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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-87944
URL: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8794/


Bahamondes Pavez, Carolina

Zielorientierte Führungssysteme : eine empirische Analyse über zielbezogene Merkmale und ihre Zusammenhänge zu Arbeitssituation und Befinden

Goal-oriented management systems : an empirical analysis of goal-related characteristics and their relationship to working conditions and to well-being impairments

Dokument1.pdf (2.050 KB) (md5sum: 1f2ce93220bd32195bf442a821e8de95)

Kurzfassung in Deutsch

In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Veränderungen in der Arbeitswelt berichtet: Der Arbeitsauftrag wird zunehmend anhand von Outputgrößen vergeben, Beschäftigte erhalten mehr Verantwortung für den Arbeitsprozess sowie für das Erreichen der gesetzten Ziele, welche zudem häufig ausschlaggebend für die Leistungsbewertung sind. Diese sogenannten zielorientierten Führungssysteme bieten grundsätzlich Potenziale für die Motivation und das Wohlbefinden der Beschäftigten. Studienergebnisse weisen jedoch auf die ungünstige Umsetzung zielorientierter Führungssysteme hin. Diesen Befunden zufolge rücken die Risiken für das Wohlergehen von Beschäftigten in den Vordergrund. Aber welche kritischen Aspekte gilt es zu optimieren, um so die Potenziale zielorientierter Führungssysteme zu nutzen ohne dabei das Wohlbefindens der Betroffenen aufs Spiel zu setzen?
Diese Arbeit beleuchtet anhand von verschiedenen arbeits- und organisations-psychologischen sowie Management- und Führungskonzepten kritische Aspekte zielorientierter Führungssysteme. Auf Basis des Forschungsstandes und der in der Literatur berichteten Umsetzungsprobleme wurden zielbezogene Merkmale sowie arbeitsbezogene Stressoren abgeleitet. Diese wurden auf ihren Zusammenhang mit der Befindensbeeinträchtigung Irritation (Mohr, Rigotti & Müller, 2005) hin untersucht sowie hinsichtlich ihres Zusammenspiels. Vor dem Hintergrund der Goal Setting Theory (Locke & Latham, 1984), deren zentrale Aussagen insbesondere in Hinblick auf Leistung und Motivation als gut bestätigt gelten, zeichnen sich in zielorientierten Führungssystemen weitere Aspekte als relevant ab. Neben Zielqualität, die über erweiterte Kontrollmöglichkeiten im Sinne der wahrgenommen Erreichbarkeit von Zielen und Anpassbarkeit von Zielen und Ressourcen operationalisiert wurde, stellen antizipierte negative Folgen des Zielverfehlens zentrale zielbezogene Aspekte der vorliegenden Studie dar. Des Weiteren werden in der Literatur und im Unternehmensgeschehen Arbeitsintensivierung und -konflikte häufig thematisiert, so dass die Betrachtung von arbeitsbezogenen Stressoren im Sinne von quantitativen Anforderungen und kognitiven Widersprüchen wichtig erschien. Eine ungünstige Ausprägung der betrachteten ziel- und arbeitsbezogenen Merkmale steht der Annahme zufolge in engem Zusammenhang mit Irritation. Auch postuliert wurde, dass die Antizipation negativer Konsequenzen einer Zielverfehlung die Wichtigkeit eines Ziels für die Beschäftigten und somit den Zusammenhang zwischen geringer Zielqualität und Irritation erhöht. Weiterführend wurde das Zusammenwirken von zielbezogenen Merkmalen und arbeitsbezogenen Stressoren vor dem Hintergrund von Irritation untersucht. Erwartet wurde, dass der Effekt von zielbezogenen Merkmalen auf Irritation durch arbeitsbezogene Stressoren vermittelt wird.
Die erwarteten Zusammenhänge wurden im Rahmen einer Querschnittuntersuchung anhand eines schriftlichen Fragebogens überprüft, an der 311 Beschäftigte ohne Führungsverantwortung aus drei überwiegend zielorientiert geführten deutschen Unternehmen teilgenommen haben. Dabei wurde nach Möglichkeit auf validierte Skalen zurückgegriffen. Wo kein geeignetes Instrument zur Verfügung stand, wurden Skalen selbst konstruiert. Die Überprüfung der Skalenqualität erfolgte anhand verschiedener Gütekriterien und Methoden. Die resultierende Skalengüte ist als zufriedenstellend bis gut zu bewerten.
Die Ergebnisse zeigen durchgängig die erwarteten bivariaten Zusammenhänge zwischen einerseits geringer Zielqualität, hohen antizipierten negativen Folgen einer Zielverfehlung, hohen quantitativen Anforderungen sowie kognitiven Widersprüchen und andererseits hoher Irritation. Die Moderatorrolle von antizipierten negativen Folgen einer Zielverfehlung auf den Zusammenhang von Zielqualität und Irritation wurde nicht bestätigt. Die Mediationsannahme, die auf die Vermittlung der Effekte ungünstig gestalteter zielbezogener Merkmale auf Irritation durch arbeitsbezogene Stressoren hinweist, wurde bestätigt. Das Gesamtmodell mit vier Prädiktoren klärt – unter Berücksichigung der Mediatorrolle arbeitsbezogener Stressoren – über 50 Prozent (R²=.53) der Varianz der Befindensbeeinträchtigung Irritation auf. Dabei zeigen insbesondere eine geringe Zielqualität und hohe kognitive Widersprüche ein hohes befindensbeeinträchtigendes Potenzial.
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie lassen sich als Hinweis auf die Relevanz der hier betrachteten Aspekte für die Befindensbeeinträchtigung von Beschäftigten in ungünstig gestalteten zielorientierten Führungssystemen interpretieren. Darüber hinaus geben sie Aufschluss darüber, wie zielbezogene Merkmale und arbeitsbezogene Stressoren mit Blick auf Befindensbeeinträchtigungen zusammenwirken könnten. Aus der Studie ergeben sich somit zum einen Implikationen für weitere Forschung, zum anderen liefert die vorliegende Studie erste Hinweise für die betriebliche Praxis.


Kurzfassung in Englisch

Several changes have taken place in the world of work in the last decades: the assignation of tasks has become highly output-oriented and employees become increasingly responsible for both the working process itself and the achievement of set goals. Further even the performance assessment for employees is more attached to the goal attainment. These so-called goal-oriented management systems offer potentials for the motivation and well-being of employees. Studies, however, indicate their poor implementation, which involves risks for employees’ welfare. But which critical factors need to be optimized in order to promote the potentials of goal-oriented management systems and to protect employees’ well-being?
The present study analyses critical aspects in goal-oriented management systems regarding various work and organizational psychology as well as management and leadership concepts. Based on the state of research and considering the implementation problems often addressed in literature goal-related characteristics and work-related stressors were deduced and their relationship with well-being impairments in terms of irritation (Mohr, Rigotti & Müller, 2005) as well as their interaction among each other were investigated. In light of the well confirmed findings of the Goal Setting Theory (Locke & Latham, 1984), which are especially related to employees’ performance and motivation, it was found that further aspects of goals-oriented systems needed to be taken into consideration. Goal quality – operationalized through enhanced control in terms of perceived attainability of goals and adaptability of goals and resources – and the anticipation of negative consequences associated with goal failure represent central goal-related aspects of the present study. Furthermore, work intensification and conflicts at work are currently often reported issues in literature and in companies’ daily workaday; therefore work-related stressors in terms of quantitative requirements and cognitive contradictions at work were considered. Unfavourable values in goal- and work-related aspects were expected to be highly related with poor well-being (irritation). In addition, it was assumed that anticipated negative consequences of goal failure augmented the importance of goals for employees and therefore the strength of the relationship between low goal quality and irritation. Further the interaction between goal-related characteristics and work-related stressors was examined with regard to irritation. It was expected that work-related stressors mediated the effects of goal-related characteristics on irritation.
A cross-sectional study was conducted to test the expected associations. Data from 311 employees from three German companies, who were leaded predominantly through goals and with no managerial responsibility, was obtained by questionnaire. Validated scales were used, although in the case of absence of appropriate instruments new scales were constructed. Their quality was analysed and optimized applying different methodological measures and procedures. The final scale quality can be evaluated as satisfying or good.
The results consistently show the expected bivariate correlations between low goal quality, high anticipated negative consequences of goal failure, high quantitative demands, cognitive contradictions on the one hand and high irritation on the other. The moderator role of anticipated negative consequences of goal failure in the relationship between goal quality and irritation could not be confirmed. The mediation assumption indicating the mediation of the effects of unfavourable goal-oriented characteristics on irritation by work-related stressors was confirmed. The final comprehensive model, which includes four predictors and takes into account the mediation of work-related stressors, clarifies over 50 per cent (R²=.53) of the variance of irritation. The results show that a low goal quality and high cognitive contradictions are particularly relevant in term of their highly prejudicial impact on well-being.
The results of this study indicate the relevance of the considered aspects for employees’ well-being in unfavourably designed goal-oriented management systems. They also provide some information about how the included goal-related characteristics and work-related stressors may interact among each other with view of well-being impairments. Due to the cross-sectional study design no causal inferences can be made and alternative interpretations are allowed. Therefore this study provides some implications for further research as well as indications for health promotion.


SWD-Schlagwörter: Zielorientierte Führungssysteme , Zielvorgabe , Zielvereinbarung , Management by objectives , Irritation , psychische Fehlbeanspruchung , PMR , ProMES
Freie Schlagwörter (englisch): Goal-oriented management systems , Goal-setting , Management by objectives , Irritation , Well-Being impairments , ProMES
Institut: Institut für Psychologie
Fakultät: Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Schüpbach, Heinz (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.10.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 12.11.2012
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