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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-86596
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8659/


Utz, Kristina Sara

Traumaarbeit im interkulturellen Kontext: Eine kritische Reflexion westlicher Ansätze und Begutachtung alternativer Zugänge am Beispiel von Überlebenden politisch motivierter Gewalt

Trauma work in an intercultural context: A critical reflection on Western approaches and assessment of alternative approaches on the example of survivors of politically motivated violence

Dokument1.pdf (2.813 KB) (md5sum: 3fc7acc0582b8d0cf16654d1cd62db21)

Kurzfassung in Deutsch

Die Konfrontation mit den Folgen politisch motivierter Gewalt (z. B. Folter und kriegerische Auseinandersetzungen) erfahren westliche PsychologInnen, PsychiaterInnen und TherapeutInnen im Umgang mit MigrantInnen und politischen Flüchtlingen im eigenen Land oder in Form von Therapiearbeit in (Post-)Konflikt-Ländern. So werden westliche Konzepte und Behandlungsansätze von Traumatisierung Gegenstand der interkulturellen Traumaarbeit; politisch motivierte Gewalt findet jedoch hauptsächlich in nicht-westlichen Gesellschaften statt, die kollektivistisch orientiert sind. Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist die Kritik an westlichen Psychotrauma-Ansätzen als ethnozentrisch und unpassend für Menschen aus anderen Kulturen. Es wird deshalb eine Einführung in die etablierte Psychotraumatologie (insb. der PTSD) in der westlichen Wissenschaft gegeben. Der Fokus liegt anschließend auf der kritischen Beurteilung dieser Konzepte im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit in anderen kulturellen Kontexten. Dazu werden zunächst die für die Traumaarbeit relevanten Unterschiede von westlichen und nicht-westlichen Gesellschaften dargelegt. Anschließend wird die Relevanz einer kritischen Auseinandersetzung aufgezeigt, und die klassischen Psychotrauma-Ansätze im Hinblick auf ihre kulturelle Validität kritisch beleuchtet. Es wird gezeigt, dass die Folgen von man made-disaster des Trauma-Typs-II besser als kollektive, psychosoziale und sequentielle Traumata beschrieben werden können. Ethnokulturelle Unterschiede verursachen u. a. Variationen in der syndromalen Psychopathologie und in der Interpretation von Symptomen. Unterschiede im Krankheitsverständnis und in der Bedeutung der Kognition können zu inadäquater Diagnostik und Intervention führen und sollten deshalb beachtet werden. Dennoch gibt es entgegen vieler Kritiken universelle Anteile in der Symptomatologie, weshalb auch das Konzept der PTSD eingeschränkt anwendbar auf andere Kulturen ist. Chancen und Risiken des Transfers westlicher Traumaansätze auf andere Kulturkreise werden dargestellt. Das PTSD-Konzept kann zu Entprivatisierung und Anerkennung von Leid dienen, allerdings besteht die Gefahr der Verdrängung alternativer Ansätze und einer Individualisierung, Pathologiesierung und Psychologisierung sozialen Leidens. Schließlich werden alternative Zugänge zu westlichen Psychotrauma-Ansätzen referiert. In die Traumatherapie von Flüchtlingen und MigrantInnen im Westen können alternative Ansätze wie Rituale und Testimonio sowie kultursensitive Techniken wie Narration mit einbezogen werden. Gerade bei Überlebenden politisch motivierter Gewalt sollte das Trauma immer im jeweiligen kulturellen, sozialen und politischen Kontext und als ein Wechselverhältnis zwischen gesellschaftlichen Ursachen und individuellen Reaktionen verstanden werden.


Kurzfassung in Englisch

Western psychologists, psychiatrists and therapists are confronted with the consequences of politically motivated violence (e.g., torture and armed conflict) when dealing with migrants and political refugees in their own country or during therapeutic work in (post-)conflict countries. Thus Western concepts and treatment approaches become subject of intercultural trauma work; however, politically motivated violence is taking place mainly in non-Western, collectivist societies. The basis of this paper is the critique of Western psychotrauma approaches as being ethnocentric and inappropriate for people from other cultures. Hence an introduction to the mainstream psychotraumatology in Western science is given. Emphasis is put on the critical assessment of these concepts in terms of their applicability in other cultural contexts. For this purpose the relevant differences for trauma work of Western and non-Western societies are outlined. Subsequently, relevance of a critical analysis is highlighted and classical trauma approaches are evaluated in terms of their cultural validity. It is shown that the sequelae by man-made disasters of trauma-type-II can better be described as collective, sequential, and psychosocial traumas. Ethnocultural differences cause variations in the psychopathology of syndromes and in the interpretation of symptoms. Differences in the understanding of disease and the significance of cognition can lead to inadequate diagnosis and intervention and should therefore be taken into account. Yet universal aspects in the symptomatology can be recognized which make the PTSD concept with limited validity applicable to other cultures, contrary to many critiques. Opportunities and risks of the transfer of western trauma approaches to other cultures are presented. The concept of PTSD may serve to deprivatize and recognize suffering, but there is a risk of suppressing alternative approaches and individualize, pathologize and psychologize social suffering. Finally, alternative approaches to western psychotrauma approaches are discussed. Trauma treatment of refugees and migrants in the West may include alternative approaches such as rituals and testimony and culturally sensitive techniques such as narration. Especially for survivors of politically motivated violence, the political and social context plays an important role. The trauma should always be understood in its cultural, social and political context and as an interrelationship between individual reactions and social causes.


SWD-Schlagwörter: Trauma , Posttraumatisches Stresssyndrom Kultur , Flüchtling , Migration , Gewalt , Krieg , Einwanderer , Psychotherapie , Kollektivismus
Freie Schlagwörter (deutsch): interkulturell , transkulturell , Kultursensitivität
Freie Schlagwörter (englisch): intercultural , transcultural , cultural sensitivity
Institut: Institut für Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Bachelor Thesis
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 04.09.2012
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