Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Eingang zum Volltext

Lizenz

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-84024
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8402/


Bender, Caroline

Körperunzufriedenheit und körperbezogene Informationsverarbeitung bei Kindern

Body dissatisfaction and body-related information processing in children

Dokument1.pdf (16.065 KB) (md5sum: 20120abbb81ec292e9a3419d1bb7e770)

Kurzfassung in Deutsch

Körperunzufriedenheit ist bereits im Kindesalter verbreitet und mit psychosozialen sowie psychopathologischen Risiken verbunden. Für das Erwachsenenalter postulieren kognitive Modelle eine vermittelnde Funktion von Verzerrungen in der Informationsverarbeitung für den Zusammenhang von Körperbild und psychischer Belastung oder gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen. Unklar ist, ob solche Prozesse bereits in der Entwicklung der Körperunzufriedenheit auftreten. Da für die Erhebung von Körperunzufriedenheit im Kindesalter validierte Verfahren fehlen, sollte in einem ersten Schritt ein Selbstberichtsverfahren validiert werden. In einem zweiten Schritt sollten körperbezogene Verzerrungen in Selbstaufmerksamkeit und Interpretationen untersucht werden.
In Studie 1 wurde anhand von N = 2186 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 8 und 14 Jahren die Übersetzung der Body Esteem Scale (Mendelson & White, 1982) adaptiert und validiert. Im Vergleich zu anderen Körperbildverfahren zeigten sich die erwarteten Zusammenhänge, wobei deutlich wurde, dass Muskularität eine unabhängige Facette des Körperbildes darstellt und Silhouetten-Ratings affektiv-evaluative Aspekte des Körperbildes nur eingeschränkt wiedergeben. Hinsichtlich der Verbreitung von Körperunzufriedenheit zeigten 46% der Mädchen und 32% der Jungen ein dünneres Idealbild auf, während 34% der Mädchen und 21% der Jungen im Fragebogen den deutlichen Wunsch berichteten, dünner zu sein.
In Studie 2 wurde anhand der Daten von N = 1253 Schülerinnen und Schülern (8-14 Jahre) ein Selbstberichtsverfahren zur Erfassung von privater und öffentlicher Selbstaufmerksamkeit und Körperaufmerksamkeit entwickelt und an einer weiteren Stichprobe mit N = 609 Schülerinnen und Schülern (10-15 Jahre) extern kreuzvalidiert. In der Gruppe der Körperunzufriedenen wurde besonders bei den älteren Kindern eine höhere öffentliche Körperaufmerksamkeit festgestellt als in der Gruppe der Körperzufriedenen. Diese klärte neben der Körperunzufriedenheit zudem unabhängige Varianzanteile am gezügelten Essverhalten auf.
In Studie 3 konnte schließlich in einer Stichprobe mit N = 587 Schülerinnen und Schülern (10-14 Jahre) gezeigt werden, dass besonders in negativen Szenarien und unter Selbstperspektive körperunzufriedene Schülerinnen und Schüler mehr Bezug zum Körper/Aussehen annehmen als körperzufriedene.
Zusammengenommen weisen diese querschnittlichen Befunde daraufhin, dass Informationsverarbeitungsprozesse auch entwicklungspsychopathologisch von Bedeutung sein könnten. Diese Befunde regen zu weiterer Forschung an, um langfristig ein umfassenderes Verständnis der Körperunzufriedenheit bei Kindern und deren Entwicklung zu bekommen.


Kurzfassung in Englisch

Body dissatisfaction already occurs in childhood and has been linked to a variety of psychosocial and psychopathological complications. Cognitive behavioral models for adults assume that biased information processing mediates the association between body image and psychological distress or unhealthy, dysfunctional behaviors. However, it is unclear whether biased information processing also occurs in childhood body dissatisfaction. So far, there is no German rating scale assessing body
dissatisfaction in childhood. Thus, a rating scale was translated and validated. Subsequently, body related information processing, namely self-focused attention and interpretation of ambigous scenarios, was analyzed.
In study 1, the German version of the Body Esteem Scale (Mendelson & White, 1982) was translated and modified based on statistic criteria in a sample of N = 2186 students (8-14 years). The resulting version shows satisfying psychometric properties. As anticipated, correlations with other scales varied, showing that muscularity concern is an independent component of body image. Further, figure rating scales appeared to be limited in reflecting affective-evaluative aspects of body image. In this sample,
46% of girls and 32% of boys had a thinner body ideal, while 34% of girls and 21% of boys reported an explicit wish to be thinner.
In study 2, a rating scale assessing self consciousness was developed with a sample of N = 1253 students (8-14 years). The resulting scale differentiates between public and private self consciousness and body consciousness. This factorial structure was replicated in an independent sample of N = 609 students (10-15 years). Those children, who reported more body dissatisfaction also reported more public body consciousness. Further, public body consciousness independently predicted restrained eating besides body dissatisfaction.
In study 3, interpretation of ambigous scenarios in sample of N = 587 students (10-14 years) showed that those who are dissatisfied with their appearance report more body-related interpretations in negative scenarios and self-perspective than those who are satisfied with their appearance.
To sum up, these cross-sectional data implies that biased information processing may be relevant in the development of body dissatisfaction and associated psychopathology. These priminary results may encourage future research to better understand body dissatisfaction in childhood and its developmental trajectories.


SWD-Schlagwörter: Körperbild , Kind , Informationsverarbeitung , Selbstaufmerksamkeit , Interpretation
Freie Schlagwörter (deutsch): Körperunzufriedenheit
Freie Schlagwörter (englisch): body dissatisfaction
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Tuschen-Caffier, Brunna (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.05.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 02.01.2012
Indexliste