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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-85118
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8511/


Schulz, Monika

Morphosyntactic variation in British English dialects : evidence from possession, obligation and past habituality

Morphosyntaktische Variation in Dialekten des Englischen : Belege aus den Bereichen der possessiven Prädikation, der Notwendigkeit und der Habitualität im Präteritum

Dokument1.pdf (2.132 KB) (md5sum: 657661f80ee77bbbe061d1a2fdff6b2f)

Kurzfassung in Deutsch

Die vorliegende Arbeit befasst sich im Rahmen korpusbasierter Dialektsyntax mit morphosyntaktischer Variation in den Midlands und im Norden Großbritanniens.
Sie untersucht die synchrone Variation in den Bereichen der possessiven Prädikation im Präteritum mit HADposs und HAD GOT, der Semi-Modalverben der Notwendigkeit im Präteritum HAD TO und HAD GOT TO und der Hilfsverben zur Markierung der Habitualität im Präteritum WOULD und USED TO. Sie vereint ein dialektologisches Interesse an der geographischen Variation ländlicher Dialekte mit den Methoden und Annahmen der quantitativen Soziolinguistik und interpretiert synchrone Variation als Indikator für Sprachwandel.

Die Auswahl der drei Variablen motiviert sich aus ihrer Stellung innerhalb des englischen Hilfsverbsystems, das Schauplatz bedeutender Sprachwandelprozesse war und ist (Bolinger 1980; Givón 1993; Krug 2000). Strukturell gesehen verteilen sich die hier untersuchten Verben über die gesamte Skala von klassischen Hilfsverben bis hin zu Vollverben mit einigen wenigen Hilfsverbeigenschaften. In ihrer dialektalen Variation können sie als Streiflichter auf unterschiedliche Entwicklungsstufen dreier Subsysteme des Hilfsverbsystems interpretiert werden.

Die Einschränkung auf Phänomene im Präteritum ergibt sich aus der Textsorte der past tense narratives im Sinne von Schiffrin (1981). Der Freiburg Corpus of English Dialects (FRED) besteht aus sogenannten Oral History Interviews, in denen ältere Menschen aus ihrem Leben erzählen. Past tense narratives zeichnen sich vor allem durch die vorherrschenden Tempusformen des Präteritums aus und bieten daher eine ideale Gelegenheit, Phänomene der Vergangenheitsformen von Hilfsverben zu untersuchen (Kortmann and Wagner 2005: 13).

Die Evaluation der unterschiedlichen Entwicklungsstufen der drei Subsysteme findet im Rahmen der Grammatikalisierung statt (Hopper and Traugott 20032). Unterschiedliche Grammatikalisierungsstufen werden anhand der Indikatoren des layering (Hopper 1991), der relativen Häufigkeit von Varianten einer funktionalen Variable und der context expansion im Sinne von Himmelmann (2004) bestimmt. Context expansion, die progressive Verwendung einer grammatikalischen Form in neuen syntaktischen oder semantischen Kontexten, wird mit den Methoden der quantitativen Soziolinguistik operationalisiert und statistisch modelliert.

Die Auswahl der Dialekte der Midlands und des Nordens motiviert sich aus ihrem Status als transitional und relic areas, also als Übergangs- und Reliktgebiete im Sinne von Hock (1986: 440) und Andersen (1988: 73-74). Anhand der Verteilung phonologischer Merkmale kann der Norden als Reliktgebiet identifiziert werden, das von Sprachwandelprozessen, die im Süden Englands ihren Ausgangspunkt haben, nur verzögert oder gar nicht betroffen ist, wohingegen die Midlands als Übergangsgebiet deutliche Spuren dieser Prozesse aufweisen (Trudgill 1999: 52-84).

Eine Zuordnung der Grammatikalisierungsstufen der drei untersuchten Subsysteme zu den phonologisch bestimmten Übergangs- und Reliktgebieten soll klären, ob sich phonologische und morphosyntaktische Phänomene ähnlich verhalten oder ob die geographische Verteilung morphosyntaktischer Innovationen von der geographischen Verteilung phonologischer Innovationen abweicht.

In Bezug auf unterschiedliche Grammatikalisierungsstufen zeigen sich die Midlands hier als das weiter grammatikalisierte System, da sich sowohl im Bereich der possessiven Prädikation als auch im Bereich der Semi-Modalverben der Notwendigkeit layering nachweisen lässt, das im Norden fehlt. Auch im Bereich der Verneinung von HAD und HAD GOT zeigen sich die Midlands als das progressivere Dialektgebiet, da sich hier die Variante hadn't got durchgesetzt hat, während im Norden die traditionellere Variante hadn't am häufigsten vertreten ist.

Besonderes Augenmerk bei der Untersuchung der Variation zwischen WOULD und USED TO liegt auf unterschiedlichen Grammatikalisierungsstufen von USED TO, die anhand seiner relativen Häufigkeit und der Ausdehnung seiner Kombinationsmöglichkeiten auf unbelebte Subjekte und Zustandsverben bestimmt werden können. Auch in diesem Bereich haben die Midlands das weiter grammatikalisierte System, da USED TO höhere relative Häufigkeiten und weniger starke Beschränkungen auf Kombinationen mit menschlichen Subjekten und Vorgangsverben aufweist.

Eine Übereinstimmung in der geographischen Verteilung phonologischer und morphosyntaktischer Innovationen kann für die drei Subsyteme, mit denen sich die vorliegende Arbeit beschäftigt, festgestellt werden, da die Midlands durchweg weiter grammatikalisierte Systeme aufweisen.

Die Ergebnisse aus der Untersuchung unterschiedlicher Grammatikalisierungsstufen von USED TO zeigen auf, dass die relative Häufigkeit zweier Varianten in bestimmten Fällen ein zu grober Indikator ist, da sich hinter identischen relativen Häufigkeiten unterschiedliche Typen von Kontexterweiterung verbergen können.


Kurzfassung in Englisch

In its most narrow conception, the present study contributes to research on the patterning of markers of possession, modality and aspect in traditional British English dialects. The degree of grammaticalization of the systems of past possession, past obligation and past habituality marking in the Midlands and the North will be compared to findings from phonological studies to establish whether relic and transition areas postulated on the basis of phonology hold for the distribution of morphosyntactic features as well or if the areal spread of morphosyntactic innovations differs from the areal spread of phonological innovations.

On a more general level, the study uses the synchronic variation found in past possession, past obligation and past habituality marking as a spotlight on different stages of the grammaticalization of modal and aspectual subsystems of the auxiliary verb system in English. It aims to uncover which kinds of developments can be deduced from the synchronic variation found, whether the same changes or developments can be observed in all dialect areas, and what the differences between the dialect areas tell us about the nature of language change.

From a methodological point of view, the present study contributes to the growing body of literature that employs the methodological tools of variationist sociolinguistics to measure and model degrees of grammaticalization. Relative frequency of use and the patterning of constraints on the use of different variants of a linguistic variable will be compared and constrasted to establish their merit as possible indicators of degrees of grammaticalization.

The present study complements this body of research with a corpus-based, comparative investigation into the systems of past possession, past obligation and past habitual marking in two different dialects of English, informed by current theories of language variation and change and the methodological advances of variationist sociolinguistics.

The chapters on possession and obligation discuss the correlation between the layering of past possession markers and the layering of past obligation markers in the dialect data. The system in the Midlands, which shows layering of HAD and HAD GOT as well as HAD TO and HAD GOT TO, will be argued to be further grammaticalized than the system in the North, where HAD and HAD TO are the sole markers of past possession and past obligation.

The chapters on past habituality focuses on the patterning of WOULD and USED TO. The degree of grammaticalization of USED TO is established via its relative frequency and observable reflexes of its original restriction to combinations with animate subjets and non-stative verbs. A higher relative frequency of USED TO and weaker disfavoring effects of inanimate subjects and stative verbs in the Midlands counties are interpreted as indicators of a higher degree of grammaticalization.


SWD-Schlagwörter: Possessivität , Notwendigkeit , Modalität <Linguistik> , Aspekt <Linguistik> , Dialektologie , Soziolinguistik , Grammatikalisation , Englisch
Freie Schlagwörter (englisch): modality , possession , obligation , past habituality , sociolinguistics
Institut: Englisches Sem. 1 Inst. f. Engl. Sprache und Literatur
Fakultät: Philologische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Englisch, Altenglisch
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Kortmann, Bernd (Prof. Dr.)
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.03.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 13.03.2012
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