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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-85689
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8568/


Gomille, Dorothee

Den Holocaust erzählen : Untersuchungen zum erinnernden Schreiben in Giorgio Bassanis Romanzo di Ferrara

Telling the Holocaust : a study of Giorgio Bassani’s writing of remembrance in the Romanzo di Ferrara

Dokument1.pdf (1.531 KB) (md5sum: 20630de852b76062d852fc0ab726215a)

Kurzfassung in Deutsch

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik des Erinnerns an den Holocaust am Beispiel des italienischen jüdischen Autors Giorgio Bassani (1916-2000) und seinem Prosawerk Il Romanzo di Ferrara (1980). Das in viele Sprachen übersetzte und Preis gekrönte Werk liefert ein Bild Ferraras, der Heimatstadt Bassanis, das uns mit melancholischem Blick und auf eindrückliche Weise das Ferrareser Judentum in der Zeit vor dem Holocaust zeigt. Die Autorin weist nach, dass Bassanis Werk mehr ist als eine solche wehmütig vorgetragene Elegie einer zerstörten Wirklichkeit, und sie entfernt sich insofern auch von den bisher vorherrschenden biographischen Lesarten des Romanzo di Ferrara. Zentral ist in der Arbeit die von Philosophen wie Adorno, Lyotard oder auch Arendt herausgearbeitete Aporie des Sprechens über und insbesondere der Erinnerung an den Holocaust. Dieser zufolge muss einerseits erinnert werden, andererseits darf dieses Erinnern aber niemals das Geschehene in eine Sinn- oder Kontinuitätsstruktur einbinden und auf den Versuch einer Heilung hinauslaufen. Dem Romanzo di Ferrara, so zeigt die Autorin, gelingt es, diese Aporie der Erinnerung mittels aporetischer Erzählverfahren zu kommunizieren. Unter Berücksichtigung relevanter kulturwissenschaftlicher Theorien des Gedächtnisses wird hier präzise herausgearbeitet, dass sich der Text zwar bei einer vordergründigen Lektüre in die Kontinuität der abendländisch-humanistischen Erinnerungskultur einschreibt, dass er jedoch gleichzeitig die vermeintliche Kontinuitätsstruktur und das vermeintlich gestiftete Gedächtnis immer wieder als gebrochen zeigt. Die Autorin macht deutlich, dass der Romanzo di Ferrara die Erinnerungskultur im Angesicht des Holocaust hinterfragt, ohne eine Antwort zu geben, und dass er genau daraus die eigene Erinnerungsfunktion gewinnt.


Kurzfassung in Englisch

The dissertation explores the problematics of remembering the Holocaust in Giorgio Bassani’s (1916-2000) Il Romanzo di Ferrara (1980). The Italian-Jewish writer’s award-winning work which has been translated into many languages presents an image of the author’s home town Ferrara that is at the same time a melancholy look at Ferrara’s Jewry before the Holocaust. The author shows, however, that Bassani’s literary work is more than a nostalgic elegy on a destroyed reality and thus distances itself from the still influential biographical readings of the Romanzo di Ferrara. Considerable emphasis is placed on the aporia of remembering the Holocaust and speaking about it set out by Adorno, Lyotard and Arendt. According to this aporia the Holocaust must be remembered on the one hand, while on the other remembering must not integrate it into a structure of meaning and continuity, implying the attempt of a healing. The dissertation shows that the Romanzo di Ferrara communicates the aporia of remembrance by way of techniques of narrating characterised by aporia. Bassani’s work inscribes itself into the continuity of a Western-humanist culture of memory while at the same time the supposed structure of continuity and remembrance is disturbed. The author shows that the Romanzo di Ferrara examines the culture of remembrance in the face of the Holocaust without giving an answer and thus obtains its specific function of remembrance precisely from this strategy.


SWD-Schlagwörter: Erinnerung , Gedächtnis , Judenvernichtung , Auschwitz , Kollektives Gedächtnis , Mnemotechnik , Gedenken , Schreiben nach Auschwitz , Judentum <Motiv
Freie Schlagwörter (deutsch): Literatur und Gedächtnis , Giorgio Bassani , Bassani , Holocaust , Shoah , jüdisch
Freie Schlagwörter (englisch): memory , Holocaust , remembrance , jews , distruction of the european jews , jewish
Institut: Romanisches Seminar
Fakultät: Philologische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Französische und verwandte Literaturen
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Klinkert, Thomas (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.10.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 15.05.2012
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