentwicklung und des Landnutzungswandels in zwei marginalisierten Gebieten Europas befasst. Um zu erkunden, welche Hemmnisse und Potentiale Regionen mit traditionellen Kulturlandschaften in ihrer Regionalentwicklung haben und welchem Wandel sie in dem Prozess unterworfen sind, wurden exemplarisch zwei Fallbeispiele untersucht. Gyimes in den rumänischen Ostkarpaten und Las Hurdes in der spanischen Extremadura wurden ausgewählt, um drei eingangs formulierte Hypothesen zu testen.
Als erstes wurde vorausgesetzt, dass heutige traditionelle Kulturlandschaften in Europa aus Gründen erhalten geblieben sind, die für den europäischen Kontinent verallgemeinbar sind. Die erste Gruppe von Forschungsfragen suchte nach diesen Gründen und fragte nach dem eventuellen gemeinsamen Nenner der erhaltenen europäischen Kulturlandschaften. Zweitens wurde von der empirischen Tatsache, dass sich viele der traditionellen Kulturlandschaften verändern und verschwinden, angenommen, dass sie auf äußere Faktoren zurückzuführen ist. Anhand der konkreten Beispiele Gyimes und Las Hurdes wurde geprüft, welche die Veränderungen und ihre Ursachen waren und ob die Landnutzungssysteme, die die Landschaften einst hervorgebracht hatten, heute noch Bestand haben. Drittens wurden aus den vielfältigen äußeren Einflussfaktoren zwei herausgewählt – der regulative Rahmen und die äußere Wahrnehmung – und es wurde versucht, Wirkungsketten von der Quelle der Einflussfaktoren bis zu ihren Auswirkungen in den Regionen zu ziehen.
Die Untersuchung beinhaltete eine Literaturrecherche, eine Fragebogenbefragung von Touristen, eine Interviewbefragung von Haushalten und Experteninterviews zur Datenerfassung im Zeitraum 2006-2010. Die generierten Daten wurden dann für eine Livelihood-Analyse der Haushalte in Gyimes und Las Hurdes und einer Politikfeldanalyse des regulativen Rahmens im Bereich der Landwirtschafts-, ländliche Entwicklungs- und Regionalentwicklungspolitik verwendet.
Es konnte gezeigt werden, dass die untersuchten traditionelle Kulturlandschaften aufgrund von Isolation, ungünstigen Standortbedingungen für landwirtschaftliche Produktion und einer in vielen Fällen vom nationalen Mainstream abweichenden Bevölkerung überlebt haben. Die vorurteilsbehaftete Wahrnehmung, die beide Gebiete charakterisiert hatte, spielte weiterhin eine Rolle in ihrer jetzigen Entwicklung. Diese Beobachtung war eindeutiger im Falle von Gyimes, wo Einwohner auf die Erwartungen von ungarischen Touristen reagierten und begannen, die Landschaft entsprechend der äußeren Wahrnehmung zu arrangieren.
Die komplexen Landnutzungssysteme, die einst die immer noch sichtbaren Landschaftsstrukturen geschaffen hatten, waren im Rückgang begriffen und verloren an Komplexität und Bedeutung als Einkommensquelle. Eine geringe Anzahl von Haushalten führte die Landwirtschaft vor allem als Subsistenzwirtschaft fort und nur ein Bruchteil investierte in moderne Formen der Produktion. Die Haushalte, die der Untersuchung nach am ehesten die traditionelle Kulturlandschaft erhielten, waren auch oft diejenigen, die keinerlei ländliche Entwicklungsförderung erhielten. Die Annahme wurde gemacht, dass Las Hurdes, wo die landwirtschaftliche Transformation vor Jahrzehnten stattgefunden hatte, ein mögliches Zukunftsszenario für Gyimes darstellt, hinsichtlich der Verlagerung weg vom Primärsektor, der Landnutzungsaufgabe mit gleichzeitiger landwirtschaftlicher Intensivierung und der Entvölkerung, die zum Verlust der traditionellen Kulturlandschaft führt.
Die die Regionen betreffenden analysierten politischen Maßnahmen konnten diese Entwicklung nicht aufhalten, obwohl sie teilweise explizit dafür gemacht wurden, wie im Falle der spanischen ländlichen Entwicklungsprogramme. GAP Direktzahlungen hatten hauptsächlich negative und einige positive indirekte Auswirkungen auf Gyimes und Las Hurdes. Maßnahmen der ländlichen Entwicklung hingegen hatten der Untersuchung zufolge einen geringen positiven Effekt, der schwer zu quantifizieren war.
Letztlich wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass ländliche Entwicklungspolitik marginalisierte ländliche Gebiete am besten unterstützen könnte, wenn sie umstrukturiert und gezielter an Gebiete mit einem realen Bedarf an öffentlichen Hilfsleistungen geleitet würde. Vor dem Hintergrund der Herausforderungen globaler Landwirtschaft und der Tatsache, dass ländliche Entwicklung heutzutage viel mehr erfordert, als die Unterstützung der Landwirtschaft, schlägt die vorliegende Arbeit abschließend eine Neuorientierung landwirtschaftlicher Politik vor. Regionale Lösungen, die traditionelle, gut an lokale Standortbedingungen angepasste Produktionssysteme mit modernen Technologien verbinden und lokale Einkommensquellen, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel und ökologische Nachhaltigkeit sichern, sollten gefördert werden.


SWD-Schlagwörter: Kulturlandschaft , Kulturlandschaftswandel , Landnutzung , Peripherie
Freie Schlagwörter (englisch): landscape development , land use change , traditional cultural landscapes
Institut: Institut für Landespflege
Fakultät: Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften
DDC-Sachgruppe: Landschaftsgestaltung, Raumplanung
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Konold, Werner (Prof. Dr.)
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.12.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 22.12.2011
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