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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-84705
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8470/


Müller, Christian

Die Subjektform des unternehmerischen Selbst zwischen Autonomie und Fragmentierung : eine empirische Untersuchung zum Wandel der Subjektkulturen

Dokument1.pdf (600 KB) (md5sum: a6ea416df5dcf72eb7cd80e6f5102da9)

Kurzfassung in Deutsch

Das Konzept der unternehmerischen Selbstführung ist in den letzten Jahren auf politischer und ökonomischer Ebene zu einer zentralen Anforderung geworden, mit der sich das Individuum sowohl in seiner Rolle als Staatsbürger, als auch als Arbeitnehmer konfrontiert sieht. In der Idee, sich in seiner Identitätskonstruktion und Selbstführung an Maßstäben unternehmerischen Handelns zu orientieren und im Zuge dessen auch eine permanente Selbstoptimierung durchzuführen, konvergieren soziopolitische Verschiebungen, die im Zuge neoliberaler Regierungsprogramme die Verantwortung für beruflichen Erfolg oder Scheitern in vollem Umfang dem Individuum selbst zuschreiben. Die Ausbreitung von Konzepten des freien Marktes auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche bedeutet eine Abkehr von wohlfahrtsstaatlichen Prinzipien des Fordismus, die eine Art Puffer zwischen den Turbulenzen der Märkte und der Lebenswelt des Individuums darstellten. In gleichem Maße handelt es sich jedoch bei den Imperativen unternehmerischer Selbstführung auch um eine Reaktion auf Forderungen von Seiten linker Kapitalismuskritik - etwa nach größerer Autonomie der Arbeitnehmer oder einer Humanisierung der Arbeitsstrukturen.

Die vorliegende Arbeit bietet eine Einführung in verschiedene theoretische Konzepte von Regierungstechniken von Michel Foucault bis zu den Arbeiten Ulrich Bröcklings im Kontext der Gouvernementality Studies. Die Wandlungen des kapitalistischen Geistes im Verlauf der Moderne, die die gegenwärtige Situation besser verständlich machen, werden mit den Studien der Autoren Luc Boltanski und Éve Chiapello in angemessener Weise in den Blick genommen.

Den Kern der Arbeit bildet jedoch eine empirische Analyse von Interviews nach der Methode der integrativen Hermeneutik, die mit Angestellten eines größeren Industrieunternehmens durchgeführt wurden. Es handelte sich dabei ursprünglich um Material zur rein unternehmensinternen Verwendung, das von einem Angestellten des mittleren Managements erhoben und dem Autor freundlicherweise zur erneuten Auswertung überlassen wurde. Gegenstand der Gespräche waren der Umgang mit Anforderungen unternehmerischen Handelns im Unternehmenskontext und im Bezug auf die persönliche Lebensführung.

Der Fokus bei der Re-Analyse des Materials liegt nun auf den vorgefundenen Subjektformen. Im Konzept des Subjekts verdichten sich die oben genannten soziopolitischen Veränderungen, sowohl im Hinblick auf Regierungs-, als auch auf Selbstpraktiken, und manifestieren sich in Form von Identitäten, Selbstkonzepten, aber auch in Brüchen und Pathologien. Analog zu den Verschiebungen des kapitalistischen Geistes finden sich nach Andreas Reckwitz in der Moderne drei hegemoniale Subjektkulturen, für die jeweils eigene Formen und Weisen der Subjektivierung charakteristisch sind. Diese bilden den weiteren Horizont, in den die vorgefundenen Subjektformen eingebettet werden. Auf dem Konfliktfeld der Subjektulturen findet Identifikation, Definition, Abgrenzung und Delegitimierung anderer Subjektformen und -kulturen statt, die auch in den Selbstpraktiken, Wissensformen und Deutungsmustern der Individuen ihre Spuren hinterlassen. Diesen Spuren sucht die Arbeit nachzugehen und setzt dabei den Fokus auf den Umgang mit besagten Imperativen unternehmerischer Selbstführung. Dabei stellen sich verschiedene Fragen: Auf welche unterschiedlichen Subjektformen treffen diese Imperative? Auf welche Weise findet eine je subjektiv spezifische Außeinandersetzung mit diesen statt? Welche Schwierigkeiten und Konflikte zeigen sich dabei? Gibt es Widerstand, Kritik, Ablehnung oder Umdeutungen in der Konfrontation mit diesen Anforderungen?

Im Rahmen der Stichprobe der ausgewerteten Interviews stellt die Arbeit eine kritische Bestandsaufnahme dar. Diese soll sowohl die Genese gegenwärtiger Regierungs- und damit in Zusammenhang stehender Subjektivierungsformen nachzeichnen und in einem historischen Kontext verorten, als auch in kultursoziologischer Perspektive die Praktiken des Umgangs mit diesen äußeren Umständen in der Lebenswelt der Individuen abbilden.


SWD-Schlagwörter: Subjekt , Foucault, Michel
Freie Schlagwörter (deutsch): Gouvernementalität , Reckwitz, Andreas , Integrative Hermeneutik , Unternehmerische Selbstführung , Geist des Kapitalismus ,
Institut: Institut für Soziologie
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Diplom-, Magister-, Masterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 02.04.2012
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