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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-87218
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8721/


Schneider, Annette

Das Körperbewusstsein bei Kindern und Jugendlichen : Entwicklung, altersabhängige Ausprägung und Einfluss auf Gesundheitsförderung und Gesundheitsprävention

Body awareness of children and adolescents

Dokument1.pdf (5.965 KB) (md5sum: 6117e8ce0fa6cf331b2c7f1418d5e2a4)

Kurzfassung in Deutsch

Kinder und Jugendliche gehören zur gesündesten Bevölkerungsgruppe, doch aufgrund der veränderten Lebensbedingungen treten auch bei ihnen zivilisationsbedingte Defizite und Erkrankungen auf. Neben Verhaltensauffälligkeiten, erhöhtem Unfallrisiko und Haltungsproblemen gilt die stetig ansteigende Zahl an übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen als besonders schwerwiegendes Problem. Ein gut entwickeltes Körperbewusstsein, definiert als gedankliche Einschätzung des eigenen Körpers, seiner motorischen und sensorischen Fähigkeiten, kann als biologischer Schutzfaktor diskutiert werden, der sich positiv auf das subjektive Wohlbefinden auswirkt und Kinder und Jugendliche zu einem verantwortungsbewussten und pfleglichen Umgang mit dem Körper anregt.
Für eine gezielte Förderung des Körperbewusstseins und dessen Nutzung für gesundheitsfördernde und präventive Maßnahmen bedarf es einer Bestandsaufnahme über den aktuellen Entwicklungsstand bei Kindern und Jugendlichen. Zur Erfassung der altersabhängigen Entwicklung und Ausprägung des Körperbewusstseins im Kindes- und Jugendalter wurde ein neues Messinstrument, der „Freiburger Fragebogen zum Körperbewusstsein – FFKB“ konzipiert. Dieser besteht aus drei Modulen, in welchen der körperliche Entwicklungsstand, die familiäre und soziale Situation, sowie eine Vielzahl von Merkmalen zum körperlichen Aktivitätsverhalten und den subjektiven Bewertungen des eigenen Körpers und des Gesundheitszustands eruiert werden. Der FFKB wurde in einer Pilotstudie mit insgesamt 2047 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 3 und 17Jahren im Raum Freiburg erprobt und damit Referenzwerte zur Beurteilung des Körperbewusstseins geschaffen.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich die untersuchten Kinder und Jugendlichen in einem guten körperlichen Zustand befanden, der dem bundesdeutschen Durchschnitt entspricht. Bei den familiären sowie sozialen Beziehungen ergaben sich keine Auffälligkeiten, mit Ausnahme der gehäuft auftretenden negativen Sozialkontakte zwischen den Befragten und ihren Peergroups. Das sportliche Aktivitätsverhalten nahm im Altersverlauf ab und lag in allen Altersklassen unter den empfohlenen Richtlinien. Mädchen waren weniger häufig in Sportvereinen organisiert als Jungen und beurteilten ihre sportlichen Fähigkeiten weniger gut. Der Hauptgrund, um Sport zu machen, war bei beiden Geschlechtern der Spaß an der Bewegung.
Die Zufriedenheit mit dem Aussehen nahm im Altersverlauf ab, wobei Mädchen ihr Aussehen generell weniger positiv beurteilten als Jungen, sich häufiger für zu dick oder nicht hübsch hielten und im Gegensatz zu Jungen häufiger einen Zusammenhang zwischen Aussehen und körperlichem Wohlbefinden sahen. Mit zunehmendem Alter brachten die Befragten ihrem Körper weniger positive Gefühle entgegen, die Mädchen häufiger als die Jungen und auch die subjektive Bewertung des Gesundheitszustands verschlechterte sich im Altersverlauf, wiederum bei Mädchen stärker als bei Jungen. Die Körperkonzepte als gedankliches Konstrukt vom inneren Aufbau der Körpers beruhten anfänglich auf Wahrnehmungserfahrungen und erweiterten sich im Altersverlauf durch Informationen aus dem sozialen Umfeld, welche in die bestehenden Konzepte integriert wurden. Bei der Ausprägung des Körperbewusstseins war ein Zusammenhang mit dem Gewichtsstatus der Befragten erkennbar. Während Normal- und Übergewichtige ein überwiegend positives Körperbewusstsein hatten, waren Untergewichtige und Adipöse deutlich unzufrieden mit ihrem Körper und ihrem Gesundheitszustand.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Förderung eines positiven Körperbewusstseins bereits im Kindesalter beginnen sollte, damit sich dieses frühzeitig ausbildet und auch stabil erhalten bleibt. Ebenfalls sollten die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Körperwahrnehmung, dem Körpergefühl und dem subjektiven Gesundheitsempfinden bei angeboten Maßnahmen der Gesundheitsförderung berücksichtigt werden. Bei präventiven Maßnahmen sollte das positive Körperbewusstsein der Übergewichtigen genutzt werden, ihnen jedoch gleichzeitig die Risiken von Übergewicht verständlich gemacht und sie zu einem gesundheitsbewussten Verhalten angeregt werden.


Kurzfassung in Englisch

Children and adolescents are one of the healthiest groups of the population but owing to the modified living conditions they also have deficiencies and diseases based upon today’s lifestyle. In addition to behavioural problems, high risk of accidents and bad postures, the continually rising number of overweight and obese children and adolescents is seen as a particularly worrying problem. A well-developed body awareness, defined as the mental estimation of the person’s own body, meaning its sensory and motor skills, can be shown as a biological protective factor having a positive effect upon subjective well-being and encouraging children and adolescents to be responsible and careful with their bodies.
In order to promote body awareness as a means to better health we need to have a clear overview of the current level of body awareness in childhood and adolescence. To find out clear data of the age-dependent development and value of body awareness of children and adolescents a new instrument, the “Freiburger Fragebogen zum Körperbewusstsein – FFKB“, was conceived. This questionnaire consists of three parts in which the state of physical development, family structure and social environment, as well as a great number of features in the field of physical activity, body perception and health estimation are determined. The FFKB was tested in a pilot study in Freiburg and its surroundings with a total of 2047 children and adolescents aged 3 to 17 years and thereby reference values in order to judge body awareness were created.
The children and adolescents interviewed showed good physical condition corresponding to the nationwide average. Family and social relations also corresponded to the nationwide average with the exception of negative social contacts between the persons interviewed and their peer groups. Physical activity decreased with age and was below the guideline activities for all ages. Girls were less organized in sports clubs than boys and estimated their sporting abilities as less than that of boys. In both sexes the main reason to participate in sports activities was to have fun.
The concern with their body shape decreased with rising age. Girls generally judged their body shape as less positive than boys, seeing themselves more often as fat and not pretty and contrary to boys they more often stated a connection between shape and well-being. With increasing age the persons interviewed had less positive feelings towards theirs bodies, girls more often than boys, and also the satisfaction with their state of health decreased with rising age, again more strongly with girls than boys. Body concepts as mental scripts of the internal structure of the body were based upon perception in the beginning and were, with rising age, enlarged upon by information from the social surrounding which was integrated into the existing scripts. In regard to the development of body awareness a correlation with the weight of the children and adolescents interviewed could be seen. Whereas normal weight and overweight children and adolescents in the majority had positive body awareness, underweight and obese respondents were significantly unsatisfied with their bodies and their state of health.
The results clearly show that a promotion of positive body awareness should start in early childhood so it can be formed at an early stage and keep stable in the future. Sex dependent differences in body perception, body feeling and health estimation should be taken into consideration for a healthier lifestyle. When preventive measures are offered, the positive outcome of body awareness in the overweight children and adolescents should be made use of but at the same time the risks of being overweight should be explained to them, and they should be encouraged to lead a more health-conscious lifestyle.


SWD-Schlagwörter: Kind , Jugend , Körpererfahrung , Körperliche Aktivität , Anthropometrie , Übergewicht , Wohlbefinden
Freie Schlagwörter (deutsch): Körperbewusstsein , Körperkonzepte , Körpergefühl , Subjektives Gesundheitsempfinden , Risiko- und Schutzfaktoren
Freie Schlagwörter (englisch): Body awareness , Body concepts , Physical activity , Subjektive well-being , Overweight
Institut: Institut für Biologie 1 (Zoologie)
Fakultät: Fakultät für Biologie
DDC-Sachgruppe: Biowissenschaften, Biologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Collatz, Klaus-Günter (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.07.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 22.08.2012
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